Erste Grenzlandkonferenz zwischen NRW und den Niederlanden in Venlo

Grenzlandkonferenz in Venlo : Grenzüberschreitendes Semesterticket für Studenten

Neue Züge, schnellere Anerkennung von Diplomen und Hilfen bei der Jobsuche – auf der ersten gemeinsamen Grenzlandkonferenz in Venlo rücken NRW und die Niederlande noch näher zusammen.

Nordrhein-Westfalen und die Niederlande sind seit Jahren eng miteinander verwoben. Die Wirtschaft zwischen den beiden Regionen boomt. Doch in manchen Bereichen herrscht Nachbesserungsbedarf. In Venlo fand am Donnerstag daher die erste gemeinsame Grenzlandkonferenz statt. Auf diese künftig jährlich stattfindenden Gespräche zwischen  Regierungs- und Wirtschaftsvertretern aus NRW und den Niederlanden hatten sich im November vergangenen Jahres die Regierungschefs Mark Rutte und Armin Laschet geeinigt. Nun ging es in erster Linie um den Arbeitsmarkt, die Mobilität und die Bildung.

Ein zentrales Projekt ist die neue Zugverbindung zwischen Eindhoven und Düsseldorf. Spätestens ab 2025 sollen stündlich Züge zwischen den beiden Städten fahren. Die Reisezeit soll eine Stunde und 40 Minuten betragen – statt wie bisher zwei Stunden mit einem Zwischenstopp in Venlo. 250.000 Passagiere werden jährlich auf der Strecke erwartet. „Es ist schön zu sehen, dass ein vereintes Europa an dieser Stelle konkret wird“, sagte NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU), der zusammen mit seinem Partei- und Ministerkollegen Stephan Holthoff-Pförtner (Europaangelegenheiten) in die Grenzstadt gereist war.

Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) wird die neue Verbindung in Abstimmung mit dem niederländischen Ministerium für Infrastruktur und Wasserwirtschaft für eine Dauer von 15 Jahren ausschreiben. Von der schnelleren Verbindungen nach Eindhoven verspricht sich Wüst auch einen intensiveren Technologieaustausch. Eindhoven ist einer der wichtigsten Produktions- und Forschungsstandorte in den Niederlanden. Deutsche Studenten lockt vor allem die Fachhochschule Fontys, die neben Venlo auch in Eindhoven einen Campus hat.

Ein weiterer Fokus des Regierungstreffens: die Grenzinfopunkte. Entlang der niederländisch-nordrhein-westfälischen Grenze bieten sie Pendlern, Arbeitgebern und Studenten Hilfen zu den Themen Arbeiten, Wohnen und Studieren. Bisher vermittelte man bei den Grenzinfopunkten keine Jobs. Dies ändert sich nun. In einigen Regionen ist bereits eine entsprechende Arbeitsvermittlungsstelle eingerichtet. Weitere sollen folgen. Europaminister Holthoff-Pförtner und der niederländische Staatssekretär für grenzüberschreitende Zusammenarbeit, Raymond Knops, vereinbarten darüber hinaus die Finanzierung der Infopunkte über das Jahr 2020 hinaus. 37,5 Prozent der Kosten trägt NRW.

Niederländischen Erziehern ist es künftig möglich, als „sozialpädagogische Fachkraft“ in einer Kindertageseinrichtung anerkannt zu werden. Die Anerkennung von Diplomen ist seit Jahren ein Problem in der Grenzregion. Interessenten müssen ihre Abschlüsse bei der jeweiligen Bezirksregierung bestätigen lassen. Anders als früher kann die Bezirksregierung jetzt aber einen „partiellen Zugang“ nach EU-Recht gewähren. Die Interessenten können damit in den Kitas arbeiten, ohne dass die volle Gleichwertigkeit ihrer Ausbildung mit der deutschen festgestellt wurde. Auch Lehrer sollen künftig leichter in den Niederlanden arbeiten können.

Staatssekretär Knops und Minister Holthoff-Pförtner einigten sich zudem auf ein Jugendprogramm mit dem Namen „Unbegrenzt“. Das Projekt soll Jugendliche aus NRW und den Niederlanden in den Bereichen Sport und Kultur zusammenbringen. Ansprechpartner auf deutscher Seite ist das Deutsch-Niederländische Jugendwerk in Aachen. Studenten sollen sich künftig mit einem grenzüberschreitenden Semesterticket, dessen Einführung nun erarbeitet wird, einfacher zwischen den Ländern bewegen können.

Im kommenden Jahr findet die Grenzlandkonferenz in Duisburg statt.

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