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Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas: Ein diplomatischer Sieg für Ägypten

Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas : Ein diplomatischer Sieg für Ägypten

Nach acht Tagen unerbittlicher Kämpfe und zähen Verhandlungen ist es geschafft: Seit Mittwochabend schweigen die Waffen zwischen Israel und der Hamas. Und die Waffenruhe scheint bislang zu halten. Die Vereinbarung ist vor allem ein diplomatischer Sieg für Ägypten, das sein Ansehen auch im westlichen Ausland stärken konnte.

Wird Ägypten seiner alten und neuen Rolle gerecht werden? Diese Frage hatte Experten während der vergangenen Tage beschäftigt.Denn Kairo hatte zwar auch in der Vergangenheit die Rolle des Vermittlers im Nahost-Konflikt übernommen. Aber seit dem Sturz des Mubarak-Regimes haben sich die politischen Verhältnisse geändert.

Präsident Mohammed Mursi entstammt wie viele Minister in Kairo der Muslimbruderschaft — und die steht der Hamas nahe. Ganz anders war es unter Hosni Mubarak, der kein Freund der Bewegung war. "Präsident Mursi und die Muslimbruderschaft sind ideologisch eng mit der Hamas verbunden", sagte Maren Kroß vom Leibnitz-Institut für Globakle und Regionale Studien vor wenigen Tagen tagesschau.de.

Die Skepsis ist zwar auch jetzt noch groß, ob die Waffen zwischen der radikal-islamischen Hamas und Israel tatsächlich auf Dauer schweigen werden. Doch Ägypten ist es gelungen, den wichtigen Schritt einer ersten Vereinbarung zu treffen. Entsprechend gab es auch vonseiten der USA Lob.

Clinton: Ägypten hat Verantwortung übernommen

Als US-Außenministerin Hillary Clinton die Einigung in Kairo mit ihrem ägyptischen Kollegen Mohammed Kamel Amr verkündete, hob sie die Vermittlerrolle der Ägypter hervor. "Die neue ägyptische Regierung hat die Verantwortung und Führung übernommen, die das Land seit Langem zu einem Grundpfeiler von regionaler Stabilität und Frieden gemacht haben."

Clinton fügte hinzu: "Ich möchte Präsident Mursi für seine persönliche Führerschaft danken, die Situation in Gaza zu deeskalieren und die Gewalt zu beenden." Es sind Worte, die der ägyptischen Führung gefallen dürften. Denn das Land braucht Unterstützung aus dem Ausland, um seine innenpolitischen und wirtschaftlichen Probleme zu lösen.

Ägypten sei darauf angewiesen, sich amerikanische Unterstützung zu sichern, auch wenn sie ideologisch eng mit der Hamas verbunden sei, sagte Stephan Vopel, Israel-Experte der Bertelsmann-Stiftung, dem Deutschlandfunk. Denn die Regierung müsse dem eigenen Volk eine Verbesserung gegenüber dem alten System zu zeigen. Doch für wirtschaftliche Verbesserungen braucht es eben auch Geld.

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Für Ägypten wurden die Verhandlungen damit zur ersten großen Bewährungsprobe seit dem politischen Auf- und Umbruch. Denn es stellte sich die Frage, ob das Land die Friedensverträge mit Israel einhält wie nach dem Wandel versprochen oder sich voll und ganz hinter die Hamas stellt. Nun ist es Kairo gelungen, die Vermittlerrolle beizubehalten, die das Land schon im Vorfeld hatte und beiden Seiten gerecht zu werden.

Eine neue Partnerschaft?

Ägypten ist die Macht, die vor Ort den meisten Einfluss ausüben kann", sagte Stephan Vopel im Deutschlandfunk. Das Land sei auch unmittelbar beteiligt, weil der Gazastreifen auch an Ägypten grenzt. Und die Palästinenser möchten den Grenzübergang wieder geöffnet habenm, der unter Mubarak geschlossen worden war. Nun sollen nach einer 24-stündigen Feuerpause Verhandlungen darüber starten.

Der erste Vermittlungserfolg jedenfalls scheint sich schon jetzt für die Ägypter auszuzahlen. Hillary Clinton betonte bei der Verkündung der Waffenruhe: "Präsident Mursi und ich haben darüber beraten, wie die USA und Ägypten zusammenarbeiten können, um die nächsten Schritte in diesem Prozess zu unterstützen." Das klingt wie der Beginn einer neuen Partnerschaft.

Und das kommt auch der USA zugute. Denn im Nahen Osten hatte Präsident Barack Obama bislang keine glückliche Hand. Noch vor Wochen herrschte etwa Eiszeit zwischen ihm und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Mit der Blitzrundreise seiner Außenministerin aber zeigten die Vereinigten Staaten wieder Präsenz und ebenfalls Verhandlungsgeschick. Die Waffenruhe ist also ein Gewinn für alle Seiten — und insbesondere für Ägypten ein diplomatischer Sieg.

mit Agenturmaterial

Hier geht es zur Bilderstrecke: Israel rüstet am Gaza-Streifen auf

(das)