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Ein Bunker im Weißen Haus dient Trump als Unterschlupf

Bunkeranlage unter dem weißen Haus : Trumps Unterschlupf

Für fast 400 Millionen Dollar ließ die US-Regierung 2010 einen Bunker unter dem Weißen Haus modernisieren. Nun wurde er erstmals seitdem wieder genutzt, als Donald Trump dort Schutz vor Demonstranten suchte.

(juhei) Als sich die Stimmung bei den Protesten gegen Polizeigewalt vor dem Weißen Haus Ende Mai kurzzeitig aufheizte, fällte der Secret Service eine Entscheidung: Die First Family, also Präsident Donald Trump, seine Frau Melania und Sohn Barron, sollten zur Sicherheit in einen Bunker unter der Regierungszentrale gebracht werden. Das bestätigte US-Justizminister William Barr in einem Interview. Trump selbst hatte dieser Darstellung zunächst widersprochen. Er habe die Schutzanlage lediglich inspiziert, teilte das Staatsoberhaupt mit – wohl um nicht feige zu wirken.

Dabei hätte Trump der Ausflug unter die Erde nicht peinlich sein müssen. Die Schutzanlage unter dem Weißen Haus geht schließlich auf einen seiner größten Vorgänger zurück: Franklin D. Roosevelt gewann nicht nur vier Präsidentschaftswahlen und rettete das Land vor der Großen Depression, er lenkte die USA auch durch den größten Teil des Zweiten Weltkriegs. Nach dem Angriff auf Pearl Harbor durch die Japaner im Jahr 1941 ordnete er den Bau einer Bunkeranlage unter dem Ostflügel des Weißen Hauses an – die Keimzelle für das Schutzsystem, das sich bis heute unter der Regierungszentrale erstreckt.

Viel Zeit verbrachte Roosevelt indes nicht unter der Erde. Der Schutzraum galt angesichts befürchteter Raketenangriffe durch die Deutschen nicht als sicher genug. Der Präsident wurde deshalb in Zeiten vermeintlicher Gefahr in die Berge des angrenzenden Bundesstaats Maryland gebracht, ins heutige Camp David, den Landsitz des Staatsoberhaupts.

Unter Roosevelts Nachfolger Harry Truman wurde der Bunker weiter ausgebaut. Angesichts des aufziehenden Kalten Kriegs sollte er auch vor Bomben schützen. Genutzt wurde er auch in den folgenden Jahrzehnten trotzdem kaum. Angesichts der Bedrohung durch sow­jetische Atomwaffen galt es als sicherer, den Präsidenten notfalls aus der Hauptstadt zu bringen.

Ganz ungenutzt blieb die Anlage dennoch nicht. Wie der ehemalige Anwalt des Weißen Hauses unter Präsident Richard Nixon, John Dean, berichtet, galt der Bunker als der perfekte Ort, um Demonstranten zu überwachen. Ein anderes Mal wurde der Schutzraum zum Pornokino umfunktioniert. Dean schreibt, er habe dort mit anderen Beratern einen Sexfilm geschaut, der die Hochzeit von Nixons Tochter persiflierte. Das Team sollte demnach feststellen, ob rechtliche Schritte eingeleitet werden müssten.

Nach dem Ende des Kalten Kriegs kam dem Bunker neue Bedeutung zu, insbesondere am 11. September 2001. Präsident George W. Bush hielt sich an diesem Tag nicht in der Hauptstadt auf, aber sein Vize Dick Cheney und seine Gattin Laura Bush sowie andere Offizielle suchten Schutz in der Anlage. Bilder des Aufenthalts wurden erst im Jahr 2015 veröffentlicht.

Überhaupt ist über den aktuellen Zustand des Bunkers nicht viel bekannt. Vor zehn Jahren jedoch gab die Regierung 376 Millionen Dollar für Umbauarbeiten am Weißen Haus aus, über die kaum etwas bekannt gegeben wurde. Experten glauben, dass das Geld in die Modernisierung der Schutzanlage floss. So könnte der Bunker für den Kurzbesuch von Präsident Trump zumindest gut in Schuss gewesen sein.