Erdogan wirft Angela Merkel persönlich "Nazi-Methoden" vor

Erneute Provokation: Erdogan wirft Merkel persönlich "Nazi-Methoden" vor

Nachdem der türkische Präsident Erdogan der Bundesregierung bereits Nazi-Methoden und faschistisches Vorgehen unterstellt hatte, adressiert er Merkel nun persönlich.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat Bundeskanzlerin Angela Merkel persönlich "Nazi-Methoden" vorgeworfen. "Du wendest auch gerade Nazi-Methoden an", sagte Erdogan am Sonntag in Istanbul an Merkel gerichtet. "Bei wem? Bei meinen türkischen Geschwistern in Deutschland, bei meinen Minister- Geschwistern, bei meinen Abgeordneten-Geschwistern, die dorthin reisen", sagte Erdogan.

Mit Blick auf Europa sagte Erdogan, dort könnten "Gaskammern und Sammellager" wieder zum Thema gemacht werden, aber "das trauen sie sich nur nicht." Offen ließ Erdogan, wen er mit "sie" genau meinte. Die CDU-Vizevorsitzende Julia Klöckner reagierte entsetzt auf die neuen Ausfälle gegen Merkel: "Ist Herr Erdogan überhaupt noch ganz bei Sinnen?", fragte sie.

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Auf die Absage von Wahlkampfauftritten türkischer Politiker reagiert die türkische Regierung seit Wochen mit immer schärferen Ausfällen. Die Türken stimmen am 16. April über die Einführung eines Präsidialsystems ab, das Erdogans Machtbefugnisse nach Ansicht von Kritikern sehr stark ausweiten würde. Eine Mehrheit für Erdogan gilt jedoch nicht als sicher.

Die Bundesregierung hat bisher zurückhaltend auf die Verbalattacken aus Ankara reagiert. Klöckner rief die in Deutschland lebenden Türken nun aber auf, sich öffentlich zu wehren. "Denn Ihnen wird somit auch unterstellt, sie würden als in Deutschland lebende Bürger nichts gegen Nazi-Methoden haben." Sie sprach sich dafür aus, Erdogan politischen Wahlkampf in Deutschland zu verbieten und die EU-Heranführungshilfen in Milliardenhöhe zu streichen. Vielleicht brauche "Herr Erdogan einfach mal ein Blockseminar in Geschichte, Anstand und Völkerverständigung."

(dpa)