Guevara verlor ihre Kinder im blutigen Krieg Eine Frau kämpft für Syriens Rebellen

Damaskus · Das Blutvergießen in Syrien nimmt kein Ende. Keine Seite gibt freiwillig einen Zentimeter Boden verloren. Erst vor wenigen Wochen hat das Assad-Regime eine Frauen-Miliz ins Leben gerufen. Aber auch auf Seite der Rebellen kämpfen Frauen. So wie Guevara – eine Scharfschützin.

Guevara – die syrische Kämpferin
9 Bilder

Guevara – die syrische Kämpferin

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Das Blutvergießen in Syrien nimmt kein Ende. Keine Seite gibt freiwillig einen Zentimeter Boden verloren. Erst vor wenigen Wochen hat das Assad-Regime eine Frauen-Miliz ins Leben gerufen. Aber auch auf Seite der Rebellen kämpfen Frauen. So wie Guevara — eine Scharfschützin.

Guevara, das ist ihr Kampfname. Er wurde ihr von ihren Mitstreitern gegeben, nach dem berühmten Guerillaführer Che Guevara. Guevara ist 36 Jahre alt. Die frühere Englisch-Lehrerin kämpft an der Seite der syrischen Rebellen gegen das verhasste Regime von Präsident Baschar al-Assad. Und sie zeigt sich öffentlich wie kaum eine andere.

Für die Fotografen posiert sie in Jeans und Kopftuch, manchmal auch in Militärjacke in Camouflage und Militärhosen. Sie trägt Stifeletten mit Absatz, in der Hand aber ein Gewehr. Und sie zeigt sich entschlossen in ihrem Kampf.

Ein fast fanatischer Ton

In einem Video der Nachrichtenagentu AP, das auf Youtube zu sehen ist, erzählt sie, dass die Männer sie erst nicht hatten mitkämpfen lassen. Doch sie habe gesagt: Nein, denn sie wolle ihr Leben verteidigen. Danach habe man sie akzeptiert. Und ihr Mann sei mittlerweile sehr stolz auf sie.

Denn Guevara hat einen eisernen Willen, für die Einwohner der Stadt, so schreibt der britische "Telegraph" heiße sie nur "die weibliche Scharfschützin". "Ich mag das Kämpfen", sagt sie der Zeitung. "Wenn ich sehe, dass einer meiner Freunde aus der Einheit getötet worden ist, fühle ich, dass ich eine Waffe in die Hand nehmen muss und Vergeltung üben muss."

Ihr Ton, wenn sie über das Toten von Soldaten spricht, so schreibt der "Telegraph", sei dogmatisch, fast fanatisch: "Ich fühle mich dann gut. Immer, wenn ich einen treffe, schreie ich Ja." Dass sie Zivlisten treffen könnte, glaubt sie nicht. Die würden am späten Nachmittag nach Hause gehen. "Wenn die Straßen leer sind, dann hat man eine sehr gute Chance, einen Soldaten zu erschießen. Ich denke, ich habe Soldaten getötet." Aber hundertprozentig sicher könne sie sich da nicht sein.

Ihr Haus wurde bei einem Luftangriff zerstört

Es scheint die Erfahrung zu sein in diesem Krieg, der sie so unerbittlich gegen das Regime kämpfen lässt, auch wenn sie selbst schon lange ein Gegner Assads war. Vor Monaten wurden ihr siebenjähriger Sohn und ihre zehnjährige Tochter bei einem Luftangriff getötet, ihr Haus zerstört.

"Mein Sohn fürchtete sich immer vor den Bomben und fragte mich, was da passiert", so Guevara in der britischen Zeitung. "Ich sagte ihm, ich verspreche ihm, seine Zukunft zu verteidigen." Das Blut, dass ihre Kinder vergossen hätten, werde sie nicht vergessen, sie verspreche, dass sie dafür Vergeltung üben werde.

Neben Guevara gibt es in Aleppo und Umgebung noch mehr Frauen, die an der Seite der Rebellen kämpfen, wie der Berliner "Tagesspiegel" schreibt. Es gebe reine Frauen-Kathibas, heißt es dort. Einheiten, in den Frauen ganz offen kämpften und sich nicht verstecken würden. Sie wollten aber nicht fotografiert werden.

Da ist Guevara anders. Ihr Mann übrigens ist der Kommandant ihrer Einheit. Es ist ihr zweiter Ehegatte, wie der "Telegraph" schreibt. Der erste sei ihr nicht revolutionär genug gewesen. Und ihren jetzigen hätte sie wohl auch verlassen, wenn er sie nicht hätte mitkämpfen lassen.

(das)