Historisch überliefert, hochumstritten und legal: Eiland gefällig?

Historisch überliefert, hochumstritten und legal : Eiland gefällig?

In Italien stehen zahlreiche Inseln zum Verkauf. Sogar der italienische Staat versucht sich in diesem Geschäft. Nicht alle finden dieses Vorgehen in Ordnung.

Die Wellen umspülen das kleine Eiland, Möven segeln waghalsig über den Felsen. „Isola delle femmine“, Fraueninsel, heißt das zum Verkauf stehende Objekt. Es liegt 20 Kilometer nördlich von Palermo vor Sizilien. Untermalt wird das Video einer italienischen Immobilienagentur von Filmmusik. Der Ort sei „perfekt“ für jemanden, der auf der Suche nach einem Ort ist, „an dem es sich in aller Ruhe leben lässt“, rezitiert der Werbefilm. Ein eingefallener Wachturm ist zu sehen. 15 Hektar vom Mittelmeer umspültes Land stehen hier zum Verkauf. Insel gefällig? Zwei bis drei Millionen Euro sind für die Fraueninsel notwendig, dann ist man im Geschäft.

Weltweit stehen Inseln zum Verkauf. Virgin-Chef Richard Branson bewohnt ein privates Eiland, das zu den britischen Jungferninseln gehört. Aber es muss gar nicht so weit weg sein. In Italien sind Inseln ganz verschiedener Maße zu haben. Baron Francesco Bruno di Belmonte verkauft die Isola di Capo Passero bei Syrakus, ebenfalls auf Sizilien. Eine Tonnara, eine alte Thunfischfarm wartet hier auf ihre Renovierung. Angeblich ist der Verkauf an eine norditalienische Unternehmergruppe bereits weit fortgeschritten, in der Tonnara sollen 18 Luxus-Suites entstehen, heißt es. Wer will, kann dem toskanischen Bauunternehmer Franco Giusti die als Taucherparadies bekannte Insel Cerboli bei Elba abkaufen: Kaufpreis vier Millionen Euro. Aber es geht auch teurer: Für Santa Maria zwischen Trapani und Marsala im Westen Siziliens sind 17 Millionen Euro notwendig.

Wie kann es sein, dass vermeintliche Allgemeingüter wie zauberhafte Mittelmeerinseln in die Hand Privater gelangen? Diese Frage stellte sich auch der Vorsitzende der italienischen Grünen, Angelo Bonelli. Politisch spielt die Partei in Italien seit jeher kaum eine Rolle, nun erreichte Bonelli aber eine breite Öffentlichkeit. Er machte das Umwelt- sowie das Kulturministerium in Rom auf die Verkäufe aufmerksam mit dem Hinweis, die Inseln seien „Juwelen“, auf denen der Bau von Immobilien oder anderen Anlagen geplant sei, die nicht mit dem Naturschutz vereinbar sind. Was Bonelli allerdings nicht sagte: Auch viele italienische Inseln sind Oberflächen, die schon seit jeher ganz oder teilweise im Eigentum von Privatpersonen stehen. Der Inselverkauf mag einem Grundempfinden widersprechen, dass naturalistische Besonderheiten Allgemeingut sein müssen. Er ist allerdings historisch vielfach überliefert und völlig legal.

Sogar der italienische Staat versuchte sich in diesem Geschäft. 2013 bot die staatliche Güterverwaltung die Insel Poveglia in der Lagune von Venedig zum Verkauf an. Das früher als Lazarett und Quarantäne-Station genutzte Eiland sollte mit seinen verfallenden Gebäuden für eine halbe Million Euro an den heutigen Bürgermeister Luigi Brugnaro gehen. Eine Bürgerinitiative erwirkte aber den bis heute geltenden Stopp des Verkaufs vor dem Verwaltungsgericht. „Wir können nicht akzetptieren, dass die Laguna zerstückelt und an ausländische Holdings verkauft wird“, sagte ein Mitglied der Initiative. Die „Gespensterinsel“ Poveglia allerdings gammelt weiter vor sich hin.

In den vergangenen Jahren wurden mehrere venezianische Inseln verkauft. Die Insel Sacca Sessola beispielsweise schon im Jahr 2000, hier eröffnete vor vier Jahren ein Luxushotel. San Clemente ist seit 2013 in der Hand einer türkischen Unternehmergruppe. Hier wurde eine alte Hotelanlage zum Luxusressort umgewandelt, die Türken ließen aber auch die Kirche der Insel renovieren.

Oft ist das Problem, dass gerade in Italien Staat oder Kommunen nicht genügend Geld zur Instandhaltung aufwenden. Die Lösung ist dann der Verkauf an Privateigentümer.

Mehr von RP ONLINE