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Friedensappelle laufen ins Leere: Erbitterte Feuergefechte im Osten Gazas

Friedensappelle laufen ins Leere : Erbitterte Feuergefechte im Osten Gazas

Gaza/Jerusalem (RPO). Die Friedensappelle der Welt verhallen ungehört. Am Montagabend haben sich Israel und die Hamas heftige Gefechte geliefert. Augenzeugen berichten von schweren Explosionen und Feuergefechten im Osten Gazas. Israel kündigte eine Fortsetzung der Offensive an. Nahezu hilflos wirken die Forderungen von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy. Er forderte bei seinem Besuch das sofortige und bedingslose Ende der Gewalr.

Zum ersten Mal seit Beginn der israelischen Bodenoffensive lieferten sich Soldaten und dutzende Kämpfer der Hamas sowie des Islamischen Dschihad schwere Kämpfe im Stadtteil Schedschaija, wie Augenzeugen und das israelische Militär angaben. Israelische Hubschrauber waren demnach im Einsatz. Die Hamas gab an, Raketen auf mindestens sieben Panzer abgefeuert zu haben. Am zweiten Tag der Bodenoffensive wurden nach palästinensischen Angaben 50 Palästinenser getötet. Unter den Opfern seien auch zwölf Kinder, teilten palästinensische Ärzte mit.

Israels Verteidigungsminister Ehud Barak kündigte eine Fortsetzung der Militäroffensive an. Da noch nicht alle Ziele erreicht worden seien, gehe der Einsatz weiter. "Wir machen alles, was ein Staat machen muss, um seine Bevölkerung zu beschützen", sagte Barak. Gaza war am Montag größtenteils vom israelischen Militär eingekreist.

Merkel plant mit Tschechien

Forderungen einer EU-Delegation nach einem sofortigen Ende der Kämpfe lehnte Israels Außenministerin Zipi Livni ab. "Wir bekämpfen den Terrorismus und wir werden keine Absprachen mit dem Terrorismus treffen", sagte Livni mit Blick auf die Hamas. Die von Tschechiens Außenminister Karel Schwarzenberg angeführte Gruppe hatte sich zuvor mit mit Livni in Jerusalem getroffen und einen Waffenstillstand gefordert. Der tschechische Regierungschef und EU-Ratspräsident Mirek Topolanek kündigte einen Plan zur Beendigung der Gewalt an, den er bereits mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beraten habe.

Auch Sarkozy bemühte sich um Vermittlung. Nach einem Treffen mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas in Ramallah fordert er das "sofortige und bedingungslose Ende" der Gewalt. Die Entscheidung der Hamas, den Waffenstillstand mit Israel aufzukündigen sei "unverantwortlich und unentschuldbar". Abbas erteilte einer Wiedervereinigung der Palästinensergebiete nach der israelischen Offensive eine Absage. Er wolle nicht von den Angriffen profitieren und die Hamas-Regierung im Gazastreifen ersetzen.

Delegeation in Ägypten

Die Hamas entsandte eine Delegation nach Ägypten. Auf Einladung Ägyptens solle über Möglichkeiten gesprochen werden, den Konflikt mit Israel beizulegen, die Blockade des Gazastreifens aufzuheben und den Grenzübergang Rafah nach Ägypten zu öffnen, hieß es. Die arabischen Staaten wollen auf Initiative der Palästinenser im UN-Sicherheitsrat eine neue Resolution für einen Waffenruhe im Gazastreifen zur Abstimmung vorlegen.

US-Präsident George W. Bush äußerte in Washington Verständnis für Israel, das sich gegen den Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen verteidigen wolle. Er forderte einen Waffenstillstand, der aber dieses Bedürfnis Israels berücksichtigen müsse.

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Nach Angaben der israelischen Polizei feuerten radikale Palästinenser seit Sonntagabend 32 Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel ab. Seit Beginn der Offensive töteten palästinensische Geschosse vier Israelis und verletzten mehr als 30 weitere. Bei der Bodenoffensive starb ein israelischer Soldat, 55 weitere wurden verletzt. Im Gazastreifen kamen seit Beginn der israelischen Luftangriffe nach palästinensischen Angaben mindestens 555 Menschen ums Leben, rund 2700 weitere wurden verletzt.

(AFP)