1. Politik
  2. Ausland

Heute sind Präsidentschaftswahlen in Simbabwe: Facebook-Figur macht Mugabe zu schaffen

Heute sind Präsidentschaftswahlen in Simbabwe : Facebook-Figur macht Mugabe zu schaffen

Seit 1980 ist Robert Mugabe in Simbabwe an der Macht. Ob dies auch weiter der Fall sein wird, darüber entscheiden am heutigen Dienstag die Einwohner des Landes. Auf einer Facebook-Seite jedenfalls wird mächtig Druck auf den Präsidenten ausgeübt. Eine Comic-Figur verrät dort Parteiinterna und plaudert auch über Korruptionsskandale.

Als im Jahr 2008 die Präsidentschaftswahlen in Simbabwe anstanden, endete das für mehr als 200 Menschen blutig. Sie wurden Opfer politischer Gewalt. Am Ende gab Herausforderer Morgan Tsvangirai, der mit seiner Partei eigentlich die erste Runde der Wahlen gewonnen hatte, nach und bildete mit Mugabe auf Druck der Nachbarländer eine "Regierung der nationalen Einheit". Nun stehen sich die beiden Herausforderer erneut gegenüber.

Denn rund 6,4 Millionen Menschen entscheiden in dem afrikanischen Krisenstaat an diesem Dienstag über ein neues Parlament und auch, wer künftig das Amt des Präsidenten innehaben soll. Fünf Kandidaten konkurrieren um das Amt, doch Chancen werden erneut nur Tsvangirai und Mugabe eingeräumt. Und so steht die Frage im Raum, ob der 89-jährige Mugabe noch einmal an die Macht kommt, zumal bereits vor Wahlbetrug gewarnt wurde — westliche Wahlbeobachter wie die UN wurden gleich gar nicht zugelassen.

Angeblich 300.000 Dollar ausgesetzt

Neben Tsvangirai aber machte Mugabe während des Wahlkampfes noch ein ganz anderer "Mann" zu schaffen: ein älterer Herr mit kahlem Kopf, grauem Schnurrbart und Krückstock. Denn er ist die Comic-Figur auf der Facebook-Seite "Baba Jukwa". Und dort wird allerlei Brisantes aus dem Umfeld von Mugabes Partei breit getreten. Keiner weiß, wer hinter der Seite steckt, "Baba Jukwa" selbst behauptet, er sei aus dem inneren Zirkel von Mugabes ­Zanu-PF. Da es in der Partei interne Streitigkeiten gebe, sehen Experten dies als gar nicht so abwegig an, schreibt etwa der britische "Guardian".

Richtig bekannt wurde die Facebook-Seite erst, als dort der Tod eines Politikers vorhergesagt wurde, der einen Korruptionsskandal aufgedeckt hatte. Wenige Tage später starb dieser tatsächlich bei einem Autounfall. Das mag Zufall sein, aber durch den Vorfall nahm die Aufmerksamkeit zu, mehr als 300.000 Anhänger hat die Seite inzwischen. Und der Präsident selbst soll nach mehreren Medienberichten 300.000 Dollar für die Ergreifung des Urhebers der Seite ausgesprochen haben.

Auch Gewaltaufrufe gepostet

Ganz unumstritten ist "Baba Jukwa" aber auch bei der Generation Internet nicht, denn nicht nur dass der Greis teils zur Gewalt aufruft oder schwulenfeindliche Witze postet, auch werden dort gern mal Telefonnummern etwa von korrupten Polizisten veröffentlicht.

Auch am heutigen Dienstag, dem Tag der Wahl hat "Baba Jukwa" so einiges gepostet — vom Wahlzettel über den eingefärbten Finger nach der Stimmabgabe. Und dabei betont er immer wieder, dass er für Tsvangirai gestimmt habe — was bei manchen in Simbabwe den Verdacht verstärken dürfte, dass hinter der Facebook-Seite nicht wirklich ein Mitglied der Zanu-PF-Partei steckt, sondern jemand aus der Opposition, die den 89-Jährigen aus dem Amt jagen wollen.

(das)