Donald Trump — eine Lektion für die Welt

Erste Pressekonferenz nach der Wahl : Donald Trump — eine Lektion für die Welt

Nach seinem Sieg bleibt sich Donald Trump treu. Der bald mächtigste Mann auf dem Globus ist ein schillerndes, gefährliches Phänomen. Eine Herausforderung für die Welt.

Ja, sie könnten in einer Nische der Wahrnehmung tatsächlich Recht behalten, jene Trump-Erklärer, die darauf hinwiesen, dass ein politisch derart unerfahrener Mensch eher auf den Rat der Experten hören würde. Dass einer wie Donald Trump die stabilisierenden Stützen des Systems sogar mehr nutzen würde als eine festgefahrene und von sich überzeugte Hillary Clinton.

Wer seinen Blickwinkel stark verengt, erkennt für diese These einen Beleg nach dem anderen: Angefangen bei der versöhnenden Ansprache am Wahlabend über die Relativierung seiner Wahlkampfansagen bis hin zu seiner lange geleugneten neuesten Erkenntnis, dass Russland hinter den massiven Einmischungen in den US-Präsidentschaftswahlkampf steckt.

Das ist schon ein wichtiger Teil des Phänomens Trump: Er gibt verschiedenen Gruppen seiner Anhänger stets neues Futter, womit sie ihr Gefühl nähren können, genau den Richtigen gewählt zu haben. Und er liefert mit massiven Angriffen auf die Medien und deren angeblich "gefälschte Nachrichten" stets den noch viel wichtigeren Erklärungsansatz, wonach alle Fakten, die seinen Behauptungen widersprechen, dann eben gelogen seien. Fertig ist das Weltbild, in dem allein der Bauch entscheidet und der Kopf sich dem zu fügen hat.

Verkürzung auf Stichworte — das ist Trumps Ding

Seine 140-Zeichen-Kommunikation mit Millionen Followern und durchschlagender Wirkung beherrschte auch seine erste große Pressekonferenz. Verkürzung auf Stichworte und simple Überzeugungen, das ist sein Ding. Kompliziertes verständlich machen, das ist im Grundsatz eine Tugend und eine Bedingung für erfolgreiche Politik, die die Menschen mitzunehmen versteht.

Es kann aber auch eine Gefahr sein, wenn es zum Mittel für die Verführung von Millionen wird, die dann ohne Wissen und Verständnis in die falsche Richtung marschieren, weil sie zugleich alle warnenden Stimmen ignorieren. Die nächsten Jahre werden zeigen, wohin Trump die Welt führt und was sie mit sich machen lässt.

Was Trump an einem Tag unbeschadet übersteht, reichte früher aus, um gleich mehrere Politikerleben zu ruinieren. Die bislang unbewiesenen Behauptungen über eine angebliche Erpressbarkeit wegen gefilmter Sex-Eskapaden in Russland pariert er mit dem Hinweis, das könne ja schon deswegen nicht sein, da er sich der Überwachung im Ausland schon immer bewusst gewesen sei und sich dementsprechend verhalten habe.

Das sagt er voller Überzeugung in die Kamera, so wie er es kurz zuvor als Lüge bezeichnete, er habe einen behinderten Reporter öffentlich nachgeäfft — wohlwissend, dass es von dieser Sequenz einen Mitschnitt gibt, der ihn dann auch sofort der neuerlichen Lüge überführte.

Für Millionen Menschen ein real existierender Albtraum

Liegt es daran, dass er erfolgreich die Grenzen zwischen wahr und falsch auf einer Schiene zwischen subjektiv und objektiv verschieben konnte? Dass er sich damit erneut als Geburt der neuen Medien erweist, in denen fast alles als sowohl wahr als auch falsch erscheinen und sich das Gegenteil als richtig erweisen kann?

Es ist die Welt der lustvoll inszenierten Verschwörungstheorien, in der sich im Tages-, ja Stundentakt diejenigen durchsetzen, die die interessanteste Idee von der Wirklichkeit liefern und im Schatten dieses grandiosen Bildes weitgehend unbemerkt ihre Interessen durchsetzen. Da mag man das Land isolieren, den falschen Freunden ausliefern, die gesellschaftliche Kluft durch Schleifen der ohnehin nur bescheidenen Krankheitsvorsorge vergrößern — Hauptsache, die Massen empfinden alles als "great".

Für viele Millionen Menschen ist diese Präsidentschaft ein real existierender Albtraum. Trump wird zu einer der größten Herausforderungen für die Welt. Aber es hat schon größere gegeben. Globale Katastrophen, Kriege, Seuchen. Wie groß die Schäden jeweils wurden, hing auch davon ab, wie die Welt mit den Herausforderungen umging.

Ein Narziss wird zum Gefährder

Manche Bedrohung erwies sich sogar als Chance. In Trump ist unter dem Brennglas und nahezu in Reinform das zu beobachten und zu erleben, was in vielen anderen Ländern noch in der Entwicklung steckt. An ihm lässt sich studieren, ob das Festhalten an eindeutigen und rationalen Maßstäben auf Dauer vielleicht doch wirkt. Oder ob es neuer Ansätze bedarf.

Das kritische Kulturmagazin "New Yorker" brachte die aktuelle Situation in einer großartigen Karikatur auf den Punkt. An Bord eines Fliegers beklagt ein Passagier, dass die abgehobenen Piloten den Kontakt mit den normalen Passagieren verloren hätten und lässt daher darüber abstimmen, ob nicht besser er das Flugzeug steuern solle. Ein Narziss wird zum Gefährder. Am 20. Januar übernimmt er vor dem Kapitol in Washington den Steuerknüppel.

Das Protokoll zur ersten Pressekonferenz Trumps nach der Wahl können Sie hier nachlesen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Donald Trumps erste Pressekonferenz nach der Wahl

(may-)
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