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Hausarrest für Suu Kyi beendet: Ewige Ikone des Widerstands

Hausarrest für Suu Kyi beendet : Ewige Ikone des Widerstands

Bangkok/Rangun (RPO). Seit mehr als 20 Jahren ist sie nun schon das Gesicht des Widerstandes gegen die Militärführung in Birma - und nun bekommt die Öffentlichkeit dieses Gesicht nach Jahren wieder zu sehen: Vor Freude fallen sich ihre Anhänger in die Arme, als Aung San Suu Kyi nach dem Ende ihres jüngsten Hausarrests am Samstag am Tor ihres Haus in Rangun ein paar Sätze an die wartende Menge richtet.

Doch ob die Oppositionsführerin, die rund 15 der vergangenen 21 Jahre in Haft oder unter Hausarrest verbracht hat, noch die Kraft und die nötigen Unterstützer besitzt, um eine geeinte Opposition in Birma anzuführen, muss sich noch zeigen.

Dass sie ihren Kampf für Demokratie in ihrer Heimat weiterkämpfen will, daran lässt die Friedensnobelpreisträgerin keinen Zweifel. "Wir müssen im Einklang zusammenarbeiten", ruft sie ihren jubelnden Anhängern zu, die seit langem dem Ende ihres Hausarrests entgegengefiebert haben.

Doch den Zeitpunkt für ihre Freilassung hat die Militärregierung klug gewählt: Die Junta ging nach eigenen Angaben gestärkt aus den Parlamentswahlen vor einer Woche hervor. Dagegen wurde Suu Kyis Partei Nationale Liga für Demokratie (NLD), die wegen der Inhaftierung ihrer Ikone zum Boykott des Urnengangs aufgerufen hatte, zwangsaufgelöst. Eine kleine Gruppe spaltete sich ab und entschloss sich, doch bei der Wahl anzutreten. Ihr wird nun von Suu Kyis Anhängern Verrat vorgeworfen.

Die Macht der Junta und die vermeintlich fehlende politische Basis sind es, die es Suu Kyi schwer machen dürften, den Geist des Widerstandes wiederzubeleben. Doch die zierliche Frau widmete bisher ihr Leben dem Kampf gegen die Regierung und wird wohl alles daran setzen, ihn fortzuführen. "Sie wird Politik machen. Sie ist für immer Politikerin", ist Maung Zarni von der London School of Economics, selbst ein prominenter Vorkämpfer für die Demokratie in seiner Heimat Birma, überzeugt.

Suu Kyi wird 1945 geboren und in den besten Schulen Ranguns unterrichtet. Sie studiert in Indien und im britischen Oxford. Zum Schlüsselerlebnis wird für sie das Jahr 1988: Damals erfasst eine Demokratiebewegung ihr südostasiatisches Heimatland, die das Militär blutig niederschlagen lässt. Tausende kommen ums Leben. Die eigentlich im Ausland lebende Suu Kyi reist im April 1988 in die Heimat, um ihre kranke Mutter zu pflegen. Und sie bleibt. Im August desselben Jahres absolviert sie ihren ersten öffentlichen Auftritt und gründet einen Monat später zusammen mit anderen Oppositionellen die NLD.

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Mit der Gründung der Partei weckt Suu Kyi den Zorn der Junta. Im Juli 1989 wird sie erstmals unter Hausarrest gestellt, wenige Monate vor der Parlamentswahl. Bei diesen Urnengang erringt ihre NLD einen fulminanten Sieg und stellt die Junta bloß: 392 der 485 Sitze im Parlament entfallen auf die Oppositionspartei. Die Militärmachthaber erkennen das Ergebnis der Abstimmung aber niemals an.

Auch die Verleihung des Friedensnobelpreises im Jahr 1991 und internationale Proteste ändern nichts an den Repressionen der international geächteten Militärherrscher Birmas. Ihrem britischen Mann Michael Aris, dem Vater ihrer beiden Kinder, verweigern die Militärs im Endstadium seines Krebsleidens die Einreise nach Birma. Suu Kyi selbst bleibt im Land - aus Furcht, nach einer Ausreise ausgebürgert zu werden. Aris stirbt 1999 ohne noch einmal seine Frau gesehen zu haben.

Während all der Jahre ihres Hausarrests hielt Suu Kyi fast ausschließlich über ihren Arzt und ein Kurzwellenradio Verbindung zur Außenwelt. Sie durfte weder telefonieren, noch Besucher empfangen. Nach ihrer Freilassung will sich Suu Kyi nun unter anderem ein Twitter-Konto zulegen, um mit ihren Landsleuten und der Welt kommunizieren zu können.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Aung San Suu Kyi wieder frei

(AFP/jre)