Donald Trump lobt Verhältnis zu Recep Tayyip Erdogan in Washington

Staatsbesuch in Washington : Trump lobt Erdogan: „Ich bin ein großer Fan des Präsidenten“

Das Verhältnis zwischen der Türkei und den USA ist gespannt. Beim Treffen in Washington lobt Donald Trump Recep Tayyip Erdogan dennoch wortreich. Eine Lösung für den Streit um die russische Raketenabwehr fanden die Präsidenten aber offenbar nicht.

"Wir sind seit langer Zeit Freunde, fast vom ersten Tag an", sagte Donald Trump während Recep Tayyip Erdogans Besuch in Washington. "Wir verstehen das Land des jeweils anderen." Nach dem Gespräch mit seinem türkischen Amtskollegen im Oval Office lobte Trump, es habe sich um ein "wunderbares und produktives Treffen" gehandelt. „Ich bin ein großer Fan des Präsidenten“, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz im Weißen Haus. Er hoffe, die beiden Länder würden ihre Differenzen über den Kauf russischer S-400-Abwehrraketen durch die Türkei beilegen. Dies sei eine "sehr ernste Herausforderung" für die USA.

Es entstand allerdings trotz der warmen Worte nicht der Eindruck, als hätten beiden Seiten in Washington eine Lösung für ihren Streit um das russische Raketenabwehrsystem gefunden. Die Regierung in Washington befürchtet, dass Russland über das S-400-System Zugang zu geheimen Daten des F-35-Jets erhalten könnte, wenn dieser von dem Luftabwehr-System erfasst wird. Erdogan sagte, eine Lösung des Konflikts sei nur im Dialog möglich.

Zuletzt waren die Länder auch in der Syrien-Politik aneinandergeraten. Für Ärger im US-Kongress sorgte die türkische Offensive im Nordosten Syriens, die sich gegen kurdische Milizen richtet. Die Kurden waren die wichtigsten Verbündeten der USA im Kampf gegen den Islamischen Staat. Trump hatte mit der Ankündigung US-Truppen aus dem Grenzgebiet in Nordsyrien abzuziehen, den Weg für die Offensive freigemacht. Am Mittwoch sagte Trump, die USA hätten eine "großartige Beziehung" zu den Kurden. Und er glaube, dass auch Erdogan ein "großartiges Verhältnis" zu den Kurden habe.

Die türkische Armee war am 9. Oktober mit verbündeten Rebellen in Nordsyrien einmarschiert, um die Kurdenmiliz YPG aus dem Grenzgebiet zu vertreiben. Die YPG ist der Verbündete der US-Streitkräfte im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Die Türkei betrachtet die Kurdenmiliz dagegen als Terrororganisation.

Erdogan äußerte außerdem Unmut über die jüngste Armenien-Resolution aus dem US-Kongress. Die Resolution habe die Absicht, die türkische Nation zu verletzen, sagte Erdogan. Das Repräsentantenhaus hatte Ende vergangenen Monats eine Resolution verabschiedet, in der es heißt, die USA würden den Völkermord an den Armeniern anerkennen und die Tötung von 1,5 Millionen Armeniern durch das Osmanische Reich verurteilen.Die Türkei als Nachfolgerin des Osmanischen Reiches gesteht den Tod von 300.000 bis 500.000 Armeniern während des Ersten Weltkrieges ein und bedauert die Massaker. Eine Einstufung als Völkermord weist sie jedoch strikt zurück.

Vor dem Weißen Haus protestierten während des Treffens der beiden Staatschefs Dutzende Menschen gegen Erdogan und dessen Offensive in Syrien. Demonstranten hielten Fahnen der Kurdenmiliz YPG und riefen: „Türkei raus aus Syrien“ und „Schande über die Türkei“. Am Abend zogen Demonstranten weiter vor das Hotel, in dem Erdogan in Washington übernachtete.

(juju/dpa/rts)