Donald Trump und die Nato Die Schlange wird beißen und ihr Biss ist giftig

Meinung | Washington · Donald Trump will Nato-Verbündete, die ihre Beiträge nicht ausreichend leisten, nicht vor einem russischen Angriff schützen. Er würde Russland sogar ermutigen, mit solchen Ländern „zu machen, was zur Hölle sie wollen“. Für Europa muss das ein Weckruf sein.

Donald Tump bei einem Auftritt in South Carolina.

Donald Tump bei einem Auftritt in South Carolina.

Foto: AP/Manuel Balce Ceneta

Donald Trumps Rhetorik im Wahlkampf überschreitet eine Schwelle, die in der Vergangenheit einmal das sichere Ende eines Kandidaten bedeutet hätte. Dass der „Amerika-Zuerst“-Nationalist den brutalen Kriegsherrn im Kreml dazu einlädt, Nato-Mitglieder anzugreifen, die nicht genug Geld für ihre Verteidigung bezahlen, schockiert selbst aus dem Munde Trumps.

Damit outet er sich endgültig als Fanboy Wladimir Putins, der seinerseits auf eine Rückkehr seines „Make-America-Great-Again“-Bewunderers ins Weiße Haus setzt. In einer zweiten Amtszeit könnte ihm der Isolationist Trump seine Fieberträume erfüllen: Die USA koppeln sich von Europa ab und geben Putin freie Hand auf dem Kontinent.

Der Schlüssel dazu wäre das Ende des westlichen Bündnisses, das über die letzten 74 Jahre Frieden und Freiheit in Europa garantiert hat. Indem Trump die kollektive Verteidigungszusage nach Artikel 5 infrage stellt, macht er die Nato als Präsident zu einem zahnlosen Tiger.

Genau das empfiehlt die Blaupause einer Trump-nahen Denkfabrik, die eine schlafende Nato („Dormant Nato“) zur Priorität einer zweiten Amtszeit erklärt. Verstörenderweise bekommt darin nicht der von der Wiederkehr eines Großrussland träumende Autokrat in Moskau rote Linien aufgezeigt, sondern verbündete Demokratien in Europa. Verbunden mit geradezu absurden Einschätzungen, wonach von Russland keine Gefahr für den Westen ausgehe.

Dass dieser gefährliche Unsinn den Kandidaten nicht automatisch disqualifiziert, beschreibt, wie sich die Republikaner verändert haben. Die Partei des Interventionisten George W. Bush und des Kommunistenfressers Ronald Reagan positioniert sich heute als fünfte Kolonne Putins.

Der ehemalige KGB-Mann begleitet Trumps Hetze mit virtuosem Spiel auf der Propaganda-Klaviatur. Die Bühne dafür baute ihm kein Geringerer als MAGA-Sprachrohr Tucker Carlson, der Putin über zwei Stunden unwidersprochen einen Brei aus historischen Halbwahrheiten, Vorwürfen gegen den Westen und regelrechten Lügen anrühren ließ.

Dessen toxische Wirkung lässt sich an dem erbärmlichen Verhalten der Republikaner im Kongress ablesen, die dort weitere Hilfe für den Überlebenskampf der Ukraine blockieren. Nicht viel anders würde es den Nato-Partnern ergehen, falls Trump die Chance bekommt, seine Blaupause für ein „schlafendes Bündnis“ umzusetzen.

Für Europa muss das ein schriller Weckruf sein, der zum Handeln zwingt. Und das schnell. Die Verbündeten können es sich nicht leisten, wie das Kaninchen auf die Schlange zu starren. Zumal Trump ankündigt, was er vorhat, wenn die Amerikaner ihn lassen. Die Schlange wird beißen und der Biss wird giftig sein.

(RP)
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