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Sebastian Kurz ist der jüngste EU-Politiker in diesem Amt: Ein 27-Jähriger ist Österreichs Außenminister

Sebastian Kurz ist der jüngste EU-Politiker in diesem Amt : Ein 27-Jähriger ist Österreichs Außenminister

Am heutigen Montag hatte er seinen ersten Arbeitstag: Sebastian Kurz, 27 Jahre alt. Kurz ist aber nicht irgendwer, sondern der jüngste Außenminister in der gesamten EU. Einen Spitznamen hat er aufgrund seiner Jugend auf jeden Fall schon mal weg.

Bisher war Kurz Integrationsstaatssekretär, nun ist er der jüngste Außenminister, den die Alpenrepublik je hatte. Einst belächelter Jungspund der konservativen Volkspartei ÖVP, ist Kurz nun parteiintern ein Hoffnungsträger. Wie er das gewichtige Amt schultern wird, bleibt abzuwarten. In diplomatischen Kreisen in Wien nennt man ihn wegen seines Alters auch den "Abiturienten". Im Parlament sitzt er erst seit wenigen Wochen.

Trotzdem bekam er bei der Wahl Ende September mehr Erststimmen als die Parteichefs. Kurz wirkt in Interviews souverän, spricht druckreif, ist nach außen stets freundlich und auf Twitter und Facebook aktiv. Auf Society-Veranstaltungen ist der 27-Jährige ein gern gesehener Gast, achtet auf gute Manieren und perfekte Kleidung. Seine nach hinten gegelten Haare wurden zu seinem Markenzeichen.

Sein Jura-Studium liegt auf Eis

Sein Alter und jugendliches Auftreten könnte ihm auf dem internationalen Parkett aber auch Probleme bereiten. Unter den aktuellen Außenministern der EU-Staaten ist er der Jüngste. Kritiker meinen, Kurz sei noch nicht reif genug, Österreich in der Welt zu repräsentieren. Seine Fremdsprachenkenntnisse sind begrenzt: Sein Englisch sei gut, sein Französisch eher eingerostet, sagt sein Sprecher.

Politikberater Thomas Hofer sieht in der Bestellung von Kurz kein Risiko für Österreich. "Das Positive ist, dass die österreichische Außenpolitik ohnehin nicht dominant aufgestellt war", so Hofer. Vizekanzler Michael Spindelegger, der bisher das Amt vertrat, habe keine allzu große Fallhöhe hinterlassen.

Kurz ist Sohn einer Lehrerin und eines Technikers. Nach dem Abitur 2004 war er beim Militär. Noch während seines Jura-Studiums, das immer noch ohne Abschluss auf Eis liegt, wurde er Chef der Jungen ÖVP. Dabei sorgte er vor allem mit seiner "Geil-O-Mobil"-Kampagne für unvergessene Aufregung. Er kämpfte 2010 in Wien mit dem Slogan "Schwarz macht geil" um Wählerstimmen und verteilte dabei Kondome.

Mit nur 24 Jahren gelang Kurz sein bislang größter Karrieresprung: Begleitet von hämischen Kommentaren wurde er zum Integrationsstaatssekretär ernannt. Damit wurde er zum jüngsten Regierungsmitglied der Geschichte. Viele Skeptiker konnte er bald überzeugen. Granden aus seinen eigenen Reihen, denen seine Bestellung anfänglich missfiel, fördern Kurz in der Zwischenzeit.

Vorwurf, er packe schwierige Themen nicht an

Er versachlichte die in Österreich oft sehr harsche und von der rechten FPÖ diktierte Ausländerdebatte, so der einhellige Tenor. Kurz propagierte das Motto: "Integration durch Leistung". Seit einer Reform des Staatsbürgerschaftsrechts können gut integrierte Ausländer künftig schneller die österreichische Staatsbürgerschaft erlangen.

Für seine Ziele spannte er auch heimische Prominente mit Migrationshintergrund ein, die Schulen besuchen und dort ihre Erfolgsgeschichten erzählen. Vorgeworfen wird ihm allerdings, dass er allzu schwierige Themen lieber nicht anpackt. Bei Familienabschiebungen oder strittigen Asylbescheiden hält er sich zurück und verweist auf das Innenministerium.

Als Berufspolitiker will Kurz jedenfalls nicht alt werden. In Interviews sagte er bereits, dass er sich in zehn Jahren nicht mehr im Parlament sehe. Es gebe noch viele andere schöne Dinge im Leben.

(dpa)