1. Politik
  2. Ausland

Donald Trump "kein großer Fan" von britischem Botschafter Darroch

Diplomatische Verstimmung : Britischer Botschafter nennt US-Präsident Trump „inkompetent“ - dieser wehrt sich

Als „unsicher“ und „inkompetent“ beschreibt der britische Top-Diplomat den US-Präsidenten in internen Dokumenten, die an die Presse gelangten. Dieser ist nicht begeistert.

US-Präsident Donald Trump hat dem britischen Botschafter nach der Enthüllung vertraulicher Berichte über die amerikanische Regierung Versagen vorgeworfen. Kim Darroch habe „dem Vereinigten Königreich nicht gut gedient“, antwortete Trump am Sonntag auf Reporterfragen nach jüngst durchgestochenen Memos des hohen Diplomaten. Darin lässt sich der Botschafter äußerst negativ über die Arbeitsweise der Regierung in Washington aus, auch mit Blick auf Trumps Außenpolitik.

Die britische Zeitung „Mail on Sunday“ hatte die eigentlich für das Außenministerium in London bestimmten diplomatischen Berichte am Sonntag publik gemacht. Wer die Dokumente durchstach, war zunächst unklar. In den kommenden Tagen sollen interne Untersuchungen eingeleitet werden.

In einer der Memos schrieb Darroch laut dem Bericht der „Mail on Sunday“: „Wir glauben nicht unbedingt, dass diese Regierung substanziell normaler werden wird, weniger dysfunktional, weniger unberechenbar; weniger gespalten, weniger diplomatisch ungeschickt und unfähig.“

In Memos beschrieb Darrochs zudem die Iran-Politik des US-Präsidenten als „sprunghaft, chaotisch“. Trump war im vergangenen Jahr aus dem zäh ausgehandelten Atomabkommen mit dem Iran ausgestiegen, das das Land an der Entwicklung einer Nuklearbombe hindern soll. Der Schritt sorgte gerade bei europäischen Verbündeten der USA für Frust. In den vergangenen Wochen schienen die USA sogar am Rande eines bewaffneten Konflikts mit Teheran zu stehen.

Botschafter Darroch schrieb, er glaube Trumps öffentlicher Erklärung nicht, wonach dieser im Juni wegen der womöglich hohen zivilen Opferzahl einen schon beschlossenen Militärschlag gegen den Iran in letzter Minute abgesagt habe. Vielmehr habe der Präsident die Sorge umgetrieben, dass ein solcher Schritt sich 2020 negativ auf seine Wiederwahlchancen ausgewirkt hätte.

Er hege Zweifel, ob das Weiße Haus „jemals kompetent wirken“ werde, schrieb Darroch weiter. Mit Trump könne man sich nur verständigen, indem man sich mit einfachen Worten und unverblümt ausdrücke. Darroch glaubt den Memos zufolge zudem nicht daran, dass sich an der isolationistischen Politik des Präsidenten etwas fundamental ändern werde. Der Prunk bei seinem Staatsbesuch in Großbritannien, wo Trump von Queen Elizabeth II. empfangen wurde, habe ihn zwar „überwältigt“, aber: „Das ist immer noch das Land des America First“, erläuterte Darroch mit Blick auf Trumps Leitsatz „Amerika zuerst“.

  • Der britische Prinz Charles (l), Prinz
    Rechtschreibfehler sorgt für Spott : Trump bezeichnet Thronfolger Charles als "Prinzen der Wale"
  • US-Präsident Donald Trump (Archivfoto).
    Auf den Spuren der Vorfahren : Donald Trump will nach Deutschland kommen
  • Donald Trump beim Ausstieg aus der
    Paul Manafort schuldig gesprochen, Geständnis von Michael Cohen : Doppelschlag gegen Donald Trump

Die publik gewordenen diplomatischen Berichte und Memos reichen bis ins Jahr 2017 zurück. In einer Reaktion stellte das britische Außenministerium deren Echtheit nicht infrage. Bei deren Weitergabe handele es sich um ein „mutwilliges Vergehen“, rügte es. Die Öffentlichkeit erwarte von Diplomaten aber ehrliche Einschätzungen der Politik in den Ländern, in die sie entsandt seien. Die Enthüllungen würden die produktiven Beziehungen zwischen London und Washington nicht beeinträchtigen. Das US-Außenministerium äußerte sich zunächst nicht.

Die USA und das Vereinigte Königreich verbindet seit dem Zweiten Weltkrieg eine „besondere Beziehung“, die beide Länder immer wieder betonen. Darrochs Ansichten über die Trump-Regierung dürfte nun für Verlegenheit sorgen, zumal Trump kurz nach seinem Wahlsieg 2016 erklärt hatte, dass er den Brexit-Hardliner Nigel Farage für einen exzellenten Botschafter in den USA halte. Überhaupt scheut sich der US-Präsident nicht davor, sich in das politische Geschehen auf der Insel einzumischen. Mit wiederholter Kritik am Brexit-Kurs der scheidenden Premierministerin Theresa May sorgte er ebenso für Aufsehen wie mit Lob für Farage und Ex-Außenminister Boris Johnson, der als Favorit für die Nachfolge Mays gilt.

(sbl/AFP)