1. Politik
  2. Ausland

Ex-UN-Botschafter Heusgen nun Vorsitzender der Sicherheitskonferenz

Christoph Heusgen übernimmt Münchner Sicherheitskonferenz : Gestählt für lange Nächte

Mit langen Verhandlungen und stiller Diplomatie kennt sich Christoph Heusgen aus. Diese Erfahrung kann der ehemalige deutsche UN-Botschaft gut brauchen, wenn er nun von Wolfgang Ischinger den Vorsitz der Münchner Sicherheitskonferenz übernimmt

 Es ist Sonntag früher Nachmittag. Vor dem Hotel „Bayerischer Hof“ am Promenadeplatz in der Münchner Innenstadt sind die gepanzerten Limousinen in Reihe abgefahren. Der große Ballsaal, in dem die Teilnehmer der Sicherheitskonferenz drei Tage über Krieg und Frieden diskutiert haben, leert sich. Christoph Heusgen steht nun vor einem neuen Abschnitt. Ebenso wie Wolfgang Ischinger. Beide sind Diplomaten. Beide beherrschen ihr Metier, die Kunst zwischen den Zeilen zu lesen und zu sprechen.

Von diesem Sonntag an übernimmt Heusgen, der ehemalige UN-Botschafter in New York, die Leitung der Münchner Sicherheitskonferenz, die Ischinger, ehemaliger Botschafter in Washington und London, fast 14 Jahre geleitet hat. Ischinger, 75 Jahre, bleibt Vorsitzender des Stiftungsrates der Sicherheitskonferenz. Heusgen, 66 Jahre alt, übernimmt ab sofort das operative Geschäft. Wenn in einem Jahr, Corona-bereinigt, wieder eine echte Präsenzveranstaltung abgehalten werden kann, moderiert Heusgen erstmals als Vorsitzender die weltweit renommierteste Konferenz ihrer Art.    

Ischinger hat die Konferenz seit seiner Übernahme 2008 zu einer echten Marke mit einem Team von heute knapp 80 Mitarbeitern und einem Jahresbudget von mehr als zehn Millionen Euro ausgebaut. Nun muss Heusgen der Veranstaltung seinen Stempel aufdrücken und seine Linie finden. Vielleicht wird er die Konferenz, die zu einer Veranstaltung mit einem Programm mit dutzenden Neben- und Seitenveranstaltungen zusätzlich zur Hauptbühne geworden wieder etwas verkleinern. Heusgen hat vor dieser 58. Münchner Sicherheitskonferenz im Interview mit unserer Redaktion auch nicht ausgeschlossen, mit einigen ausgewählten Veranstaltungen der Marke „MSC“ (Munich Security Conference) eventuell auch nach China oder Russland zu gehen. Zukunftsmusik, aber man darf ja Pläne haben.

Wenn Heusgen im nächsten Jahr erstmals durch die Konferenz führt, wird er vor allem in den Tagen vor und während der Veranstaltung mit wenig Schlaf auskommen müssen. Damit kennt er sich aus. Als langjähriger außenpolitischer Berater von Bundeskanzlerin Angela Merkel gehörte es sozusagen zu Heusgens Jobbeschreibung lange Gipfelnächte von EU, Nato, G7 oder G20 mit nur wenigen Stunden Schlaf zu überstehen – und den Verhandlungstag danach gleich noch mit. Stehvermögen dafür holt sich Heusgen bei seinen regelmäßigen Läufen. An seiner letzten Stelle als deutscher UN-Botschafter in New York absolvierte er dort auch den weltbekannten Marathon durch alle fünf Bezirke mit Zieleinlauf im Central Park. Womöglich kehrt er dorthin als Läufer noch einmal dorthin zurück.