Dissidenten warnen nach US-Botschaftseröffnung auf Kuba

Annäherung zwischen den USA und Kuba : Opposition fordert Freilassung aller politischen Häftlinge

Bei Diplomaten ist die Euphorie groß, Kubas Oppositionelle heben dagegen den warnenden Finger. Das Ende der "Eiszeit" zwischen Washington und Havanna beflügelt sogar Gedankenspiele über einen hochrangige Besucher in der US-Hauptstadt.

Die Aussöhnung zwischen Kuba und den USA weckt enorme Erwartungen auf der ganzen Welt. Die Europäische Union setze nun auf einen vollständigen Neustart der Beziehungen, teilte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini am Donnerstag in Brüssel mit. Auch aus ganz Lateinamerika kamen Glückwünsche. Ein Sprecher der US-Regierung wollte sogar eine Einladung nach Washington an den kubanischen Staatschef Raúl Castro nicht ausschließen. In der kubanischen Hauptstadt Havanna klagten dagegen Oppositionelle über die andauernde Verfolgung.

In dem sozialistischen Karibikstaat seien aktuell mindestens 105 Menschen aus politischen Gründen inhaftiert, sagte der Vorsitzende der Kubanischen Kommission für Menschenrechte und Nationale Versöhnung (CCDHRN), Elizardo Sánchez, der Deutschen Presse-Agentur. "Wir erwarten die bedingungslose Freilassung aller", fügte er hinzu.

Nach Angaben des Weißen Hauses hatte sich Castro nach seinem Gespräch mit US-Präsident Barack Obama am Dienstag bereit erklärt, 53 politische Gefangene auf freien Fuß zu setzen. Nach der historischen Einigung zwischen beiden Regierungen sprach ein anderer Dissident, der Preisträger des Sacharow-Preises des Europäischen Parlaments Guillermo Fariñas, von einem "Verrat" am kubanischen Volk in einem Radiointerview.

In Washington schloss der Sprecher von US-Präsident Barack Obama einen Besuch von Raúl Castro nicht aus. Josh Earnest stellte eine Einladung Castros nach Washington als denkbar dar. Er wisse aber nicht, "ob Herr Castro den Wunsch angedeutet hat, in die Vereinigten Staaten zu reisen und das Weiße Haus zu besuchen".

Weltweit blieb das Echo auf die historische Annäherung zwischen beiden verfeindeten Staaten gewaltig. Nach EU-Außenbeauftragte Mogherini bezeichnete EU-Parlamentspräsident Martin Schulz die Entwicklung als einen "längst überfälligen Schritt". In Lateinamerika feierten die Regierungen von Mexiko bis Argentinien den Durchbruch nach mehr als 50 Jahren Eiszeit.

Auf einem Gipfel der Mercosur-Staaten in Argentinien sagte Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff: "Dies stellt einen Zivilisationswandel dar. Niemals hätten wir gedacht, dass dieser Augenblick wahr wird." Zugleich dankte sie Papst Franziskus für dessen Vermittlung.

Der Papst selbst äußerte sich sehr zufrieden. "Heute freuen wir uns alle, denn wir haben gesehen, wie zwei Völker, die seit vielen Jahren weit voneinander entfernt waren, einen Schritt der Annäherung gemacht haben", sagte er bei einer Audienz für Diplomaten am Heiligen Stuhl.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) begrüßte die Entwicklung. "Das ist ein historischer, positiver und längst fälliger Schritt", sagte er . Wir begrüßen das sehr", sagte Müller der "Passauer Neuen Presse" (Freitag). Von der Aussöhnung würden auch die USA profitieren - und Kuba gewinne ohnehin.

Hier geht es zur Infostrecke: Eckpunkte der Annäherung zwischen Kuba und den USA

(dpa)