Donald Trump vor UNO: gefährliche Strategie gegenüber Nordkorea

Trumps Rede vor der Uno : Ein blutiger Anfänger am geostrategischen Schachbrett

Trump warnt Nordkorea vor "totaler Zerstörung"

Mit Spannung war die Rede des US-Präsidenten vor den Vereinten Nationen erwartet worden, vor allem, was er zu Nordkorea sagen würde. Und: Donald Trump fand nicht den Ton, mit dem sich eine akute Krise entschärfen lässt.

In amerikanischen Thinktanks hält sich hartnäckig die These, dass Donald Trump der "Madman"-Theorie folgt, um Nordkorea zum Einlenken zu bringen. Zum ersten und für lange Zeit letzten Mal wurde sie von Richard Nixon angewandt. Die Theorie besteht im Kern darin, den Gegner mit allem rechnen zu lassen. Der sowjetischen Führung wurde vermittelt, dass Nixon nicht zurückzuhalten sei, wenn der Ärger ihn packe - und dass allein er über einen atomaren Angriff entscheide. In Moskau sollte man glauben, der amerikanische Präsident sei verrückt genug, einen Nuklearkrieg zu beginnen. Und daraufhin Zugeständnisse machen.

Trump, glauben manche in den Denkfabriken, nimmt sich ein Beispiel an seinem Vorvorgänger, um das Regime in Pjöngjang zur Einstellung seiner Raketentests zu zwingen.

Was für ein Vabanquespiel. Zumal sich ein blutiger Anfänger der Politik ans geostrategische Schachbrett setzt. Ein Mann, der im Immobiliengeschäft mit harten Bandagen zu kämpfen verstand, den einen oder anderen Bluff eingeschlossen. Trump scheint zu glauben, Gleiches ließe sich in der Weltarena problemlos wiederholen. Erklärtermaßen stolz auf seine Unberechenbarkeit, spielt der US-Präsident eine Pokerpartie, als wäre nichts dabei, eben mal mit der totalen Zerstörung eines ganzen Landes zu drohen. Sicher, die Provokateure sitzen in Pjöngjang, nicht in Washington. Nur ist dies gewiss nicht der Ton, mit dem sich eine akute Krise entschärfen lässt.

Doch der Wirbel um Nordkorea lässt eins in den Hintergrund rücken: die Art, mit der Trump seinen Premierenauftritt vor der Uno-Vollversammlung nutzte, um philosophisch den Rückwärtsgang einzulegen. Seit den neunziger Jahren war es die Globalisierung, die die Debatten am New Yorker East River prägte. Noch vor zwölf Monaten verabschiedete sich Barack Obama mit der Warnung von den Vereinten Nationen, dass ein Staat, der sich mit Mauern umgebe, nur sein eigenes Gefängnis baue.

Trump sieht das anders. Für ihn geht nichts über nationale Souveränität, er beruft sich auf die Gründungsgeschichte der Uno, als hätte sich die Welt seit 1945 nicht gründlich verändert. Was er sieht, ist ein globales Spielfeld, auf dem Amerika ausgetrickst wird von anderen, die sich nicht an die Regeln halten. Wenn die USA eine Führungsrolle übernehmen, über den eigenen Tellerrand hinaus Sicherheit garantieren, für ihre Werte werben, handeln sie letztlich im wohlverstandenen Eigeninteresse. Auch wenn das Geld kostet: Jahrzehntelang war das eine Art Staatsdoktrin in Washington, egal ob Demokraten oder Republikaner im Weißen Haus residierten. Trump hat es, nicht erst mit dieser Rede, aber selten so akzentuiert, de facto für beendet erklärt.

(fh)
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