Sarkozy und Hollande im TV-Duell Ein französischer Schlagabtausch

Paris · "Jetzt oder nie"", lautete die Devise der beiden Finalisten im französischen Präsidentschaftswahlkampf. Für Amtsinhaber Nicolas Sarkozy und den Sozialisten François Hollande war es die letzte Gelegenheit, die Franzosen von sich zu überzeugen: Das langerwartete Fernsehduell vor geschätzten 20 Millionen Zuschauern – Höhepunkt des langen und bisweilen von Tiefschlägen geprägten Präsidentschaftswahlkampfs.

Sarkozy und Hollande im TV-Duell: Ein französischer Schlagabtausch
Foto: dpa, Christophe Karaba

"Jetzt oder nie"", lautete die Devise der beiden Finalisten im französischen Präsidentschaftswahlkampf. Für Amtsinhaber Nicolas Sarkozy und den Sozialisten François Hollande war es die letzte Gelegenheit, die Franzosen von sich zu überzeugen: Das langerwartete Fernsehduell vor geschätzten 20 Millionen Zuschauern — Höhepunkt des langen und bisweilen von Tiefschlägen geprägten Präsidentschaftswahlkampfs.

Vier Tage vor der Stichwahl galt der Auftritt vor allem für Sarkozy als Schlüsselmoment, sehen bisher alle Umfragen Hollande als Gewinner der Wahl. Der Sozialist konnte sich denn auch gleich zu Beginn der zweieinhalbstündigen Debatte siegesgewiss geben: ""Ich werde ein Präsident der Gerechtigkeit sein, denn die Krise ist schwerwiegend und trifft die, die am wenigsten haben", sagte Hollande im dunklen Anzug und Krawatte, dem das Los das erste Wort gegeben hatte.

"Das ist klassisch, das sagt man bei jeder Debatte", bügelte Sarkozy seinen Herausforderer gleich ab, er wolle einen Moment der Wahrheit, "keine leeren Formeln", Frankreich dürfe in der Krise vor allem keine Fehler machen, so der Konservative. Für Sarkozy stand die Marschroute schon im Vornherein fest und die lautete: Angriff. Auch wenn er in Umfragen in den vergangenen Tagen leicht aufholen konnte, lag er bis zur TV-Debatte noch immer — je nach Erhebung — sechs bis acht Punkte hinter Hollande zurück.

Sarkozy attackiert Bildungspläne

Für ihn musste es darum gehen, all die Wankelmütigen und Unentschlossenen zu überzeugen sowie die Wechselwähler, die im ersten Durchgang ihre Stimme einem anderen Kandidaten gegeben hatten — allen voran der Rechtsnationalen Marine Le Pen, die auf knapp 18 Prozent gekommen war.

"Ich werde ihn explodieren lassen", hatte er mit Blick auf Hollande wiederholt angekündigt — fest entschlossen, das herauszustreichen, was er und sein Lager als "Schwäche" und "Inkohärenz" des Sozialisten sehen: Mangelnde politische Erfahrung, eine Tendenz, schwierigen Fragen auszuweichen und ein Programm, das trotz Krise eine Erhöhung der Ausgaben vorsieht.

So attackierte Sarkozy etwa die Versprechen Hollandes, 60.000 neue Stellen im Bildungsbereich zu schaffen, höhere Zuschüsse zum Schuljahresbeginn zu zahlen sowie zur Rente mit 60 zurückzukehren: "Sie wollen sparen?", fragte er seinen Gegner und gab die Antwort gleich selbst: "Sie machen als erstes gleich Versprechungen."

Hollande gab sich dagegen gelassen und konfrontierte den Amtsinhaber vor allem mit seiner eigenen Bilanz: Die Arbeitslosigkeit in Frankreich sei auf neuer Rekord-Höhe, das Außenhandelsbilanzdefizit ebenfalls. "Sie sind seit zehn Jahren am Ruder, denn zuvor waren Sie Wirtschafts- und Finanzminister. Noch nie war unsere Außenhandelsbilanz so defizitär", attackierte Hollande und führte als Beispiel Deutschland an, das in allen Bereichen besser abschneide.

Hollande: Sie suchen permanent Südenböcke

"Wie können Sie sagen, Deutschland sei besser als wir, aber von den deutschen Ideen wollen Sie keine übernehmen", konterte wiederum Sarkozy und warf dem Sozialisten vor, das Land "in Gefahr zu bringen, weil kein Land der Welt ihre Politik teilt". Hollande aber ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und schaffte es bisweilen auch mit Humor, Sarkozys Attacken zu parieren. "Sie suchen permanent Sündenböcke, es ist nie Ihre Schuld", witzelte Hollande, als Sarkozy etwa auf die Krise verwies.

Diese ausgeglichene Defensiv-Haltung hat der Sozialist den ganzen Wahlkampf über bereits mit Erfolg erprobt und das Präsidentenlager damit frustriert. Schließlich geht Hollande als Favorit in die zweite Runde. Er kann sich damit begnügen, seinen Vorsprung zu verteidigen und die Wahl zu einem Anti-Sarkozy-Referendum zu erklären.

Der Präsident hingegen setzt seit dem ersten Durchgang am 22. April alles daran, vor allem die rechtsextremen Wähler von Marine Le Pen auf seine Seite zu ziehen. Diese war zwar in der Erstrunde ausgeschieden, hatte aber mit knapp 18 Prozent rund 6,4 Millionen Stimmen hinter sich vereint. Um zu siegen, braucht Sarkozy — neben seinen Stammwählern — mindestens 80 Prozent der Le Pen-Sympathisanten. Deren Unterstützung ist allerdings alles andere als sicher, zumal die Front-National-Chefin keine Wahlempfehlung abgegeben hat, sondern ankündigte, am Sonntag einen leeren Stimmzettel abgeben zu wollen.

(das)
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