Instabile politische Lage: Dutzende Tote bei Anschlägen im Irak

Instabile politische Lage : Dutzende Tote bei Anschlägen im Irak

Bagdad (rpo). Dutzende Menschen sind am Dienstag bei Anschlägen im Irak getötet worden. Allein bei der Explosion einer Autobombe auf einem Markt nördlich von Bagdad kamen 25 Personen ums Leben, 65 wurden verletzt. Auch die politische Lage im Irak ist instabil: Die Ämter des Innen- und Verteidigungsministers sind noch immer nicht besetzt.

Der Anschlag ereignete sich in der überwiegend von Schiiten bewohnten Ortschaft Husseinija, rund 30 Kilometer nördlich der Hauptstadt. Am Tatort wurde noch ein weiterer Sprengsatz gefunden und rechtzeitig entschärft.

Zuvor waren schon bei einem Bombenanschlag in der südlichen Stadt Hilla mindestens zwölf Menschen ums Leben gekommen und mehr als 30 verletzt worden. In Bagdad griffen Aufständische das streng gesicherte Innenministerium mit Mörsergranaten an. Dabei wurden zwei Menschen getötet und fünf verletzt. Bei der Explosion einer Autobombe wurde in Bagdad zudem ein Polizist getötet. Im Stadtgebiet fand die Polizei vier Leichen mit gefesselten Händen. Die Männer waren gefoltert und dann mit einem Kopfschuss getötet worden.

Die sich weiter verschlechternde Sicherheitslage im Irak war am Dienstag abermals das Hauptthema von Beratungen der irakischen Regierung. Mehr als eine Woche nach deren Vereidigung sind die wichtigen Ämter des Innen- und des Verteidigungsministers noch nicht besetzt, was Beobachtern zufolge zur Eskalation des Aufstands beigetragen hat. Nach jüngsten Regierungsvereinbarungen soll das Innenressort an einen Schiiten gehen, während ein sunnitischer Araber für die Landesverteidigung zuständig sein soll. Mit dieser Balance hofft man, die Lage in den Griff zu bekommen.

Als Erfolg vermeldete die irakische Regierung die Festnahme eines der meist gesuchten Terrorverdächtigen. Ahmed Hussein Dabasch Samir al Bataui habe hunderte Enthauptungen von Verschleppten gestanden, hieß es. Bei Zusammenstößen südlich von Bagdad wurden nach Polizeiangaben zudem drei ranghohe Mitglieder von Al Kaida im Irak getötet.

1.500 weitere US-Soldaten

Die USA kündigten unterdessen die Verlegung von 1.500 Soldaten von Kuwait in die irakische Unruheprovinz Anbar an, um dort verstärkt gegen Aufständische vorzugehen. Die Situation in Anbar stelle eine große Herausforderung dar, erklärte Militärsprecherin Michelle Martin-Hing. Die westirakische Provinz ist eine Hochburg der sunnitischen Extremisten, die gegen die ausländischen Truppen sowie die Regierung in Bagdad kämpfen.

Das dänische Parlament verlängerte am Dienstag das Mandat für den Einsatz der dänischen Streitkräfte im Irak bis zum 30. Juni 2007. Zugleich beschlossen die Abgeordneten auf Antrag der Regierung, das 530 Mann starke Kontingent um 80 Soldaten zu verringern. Diese waren bislang für die Ausbildung irakischer Soldaten abgestellt.

Die am Montag bei einem Bombenanschlag schwer verletzte US-Journalistin Kimberly Dozier wurde inzwischen ins amerikanische Militärkrankenhaus in Landstuhl in der Pfalz gebracht. Der Zustand der Korrespondentin des Senders CBS wurde als stabil beschrieben. Bei dem Anschlag waren ihr Kameramann und der Toningenieur getötet worden.

Im Prozess gegen Saddam Hussein beschwerte sich die Verteidigung am Dienstag darüber, dass sie nicht die gleichen Möglichkeiten wie die Staatsanwaltschaft habe, ihre Zeugen zu Wort kommen zu lassen. Einer dieser Zeugen überraschte das Gericht am Dienstag mit der Darstellung, dass zahlreiche Schiiten, deren Tod den Angeklagten zur Last gelegt werde, noch am Leben seien. Der Vorsitzende Richter Rauf Abdel Rahman ordnete eine Untersuchung an.

(ap)
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