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Nach Festnahme eines chinesischen Kapitäns: Diplomatische Krise zwischen Japan und China verschärft sich

Nach Festnahme eines chinesischen Kapitäns : Diplomatische Krise zwischen Japan und China verschärft sich

Peking (RPO). Der durch die Festnahme eines chinesischen Kapitäns durch Japan ausgelöste Streit zwischen Peking und Tokio hat sich weiter verschärft. Eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums schloss am Dienstag ein Treffen der Regierungschefs beider Länder am Rande der Generaldebatte der UN-Vollversammlung in New York aus. Japan warnte vor nationalistischen Tendenzen.

Die derzeitige Atmosphäre zwischen Japan und China sei offensichtlich "nicht günstig" für ein Gespräch des chinesischen Regierungschefs Wen Jiabao mit seinem japanischen Kollegen Naoto Kan, sagte eine chinesische Außenamtssprecherin am Dienstag in Peking. Die Generaldebatte der Vollversammlung am Sitz der Vereinten Nationen in New York wird normalerweise für eine Vielzahl von bilateralen Treffen genutzt.

Die Sprecherin warnte zudem die USA, sich in den Konflikt zwischen den beiden asiatischen Staaten einzumischen: Eine "Internationalisierung" des Streits würde die Angelegenheit noch komplizierter machen. US-Präsident Barack Obama will Wen und Kan am Donnerstag zu getrennten Gesprächen in New York treffen.

Japan und China liegen wegen eines festgehaltenen chinesischen Kapitäns im Streit. Ein japanisches Gericht hatte am Sonntag entschieden, die Haft des 41-Jährigen bis zum 29. September zu verlängern. Das Außenministerium in Peking drohte umgehend mit "harten Gegenmaßnahmen". Als Reaktion brach China einem Medienbericht zufolge bilaterale Kontakte in vielen Bereichen ab.

Das Fischerboot war am 7. September von einem japanischen Marineschiff nahe einer unbewohnten Inselkette aufgebracht worden, die beide Staaten und Taiwan für sich beanspruchen. In der Region liegen vier chinesische Gasfelder, deren Ausläufer laut Tokio in japanische Gewässer ragen. Bis auf den Kapitän kehrte die 14-köpfige Mannschaft inzwischen wieder nach China zurück.

Die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums rief Japan am Dienstag erneut auf, den festgehaltenen chinesischen Kapitän unverzüglich freizulassen, um eine weitere Verschlechterung der Lage zu verhindern. Der Vorfall habe die Beziehungen der beiden Länder bereits "schwer beschädigt".

Die japanische Regierung warnte vor nationalistischen Tendenzen in beiden Ländern. Das Wichtigste sei, dass kein "kleinlicher, extremer Nationalismus in Japan, China und sonstigen Ländern entfacht wird", sagte Regierungssprecher Yoshito Sengoku am Dienstag in Tokio. "Wir möchten alle möglichen Kanäle nutzen, damit dieser Streit nicht eskaliert", fügte er hinzu und betonte die Bedeutung guter Beziehungen zwischen den beiden asiatischen Wirtschaftsriesen.

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In China hatte es am Wochenende in mehreren Städten antijapanische Demonstrationen gegeben. China lud zudem eine Gruppe von tausend japanischen Jugendlichen wieder aus, die zu einem Besuch der Weltausstellung Expo nach Shanghai kommen sollten. Auch zwei Konzerte einer japanischen Popgruppe auf der Expo im kommenden Monat wurden abgesagt. Der Gouverneur von Tokio, Shintaro Ishihara, sagte eine für Mitte Oktober geplante Reise in die chinesische Hauptstadt Peking ab.

(AFP)