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Ein Kater geht in Pension

Londons populärster Mäusefänger : Ein Kater geht in Pension

Die Hauskatze des britischen Außenministeriums zieht sich aufs Land zurück. Damit endet nach vier Jahren auch die Rivalität mit dem Kater des Premierministers.

Palmerston, der Chef-Mäusefänger des britischen Außenministeriums, geht in Rente. Die schwarz-weiße Katze zieht sich nach mehr als vier Jahren im diplomatischen Dienst aufs Land zurück, wie jetzt Sir Simon McDonald, der Außenamt-Staatssekretär und Leiter des diplomatischen Dienstes, bekannt gab. „Jeder im Außenministerium“, verlautbarte Sir Simon, „wird ihn vermissen (unsere Mäuse nicht so sehr).“

Der sechsjährige Kater, der es immerhin zu einem eigenen Wikipedia-Eintrag und zum Titel des „Obersten Mäusejägers des Außenministeriums“ brachte, stammt aus einfachen Verhältnissen. Er war ein Streuner, der im Londoner Tierheim Battersea landete, bevor er von einem Angestellten des Außenministeriums entdeckt und kurzerhand rekrutiert wurde. Man benannte ihn nach dem berühmten britischen Diplomaten Lord Palmerston, der Mitte des 19. Jahrhunderts das britische Weltreich geleitet hatte. Mittlerweile hat der Chef-Mäusefänger einen eigenen Twitter-Account (@DiploMog) mit über 105.000 Followern.

Er machte schnell Karriere. Seinen Dienst trat er am 13. April 2016 an, und schon Anfang Mai konnten die britischen Zeitungen melden, dass Palmerston seine erste Maus gefangen hatte. Am 26. Juli 2016 drang er erstmals in das Machtzentrum der britischen Politik ein, als die berühmte schwarze Tür zur Nummer 10, Downing Street, der Residenz des Premierministers, offen stand. Die Polizei musste ihn hinauswerfen. Worauf Palmerston sich in einer Art Sitzstreik auf den Stufen vor der Nummer 10 niederließ. Auf seinem Twitter-Account ließ er zu dem Zwischenfall verlauten: „Ich wollte nur mal sehen, was hinter der Tür ist.“

Sein Interesse an fremden Revieren brachte ihn allerdings in Konflikt mit der Hauskatze der Downing Street. Larry, dessen offizieller Titel „Oberster Mäusejäger des Kabinetts“ lautet, konnte sich schon aus protokollarischen Gründen Palmerstons Provokation nicht gefallen lassen. Es kam zu mehreren Kämpfen zwischen beiden Katern, die an Heftigkeit und Gewalttätigkeit zunahmen. Mal wurde Palmerston ein Stück Fell aus dem Nacken gerissen, mal musste Larry behandelt werden, nachdem seine rechte Pfote verletzt worden war. Der Fotograf Steve Back, der viele Auseinandersetzungen hautnah miterlebte, war entsetzt: „Die Kämpfe gehen seit Wochen. Sie werden sich noch gegenseitig umbringen.“

Zum Glück kam es dazu nicht. Wem genau die diplomatische Leistung gelang, einen relativen Frieden zwischen beiden Katern zu stiften, ist nicht bekannt. Aber als London Ende März wegen der Corona-Pandemie in den Lockdown ging, zog Palmerston mit einem Beamten des Außenministeriums zusammen und wechselte von der Stadt aufs Land. Das hat ihm so gut gefallen, dass er sich entschied, dort zu bleiben.