Irak: Dschihadisten wollen auf Bagdad vorrücken

Irak : Dschihadisten wollen auf Bagdad vorrücken

Die Dschihadisten im Irak haben angekündigt, nun auf die Hauptstadt Bagdad vorrücken zu wollen. Die Vereinten Nationen haben den Vormarsch scharf verurteilt. Die Dschihadisten müssten daran gehindert werden, "den Weg zur Demokratie im Irak zunichte zu machen", erklärte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon am Mittwoch in New York.

Der UN-Sicherheitsrat berief wegen der eskalierenden Lage im Irak für Donnerstag eine Dringlichkeitssitzung ein. Die Weltgemeinschaft müsse sich zusammenschließen und Solidarität mit dem Irak zeigen, erklärte Bans Sprecher Stéphane Dujarric. Zugleich mahnte er aber an, dass beim Kampf gegen "Terrorismus und Gewalt" internationales Recht und die Menschenrechte beachtet werden müssten.

Der UN-Sicherheitsrat will nach Diplomatenangaben am Donnerstag (11.30 Uhr Ortszeit, 17.30 Uhr MESZ) hinter verschlossenen Türen über die Lage im Irak beraten. Der UN-Gesandte Nickolay Mladenow soll das Gremium demnach per Videoschaltung über die Entwicklung informieren.

Die Dschihadisten hatten mit einer Blitzoffensive am Dienstag die nordirakische Millionenstadt Mossul und die umliegende Provinz Ninive unter ihre Kontrolle gebracht. Die Streitkräfte sollen sich zumeist kampflos zurückgezogen haben. Am Mittwoch nahmen die Kämpfer der sunnitischen Dschihadistengruppe Islamischer Staat im Irak und der Levante (Isil) dann auch die Stadt Tikrit ein. Später wurden zudem Kämpfe in der Stadt Samarra gemeldet, die nur 110 Kilometer nördlich von Bagdad liegt. Eine halbe Million Menschen flohen bereits vor den Kämpfen.

Wie das auf die Überwachung islamistischer Internetseiten spezialisierte US-Unternehmen SITE mitteilte, kündigte ein Isil-Sprecher an, dass es bald auch Kämpfe in Bagdad und Kerbela weiter südwestlich geben werde. "Noch tobt die Schlacht nicht, aber sie wird in Bagdad und Kerbela toben", sagte der Sprecher Abu Mohammed al-Adnani demnach in einer Audiobotschaft, die über Twitter verbreitet wurde. "Legt eure Gürtel an und macht euch bereit", fügte er hinzu.

Die USA sicherten der irakischen Regierung ihre Unterstützung im Kampf gegen die Dschihadisten zu. Washington arbeitete mit den Partnern im Irak an einem "geeinten Vorgehen" gegen die Islamisten, sagte Außenamtssprecherin Jen Psaki. "Wir sind bereit, jede angemessene Unterstützung zur Verfügung zu stellen." Einzelheiten nannte die Sprecherin aber nicht.

Auch der Sprecher von US-Präsident Barack Obama sicherte den Verantwortlichen im Irak zu, dass die US-Regierung auf ihrer Seite stehe. Um den Kampf gegen die Dschihadisten zu gewinnen, müssten sie sich um "nationale Einheit" bemühen, erklärte Jay Carney.

Wie ein US-Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur AFP sagte, prüft Washington verschiedene Optionen, um den Irak im Kampf gegen die Dschihadisten zu unterstützen - etwa Drohnenangriffe.

US-Präsident Joe Biden forderte die Dschihadisten auf, die 49 Geiseln, die aus dem türkischen Konsulat in Mossul entführt wurden, freizulassen. In einem Telefongespräch mit dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan verlangte er "die sichere und sofortige Rückkehr" der Konsulatsmitarbeiter und ihrer Angehörigen. Auch UN-Generalsekretär Ban verurteilte die Geiselnahme und forderte die "sofortige Freilassung" der Entführten. mid AFP

Hier geht es zur Infostrecke: Isis/IS - Islamischer Staat im Irak und Syrien

(DEU)
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