Spitzelaffäre in Frankreich: Ermittlungsverfahren gegen Geheimdienstchef

Spitzelaffäre in Frankreich : Ermittlungsverfahren gegen Geheimdienstchef

Paris (RPO). Die französische Justiz hat wegen der mutmaßlichen Bespitzelung eines Journalisten ein Ermittlungsverfahren gegen den Chef des Inlandsgeheimdienstes, Bernard Squarcini, eingeleitet.

Squarcini werde die Verletzung des Briefgeheimnisses vorgeworfen, teilte sein Anwalt Patrick Maisonneuve am Montagabend mit. Die oppositionellen Sozialisten forderten umgehend die Entlassung Squarcinis: "Dieser Fehler muss sofort bestraft werden", sagte Präsidentschaftskandidat François Hollande im Fernsehen. Die Regierung wolle im Laufe des Verfahrens entscheiden, ob der Geheimdienstchef im Amt bleibe, entgegnete Premierminister François Fillon. Innenminister Claude Guéant hatte bereits am Montag den Rücktritt Squarcinis ausgeschlossen.

Eine Untersuchungsrichterin hatte den Geheimdienstchef am Montag fünf Stunden lang vernommen und danach offiziell Ermittlungen eingeleitet. Am Ende der Ermittlungen könnte eine Anklage des 55-Jährigen stehen. Squarcini und Polizeichef Frédéric Péchenard, die beide Präsident Nicolas Sarkozy nahestehen, sollen im Auftrag der Staatsanwaltschaft die Telefonrechnungen eines "Le Monde"-Journalisten ausgewertet haben, um dessen Quellen ausfindig zu machen.

Der Journalist hatte in der Affäre um mutmaßlich illegale Parteispenden der Milliardärin und Hauptaktionärin des Kosmetikkonzerns L'Oréal, Liliane Bettencourt, recherchiert. Von den Spenden soll auch Sarkozy im Wahlkampf 2007 profitiert haben.

(AFP/top)