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Analyse zur Lage in Ägypten: Experte: Militär sollte vorerst an der Macht bleiben

Analyse zur Lage in Ägypten : Experte: Militär sollte vorerst an der Macht bleiben

Trotz der Unruhen in Ägypten ist für den Hamburger Politologen Wolfgang Kraushaar der "Arabische Frühling" noch nicht gänzlich verloren. Voraussetzung sei jedoch, dass das Militär vorerst die Zügel in der Hand behalte.

Das sagte der Spezialist für Protestforschung am Hamburger Institut für Sozialforschung in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur: "Ich glaube, die einzige Möglichkeit besteht jetzt darin, dass das Militär die Macht in den Händen behält und klug genug ist, den bereits begonnenen Prozess weiterlaufen zu lassen."

Zunächst müsse an erster Stelle jedoch ein Bürgerkrieg verhindert werden. "Außerdem darf die Muslimbruderschaft nicht in den Untergrund gedrängt werden."

Anschlag im Suezkanal verhindert

Unterdessen ist im ägyptischen Suez-Kanal nach Angaben der Betreiberbehörde ein Anschlagsversuch auf ein Schiff fehlgeschlagen. In einer Erklärung hieß es, ein "Terrorist" habe am Samstag durch einen Angriff auf ein unter panamaischer Flagge fahrendes Schiff den wichtigen Seehandelsweg blockieren wollen. Er sei jedoch "vollkommen gescheitert". Weder das Schiff, noch seine Fracht seien beschädigt worden. Allerdings gab es Berichte, wonach zwei starke Explosionen an Bord des Schiffs zu hören gewesen seien.

Angesichts eines von den USA und anderen Staaten angekündigten Militärangriffs gegen Syrien ist der strategisch wichtige Suezkanal, der das Rote Meer mit dem Mittelmeer verbindet, von besonderer Bedeutung. Die US-Streitkräfte verstärkten ihre Präsenz im östlichen Mittelmeer. Fünf mit Tomahawk-Marschflugkörpern bestückte Zerstörer und ein Kriegsschiff mit hunderten Marineinfanteristen an Bord kreuzen vor der syrischen Küste.

Die amtliche ägyptische Nachrichtenagentur Mena meldete unterdessen, der Verantwortliche für die Tötung von 25 Polizisten auf der Sinai-Halbinsel am 19. August sei zusammen mit weiteren "Terroristen" in der Stadt al-Arisch festgenommen worden. Adel Mohammed Ibrahim war bereits in Abwesenheit zum Tod verurteilt worden. Am 19. August hatten mutmaßliche Islamisten zwei Polizeibusse auf dem Weg zum Kontrollposten Rafah an der Grenze zum Gazastreifen mit Panzerfäusten angegriffen.

Die ägyptische Polizei hat in den vergangenen Tagen ihre Präsenz im Nordsinai entlang dem Suez-Kanal verstärkt. Die mehrheitlich von Beduinen bevölkerte Wüstenregion gilt als Rückzugsgebiet zahlreicher bewaffneter Islamisten.

(dpa/AFP)