1. Politik
  2. Ausland

Donald Trump: US-Präsident erbost über Bericht in "New York Times"

Gastbeitrag in „New York Times“ : Mitarbeiter berichtet von Widerstand gegen Trump im Weißen Haus

Der US-Präsident reagiert erbost auf einen Gastbeitrag in der „New York Times“. Darin schreibt ein anonymer Mitarbeiter, dass er und seine Kollegen Pläne von Trump bewusst sabotieren würden - man wolle Schaden für das Land abwenden.

In einem außergewöhnlichen Schritt hat die „New York Times“ einen anonymen Gastbeitrag eines US-Regierungsmitarbeiters veröffentlicht. Demnach arbeiten Teile der US-Regierung gegen Präsident Donald Trump. In dem Gastbeitrag heißt es: „Wir werden tun, was wir können, um die Regierung in die richtige Richtung zu lenken, bis es - auf die eine oder andere Art und Weise - vorbei ist.“ Trumps Handeln sei „dem Wohlergehen unserer Republik abträglich“.

Dass die „New York Times“ einen Gastbeitrag ohne Namen veröffentlicht, ist ungewöhnlich. Dass ein Mitarbeiter der US-Regierung sich an eine (von Trump noch dazu verachtete) Zeitung wendet, um zu verkünden, dass es aktiven „Widerstand“ gegen den Präsidenten gibt, ist es mindestens ebenso. Die „New York Times“ kennt eigenen Angaben zufolge den Namen des Autoren. Die Redaktion argumentiert, die anonyme Veröffentlichung sei die einzige Möglichkeit, ihn zu schützen und den Lesern zugleich „eine wichtige Sichtweise zu übermitteln“.

Der Präsident wettert regelmäßig gegen die Verwendung anonymer Quellen in Medien; womöglich auch, weil deren Aussagen selten schmeichelhaft für ihn sind. Trump wies nun auch den Gastbeitrag als „anonym, das heißt feige“ zurück. Auf Twitter schrieb er später in Großbuchstaben: „VERRAT?“ Und in einem weiteren Tweet forderte der Präsident, die „New York Times“ müsse den anonymen Autor aus Gründen der Nationalen Sicherheit „sofort der Regierung aushändigen“ - falls er denn tatsächlich existiere.

Trumps Sprecherin Sarah Sanders nannte den Beitrag „erbärmlich“ - dass er von einem Regierungsmitarbeiter verfasst wurde, scheint sie allerdings nicht infrage zu stellen. Der Autor hintergehe den gewählten Präsidenten, statt ihn zu unterstützen, kritisierte Sanders. „Dieser Feigling sollte das Richtige tun und zurücktreten.“

Die „New York Times“ bezeichnet den anonymen Autoren als „Senior Official“, womit viele Regierungsmitarbeiter gemeint sein können. Unklar ist also, wie hochrangig der Autor tatsächlich ist. Klar ist aber, dass er ein verheerendes Bild von Trumps Weißem Haus zeichnet - wie am Tag zuvor schon der Pulitzer-Preisträger Bob Woodward.

Am Dienstag waren erste Auszüge von Woodwards neuem Buch über die Trump-Präsidentschaft veröffentlicht worden, das am nächsten Dienstag erscheint - und das Trump eine „erfundene Geschichte“ nennt. Auch in dem Buch werden Zweifel daran geweckt, ob der Präsident eigentlich die Kontrolle im Weißen Haus hat. Woodward schreibt, der damalige Wirtschaftsberater Gary Cohn habe „einen Brief von Trumps Schreibtisch gestohlen“, mit dem der Präsident ein Handelsabkommen mit Südkorea habe aufkündigen wollen.

  • Brett Kavanaugh.
    Anhörung für neuen Supreme-Court-Richter : Kavanaugh nennt Unabhängigkeit wichtigste Richtereigenschaft
  • Symbol des Protests: der Kniefall afroamerikanischer
    Streit um NFL-Star Kaepernick : Politik statt Football
  • Twitter CEO Jack Dorsey und Facebook
    Anhörung im US-Senat : Facebook und Twitter räumen Versäumnisse bei Präsidentschaftswahlen ein

Das Motiv, wonach Mitarbeiter Pläne Trumps sabotieren, um Schlimmeres zu verhindern, dominiert auch den anonymen Gastbeitrag: „Das Dilemma - welches er nicht ganz versteht - ist, dass viele hochrangige Mitarbeiter in seiner eigenen Regierung von innen heraus unablässig daran arbeiten, Teile seines Programms und seiner schlimmsten Neigungen zu verhindern. (...) Ich bin einer von ihnen.“

Viele derjenigen, die Trump ernannt habe, „haben gelobt, dass wir tun, was wir können, um unsere demokratischen Institutionen zu schützen“, schreibt der anonyme Regierungsmitarbeiter. Es sei ein schwacher Trost, „aber Amerikaner sollten wissen, dass Erwachsene im Raum sind. Wir erkennen in vollem Umfang, was passiert. Und wir versuchen, das Richtige zu tun, selbst wenn Donald Trump es nicht tut.“ Die Folge sei eine zweigleisige Präsidentschaft - bei der die Verwaltung anders handele, als Trump es vorgebe.

Als ein Beispiel nennt der Autor die US-Außenpolitik: Während Trump eine „Vorliebe“ für Autokraten wie Kremlchef Wladimir Putin an den Tag lege, benenne der Rest der Regierung klar die Versuche russischer Einmischung in den USA. Die Verwaltung bemühe sich um Verbündete, die Trump als Rivalen verspotte. Der Regierungsmitarbeiter schreibt: „Das sprunghafte Verhalten wäre besorgniserregender, wenn es die unbesungenen Helden im Weißen Haus und drum herum nicht gäbe.“

Es gehe nicht um „Widerstand“ der Linken, schreibt der Autor weiter. „Wir wollen, dass die Regierung erfolgreich ist, und denken, dass viele ihrer Strategien Amerika schon jetzt sicherer und wohlhabender gemacht haben. Aber wir glauben, dass unsere erste Pflicht diesem Land gilt, und der Präsident fährt fort, in einer Art zu handeln, die dem Wohlergehen unserer Republik abträglich ist.“ Der Autor urteilt: „Die Wurzel des Problems ist die Amoralität des Präsidenten.“

(wer/AP/dpa/rtr)