Eric Cantor tritt als Mehrheitsführer zurück

US-Republikaner : Eric Cantor tritt als Mehrheitsführer zurück

Die sensationelle Vorwahl-Niederlage ihres Mehrheitsführers im Repräsentantenhaus gegen einen Tea-Party-Neuling rüttelt die US-Republikaner auf. Als Reaktion auf seine Schlappe stellte Eric Cantor am Mittwoch sein Amt zur Verfügung, so dass der Fraktion fünf Monate vor der Kongresswahl ein interner Machtkampf droht.

Der republikanische Vorsitzende des Repräsentantenhauses, John Boehner, habe nach Cantors Rücktrittsankündigung mit den Tränen gerungen, berichteten Sitzungsteilnehmer.
Am 31. Juli werde er als Mehrheitsführer zurückzutreten, sagte Cantor später vor Journalisten. Sein Abgeordnetenmandat wolle er aber bis zum Ende der Legislaturperiode im Januar 2015 ausfüllen. Der 51-Jährige galt bis Dienstag als Star der Republikaner, doch dann kam völlig überraschend die Vorwahl-Niederlage.

In seinem Wahlkreis im Bundesstaat Virginia verlor Cantor die parteiinterne Vorwahl gegen einen Herausforderer von der erzkonservativen Tea-Party-Bewegung. Der bislang zweitmächtigste Republikaner im Repräsentantenhaus landete mehr als zehn Prozentpunkte hinter dem zuvor unbekannten Wirtschaftsprofessor Dave Brat, der nun bei der Kongresswahl am 4. November in dem Stimmbezirk gegen die Demokraten antritt.

Der Erfolg des Außenseiters schockierte das konservative Establishment, galt Cantor doch als möglicher Nachfolger Boehners. Der Besiegte sagte vor Journalisten, es sei eine "gewaltige Ehre" gewesen, die Bürger seines Wahlkreises zu vertreten und in der parlamentarischen Führungsmannschaft seiner Partei mitzuwirken. Zu seinen Zukunftsplänen hielt sich Cantor bedeckt.

Der Republikaner wies zugleich Kommentare in US-Medien zurück, die Bürger in seinem Stimmbezirk bei Richmond vernachlässigt und deswegen verloren zu haben. Trotz seiner Führungsaufgaben im Repräsentantenhaus sei er jede Woche in seinem Wahlkreis gewesen. Außerdem sagte er, seine Position beim konservativen Reizthema Zuwanderung nicht abgeschwächt zu haben. Herausforderer Brat hatte ihm im Wahlkampf vorgeworfen, bei der von Präsident Barack Obama geforderten Einwanderungsreform auf Kompromisskurs zu gehen.

Als Favorit für die Nachfolge Cantors als Mehrheitsführer gilt die bisherige Nummer drei der Republikaner im Repräsentantenhaus, der kalifornische Abgeordnete Kevin McCarthy. Als sogenannter "Whip" (Einpeitscher) sorgt dieser derzeit dafür, die republikanischen Parlamentarier bei Abstimmungen auf Linie zu halten. Cantor sagte McCarthy seine Unterstützung zu.

Das Rennen sei "sehr offen", sagte hingegen der Abgeordnete Phil Gingrey. Als weitere Anwärter auf den wichtigen Posten gelten Pete Sessions, Vorsitzender des Geschäftsordnungsausschusses, sowie Jeb Hensarling, Vorsitzender des Ausschusses für Finanzdienste.

(DEU)
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