Donald Trump und Theresa May: Frostiges Treffen in der Downing Street

„Wir kriegen das hin“ : Trump wirbt bei May für Handelsabkommen nach dem Brexit

Nach all den Spitzen gegen die scheidende Premierministerin gibt sich der US-Präsident am zweiten Tag seines Großbritannien-Besuchs äußerst zuvorkommend. Als er May scherzend drängt, zu bleiben, quittiert sie das mit einem Schmunzeln.

US-Präsident Donald Trump hat am zweiten Tag seines Staatsbesuchs in Großbritannien für ein Handelsabkommen beider Länder für die Zeit nach dem Brexit geworben. Bei einem Treffen mit Premierministerin Theresa May und den Chefs führender Unternehmen sagte er, es werde sicherlich ein „sehr substanzielles Handelsabkommen“ zwischen Washington und London geben. „Ich denke, das ist etwas, was wir beide wollen .. Wir kriegen das hin“, sagte Trump.

Der US-Präsident, der noch vor einem Jahr May mit der Aussage in einem Zeitungsinterview düpierte, ihr Rivale Boris Johnson wäre ein „exzellenter“ Regierungschef für Großbritannien, enthielt sich diesmal jeglicher Spitzen gegen sie. Auf ihre prekäre Lage, nach ihrem für Freitag angekündigten Rücktritt als konservative Parteichefin Premierministerin nur noch auf Zeit zu sein, ging er nur indirekt und scherzend ein: Er empfahl May, an einem finalen amerikanisch-britischen Handelsdeal „dranzubleiben“ und bis zur Unterschriftsreife „zu bleiben“.

Viele in dem Raum in Mays Amtssitz in der Downing Street schmunzelten, als Trump das sagte. Nach ihren Rücktritt vom Tory-Vorsitz wird sie nur noch so lange Premierministerin sein, bis ihre Partei einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin benannt hat. In Großbritannien ist die Führung der Regierungspartei traditionell mit dem Amt des Premierministers verknüpft.

Vor dem demonstrativ harmonischen Treffen mit May hatte Trump etwas gemacht, was Staatsgäste in der Regel nicht tun: Innenpolitische Empfehlungen auszusprechen. So sagte er, dass Brexit-Hardliner Nigel Farage ein Rolle in den noch verbleibenden Verhandlungen mit der EU bekommen sollte. Farage will einen harten Brexit.

May machte erneut klar, dass sie das für keine gute Lösung hält. „Ich glaube immer noch, dass es im besten Interesse des Vereinigten Königreichs ist, die Europäische Union mit einem Deal zu verlassen. Ich glaube, dass ein guter Deal auf dem Tisch liegt“, sagte sie. Dieses Abkommen ist aber mehrmals im Unterhaus abgeschmettert worden, bis sie schließlich das Handtuch warf. „Offensichtlich muss der, der mir als Premierminister nachfolgt, diese Frage voran bringen. Es ist von höchster Bedeutung, glaube ich, dem britischen Volk den Brexit zu liefern.“

Trump lobte, Farage nicht mehr erwähnend, May in den höchsten Tönen. „Ich habe es genossen, mit Ihnen zu arbeiten. Sie sind ein enormer Profi und eine Person, die ihr Land sehr liebt“. Doch dann erinnerte er auch an seinen vor zwei Jahren erteilten Ratschlag, die EU zu verklagen, anstatt einen Ausstieg auszuhandeln. Er hätte „geklagt und es erledigt, vielleicht, aber man kann nie wissen. Sie ist wahrscheinlich ein besserer Verhandler als ich.“ Und dann setzte er sogar noch dazu, Mays Deal mit der EU sei ein guter gewesen und „vielleicht bekommen sie nie die Anerkennung, die Sie verdienen.“

In London demonstrierten zahlreiche Menschen gegen Trump. Dabei waren der inzwischen berühmte Baby-Trump-Ballon und eine fast fünf Meter hohe Figur zu sehen, die Trump auf einem goldenen Klo sitzend darstellt und mit Roboterstimme seine of wiederholten Phrasen wie „No collusion“ und „You are fake news“ spricht.

(mja/dpa)
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