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Donald Trump spricht erstmals vor US-Kongress: Endlich Phrasen

Trump-Rede in Washington : Endlich Phrasen

Donald Trump hat in der Nacht die bisher beste Rede seiner Präsidentschaft gehalten. Was daran liegt, dass es nach den teils bizarren Auftritten seiner ersten Wochen im Amt rhetorisch kaum noch bergab gehen konnte.

Ausnahmsweise hat er darauf verzichtet, die Medien zu beschimpfen oder sie nach bisheriger Manier zu Feinden des Volkes zu erklären. Er hat sich strikt an ein Manuskript gehalten, diszipliniert vom Teleprompter abgelesen, ohne verbal aus der Hüfte zu schießen.

Begonnen hat er seine erste Ansprache vor dem Kongress damit, die Hassverbrechen der vergangenen Tage zu verurteilen, von rassistisch motivierten Schüssen auf zwei Inder in einer Kneipe in Kansas bis hin zum Umstürzen von Grabsteinen auf jüdischen Friedhöfen in St. Louis und Philadelphia. Später fand er vergleichsweise nette Worte für die Nato-Verbündeten, er sprach von der Schieflage der Lastenteilung in der Allianz, ohne in den drohenden Unterton zu verfallen, dessen er sich sonst meist bedient.

Vergleichsweise gute Stilnoten

Für einen Donald Trump ist das schon viel. Dass es eine ziemlich konventionelle Vorstellung war, weniger auf Schockwirkung bedacht, nicht so rabiat nationalistisch wie die Rede am Tag seiner Amtseinführung, hat ihm vergleichsweise gute Stilnoten eingebracht.

Letzteres zeigt jedoch nur, wie niedrig die Messlatte liegt. Als ob man schon froh sein müsste, wenn der Populist auf seine populistischsten Töne verzichtet. In der Substanz, um die es eigentlich gehen sollte, wenn ein US-Präsident im Parlament erscheint, hat Trump erneut nicht viel geboten.

Einmal mehr konnte er nicht erklären, wie er die Quadratur des Kreises bewerkstelligen will. Auf nichts anderes läuft nämlich hinaus, was er alles ankündigt: eine Billion Dollar für ein groß angelegtes Infrastrukturprogramm, obendrein massiv erhöhte Verteidigungsausgaben, aber zugleich massive Steuersenkungen und dabei kaum ein Wort darüber, wie er die absehbare finanzielle Lücke zu schließen gedenkt.

Rauschender Beifall, als er den Kongress auffordert, entschlossen zu handeln, um Barack Obamas Gesundheitsreform zu kassieren und durch etwas Neues zu ersetzen. Wie die Alternative konkret aussehen soll? Es war nicht zu erfahren an diesem Abend.

Phrasen, Phrasen, Phrasen

Eine "reale und positive" Einwanderungsreform sei möglich, signalisierte der Mann, der große Teile seines Wahlkampfes mit heftiger Polemik gegen Einwanderer aus Lateinamerika bestritten hatte. Stunden zuvor hatte er einen kleinen Überraschungscoup gelandet, als er Journalisten beim Lunch anvertraute, er könne sich durchaus vorstellen, illegalen Migranten den Weg in die Legalität zu ebnen. Wer darauf zumindest grobe Umrisse jener Reform erwartet hatte, sah sich bald eines Besseren belehrt.

Dafür hagelte es Phrasen, Phrasen, Phrasen. Die Zeit für kleines Karo sei vorbei, von nun an lasse sich Amerika von seinen Hoffnungen leiten, statt sich von seinen Ängsten niederdrücken zu lassen, sagte Trump, erkennbar darum bemüht, wie Ronald Reagan zu klingen, der posthum auf den Denkmalssockel gehobene Säulenheilige der Republikaner.

Wenn man zurückblicke auf diese Nacht, werde man sie als einen Moment in Erinnerung behalten, in dem "ein neues Kapitel amerikanischer Größe" begonnen habe, sagte Trump. Es gibt viele, die das wohl anders sehen.