Ein bisschen wie Barack Obama: Kamala Harris will US-Präsidentin werden

Kamala Harris : Ein bisschen wie Obama

Die Senatorin will für die Demokraten ins Rennen um die US-Präsidentschaft gehen. In ihrer Partei steht sie eher rechts – das könnte sich noch als Bürde erweisen.

Man könne Menschen nicht in Schubladen sortieren, sagte Kamala Harris, als sie skizzierte, mit welchem Leitfaden sie in den Präsidentschaftswahlkampf 2020 zu ziehen gedenkt. Niemand lebe ein Leben, in dem sich alles nur um ein Thema drehe. Was die Leute wollten, seien Politiker, die der Komplexität jedes Lebens gerecht würden.

Es sind Sätze, mit denen die Senatorin aus Kalifornien ihren Platz zu finden versucht in einem Kandidatenfeld, das von Woche zu Woche größer wird. Die Demokraten brennen darauf, Donald Trump abzulösen. Die Musik in ihren Reihen spielt im Augenblick links, weil die Parteibasis größtmögliche Abgrenzung verlangt. Harris dagegen steuert die Mitte an, sie betont das Facettenreiche, auch in der Politik. Was freilich nichts daran ändert, dass sie ansonsten in jeder Beziehung das Kontrastprogramm zum Präsidenten ist. Eine Frau mit dunkler Haut, die Tochter von Migranten, deren Biografie ein wenig an Barack Obama erinnert.

Ihr Vater Donald Harris, Ökonomieprofessor an der Stanford University, stammt aus Jamaika. Ihre Mutter Shyamala Gopalan, eine auf Brustkrebs spezialisierte Ärztin, wurde in Indien geboren. Der Name Kamala stammt aus dem Sanskrit und bedeutet Lotusblüte. Als Kind besuchte Kamala Harris Gottesdienste sowohl in einem Hindutempel als auch in einer schwarzen Baptistenkirche. Auf die High School ging sie im kanadischen Montreal, wo ihre Mutter lehrte. Und Oakland, die Stadt an der Bucht von San Francisco, in der sie aufwuchs, war eine Hochburg rebellischer Studenten.

Bei den Demokraten hat sie sich gleichwohl des Rufs zu erwehren, wie eine stramme Konservative für „Law and Order“ zu stehen. Von 2004 bis 2010 war sie Bezirksstaatsanwältin von San Francisco, danach wurde sie zur Justizministerin Kaliforniens gewählt. Im Umgang mit Kriminalität setzte Harris auf Härte, beispielsweise kämpfte sie für ein Gesetz, wonach die Eltern chronischer Schulschwänzer mit bis zu zwölf Monaten Gefängnis bestraft werden konnten. Die Todesstrafe verteidigte sie, die Liberalisierung von Marihuana lehnte sie ab. Wolle Harris Wähler erreichen, denen die Abkehr von massenhafter Inhaftierung und die Korrektur von Justizirrtümern am Herzen liege, „muss sie radikal mit ihrer Vergangenheit brechen“, schrieb Lara Bazelon, eine Rechtsprofessorin aus San Francisco, in der „New York Times“.

Harris, verheiratet, zwei Stiefkinder, inszeniert sich als Stimme des Pragmatismus. Nicht nur das lässt an Obama denken. Wie er hat auch sie sich nach nur zwei Jahren im Senat fürs Weiße Haus beworben. Und doch liegt der Fall völlig anders. Als Obama antrat, rügten manche Parteigranden, er hätte abwarten müssen, statt Hillary Clinton, der Gesetzten, die Kandidatenkrone streitig zu machen. Er war damals 45. Harris, 54, macht niemand zum Vorwurf, zu früh nach den Sternen zu greifen. Dann wäre da noch, ähnlich wie einst bei Obama, die Frage nach ihrer Identität. Wie sie die als Tochter von Einwanderern beschreiben würde, wurde sie neulich gefragt. Die Antwort: „Ich sehe mich als stolze Amerikanerin.“

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