Einwohner aus IS-Hochburg Raqqa: "Wir leben in einem Zustand der Angst"

Was Einwohner der IS-Hochburg Raqqa berichten : "Wenn wir nicht gehorchen, werden wir ausgepeitscht"

Die syrische Provinzstadt Raqqa gilt als Hochburg der Terrormiliz IS. Doch wie hat sich das Leben der Menschen, die nicht geflohen sind, seit der Einnahme der Stadt verändert? Drei Menschen berichten.

Zu welchen Grausamkeiten die Kämpfer der Terrormiliz fähig sind, das beweisen sie bei ihrem Kreuzzug durch den Irak und Syrien immer wieder aufs Neue. Folter, Misshandlungen, Enthauptungen sind an der Tagsordnung. Derzeit tobt vor allem der Kampf um die Grenzstadt Kobane in Syrien, eine Hochburg der Kurden.

Derzeit weiß niemand, wie der Kampf um Kobane ausgeht. Anders sieht es in Raqqa aus, einer syrischen Provinzstadt. Diese haben die Dschihadisten bereits im März dieses Jahres eingenommen, sie ist fester Bestandteil des von ihnen ausgerufenen "Kalifats". Entsprechend streng sind dort auch die Vorschriften für die Bewohner. Wer konnte, ist geflohen.

Bereits im September hatte ein französischer Sender eine ungewöhnliche Reportage aus der Stadt gebracht. Filmaufnahmen einer Frau im Niqab, die zeigt, wie Männer und auch verhüllte Frauen mit Gewehren durch die Stadt laufen. Nun hat die Medienplattform Transterra Media mit Einwohnern von Raqqa gesprochen, die berichten, wie sich das Leben dort verändert hat, seit die IS dort herrscht. Der US-Fernsehsender NBC hat die Aufnahmen auf seiner Webseite veröffentlicht.

Wer nicht gehorcht, wird ausgepeitscht

Zunächst ist eine tief verschleierte Frau zu sehen, auch ihre Augen sind kaum zu erkennen. 19 Jahre soll sie alt sein. Das Leben im Allgemeinen habe sich verändert, seit der IS die Stadt eingenommen habe, berichtet sie — insbesondere in Bezug auf die Kleidungsvorschriften und das Tabak-Verbot. Ohne den Niqab, den die Dschihadisten vorschreiben, könnten sie nicht aus dem Haus. Auch sollten sie möglichst einen neutralen Begleiter dabei haben, etwa den Sohn, den Ehemann, den Vater.

"Wenn wir nicht gehorchen, werden wir ausgepeitscht", erzählt die junge Frau in dem Video. Sie sagt, sie glaube an einen Islamischen Staat, aber nicht an den IS, weil sie weit weg seien von der Idee eines Islamischen Staates. "Sie sind Kriminelle, nicht Muslime", betont sie.

"Sie haben uns unsere Kindheit genommen"

"An dem Tag, an dem der IS Raqqa einnahm, haben sie uns unsere Kindheit genommen", sagt ein 13-Jähriger in die Kamera, der ebenfalls mit einem Tuch verhüllt ist, um nicht erkannt zu werden. Die Kinder dürften seither nicht mehr in die Schule, Zivilisten würden auf der Straße hingerichtet. "Unsere Eltern erzählen uns, dass sie Leute ohne Grund köpfen oder auspeitschen", so der Junge.

Alles habe sich verändert, seit die IS-Kämpfer in der Stadt herrschten, berichtet wiederum ein 21-jähriger Mann, der seinen Namen aus Angst vor Rache der Terroristen ebenfalls nicht nennen will. In Internet-Cafés, so berichtet er, suchten sie nach Handys und würden an den Fingern der Menschen riechen, um Raucher zu erwischen. "Wir leben in einem Zustand der Angst", fügt er noch hinzu.

(das)