1. Politik
  2. Ausland

Grenzkonflikt der speziellen Art: Ein Zaun gegen Wildschweine trennt Deutsche und Dänen

Grenzkonflikt der speziellen Art : Ein Zaun gegen Wildschweine trennt Deutsche und Dänen

70 Kilometer lang ist die Barriere, die Dänemark an der Grenze zu Deutschland errichtet hat. Ob sie gegen die Afrikanische Schweinepest hilft, ist umstritten.

(dpa) Es ist ruhig an diesem trüben Vormittag an der deutsch-dänischen Grenze nahe Flensburg. Wenige Meter neben einem von Spaziergängern, Radfahrern und Joggern genutzten Wanderweg, stehen Arbeiter im Wald. Sie setzen Zaunpfähle in den Waldboden – einige der letzten für Dänemarks umstrittenen Grenzzaun.

Die Dänen haben den Zaun von der Nord- bis zur Ostsee errichtet, er soll ein 70 Kilometer langes und 1,50 Meter hohes Bollwerk zum Schutz der heimischen Schweinezucht vor der Afrikanischen Schweinepest (ASP) werden. Für viele in der Region ist der Zaun ein Ärgernis. „Das passt mir gar nicht“, sagt ein Spaziergänger und ist damit nicht allein. Flensburgs Stadtsprecher Clemens Teschendorf sagt: „Wir wollen den Zaun am liebsten wieder entfernt sehen.“ Für einen wirksamen Schutz gegen die Schweinepest hält er ihn – wie viele andere – nicht.

In Deutschland gibt es bisher noch keinen ASP-Fall. Trotzdem gelte in allen deutschen Bundesländern erhöhte Wachsamkeit, sagt eine Sprecherin des schleswig-holsteinischen Umweltministeriums. Auch der Deutsche Jagdverband (DJV) rief zu höchster Wachsamkeit auf. „Wir wissen nicht, wo das Virus in Deutschland zuschlagen wird“, sagte er. „Es ist aber keine Frage des Ob, sondern nur noch eine des Wann.“

Ausgerechnet in Dänemark war man bei der Überprüfung zuletzt inkonsequent: Auf der Insel Ærø knapp 50 Kilometer östlich von Flensburg wurden Ende Oktober innerhalb weniger Tage sieben tote Wildschweine angespült – normalerweise sind es nur ein oder zwei pro Jahr. Die Behörden vermuteten, dass sie aus Deutschland oder Polen stammten. Auf Afrikanische Schweinepest wurden sie aber nicht getestet. Ein Fund der Schweinepest auf dänischem Boden würde einen sofortigen Exportstopp für dänische Schweineprodukte in Nicht-EU-Länder bedeuten – und die Ausfuhren haben einen Wert von rund 1,5 Milliarden Euro pro Jahr.

Warum aber ein Zaun, wenn schon angeschwemmte Wildschweine in Dänemark nicht getestet werden? „Das ist vollkommen unverständlich. Man fängt damit an, einen Wildschweinzaun zu bauen, der keinen Effekt gegen Wildschweine hat, sondern schädlich für die Natur ist“, sagte die Leiterin der Naturschutzorganisation Danmarks Naturfredningsforening, Maria Reumert Gjerding. „Wenn Wildschweine dann nach Dänemark kommen, werden sie nicht getestet, weil man nicht wissen will, was sie möglicherweise bei sich tragen. Das ist absurd.“

Ähnlich sieht es die Aktivistengruppe „Wildschweinzaun der Liebe“, die den Zaun mit Häkelblumen und anderem schmückt. Die Logik hinter dem Verzicht auf Tests sei nicht nachvollziehbar, schrieb die Gruppe auf Instagram. „Sorry Dänemark, aber dann reißt bitte auch diesen furchtbaren Zaun ab!“

Paradoxerweise profitiert die dänische Schweinezucht derzeit von der Afrikanischen Schweinepest: Weil diese auch in China ausgebrochen ist, steigen die Preise für Schweinefleisch – und damit Nachfrage bei den dänischen Produzenten. Gleichzeitig warnte das Online-Medium „Finans“, eine Übertragung nach Dänemark würde einen Milliarden-Kronen-Verlust verursachen. „Der ultimative Alptraum der dänischen Landwirtschaft nähert sich jetzt mit alarmierendem Tempo“, hieß es.

Das Virus stellt nach Angaben des Deutschen Bauernverbandes für andere Tiere und für Menschen keine Gefahr dar. Für die meisten Schweine ist der Krankheitsverlauf aber tödlich. Und der Erreger hält sich lange: in Salami 30, in Parmaschinken sogar 399 Tage. In eingefrorenem Fleisch könne er gar bis zu sechs Jahre überstehen, so der Verband. Nach Experten-Angaben würde sich die Afrikanische Schweinepest pro Jahr nur 15 bis 20 Kilometer weiterbewegen, wenn sie nur von Wildschwein zu Wildschwein übertragen würde. „Verantwortlich für die schnelle Verbreitung der Tierkrankheit über Hunderte von Kilometern ist der Mensch“, beklagt der DJV.