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Vorwürfe gegen US-Republikaner Herman Cain: Die Sex-Affäre bekommt ein Gesicht

Vorwürfe gegen US-Republikaner Herman Cain : Die Sex-Affäre bekommt ein Gesicht

Washington (RPO). Seit zehn Tagen gerät der Hoffnungsträger der Republikaner schwer unter Druck. Mehrere Frauen haben ihm vorgeworfen, sie sexuell belästigt zu haben, blieben dabei aber anonym. Nun wählt eine den Schritt an die Öffentlichkeit. Vor der Presse schildert sie detailliert, wie Cain sie belästigt haben soll.

Drei Frauen hatten bislang Vorwürfe gegen Cain erhoben. Der 65-Jährige wies diese stets empört zurück. Keiner der Fälle wurde so konkret, dass er Cain wirklich gefährlich werden konnte. Zwar fiel er in den Umfragen etwas zurück, blieb aber in den Reihen der Republikaner weiterhin einer der aussichtsreichsten Bewerber für die Präsidentschaftskandidatur.

Nun aber trat Sharon Bialek in New York vor die Presse. Und wird in ihren Anschuldigungen sehr konkret. Die US-Öffentlichkeit ist elektrisiert. In den Nachrichtenportalen macht das Thema fette Schlagzeilen.

Sie war auf Jobsuche

Der Fall, von dem Bialek der Journalistenmenge berichtet, liegt bereits 14 Jahre zurück. Genau wie die anderen soll er sich im Umfeld des amerikanischen Gaststättenverbandes abgespielt haben, deren Chef Cain damals war. Sie haben ihn damals nach ihrem Jobverlust aufgesucht, um ihn zu bitten, ihr bei der Arbeitsplatzsuche zu helfen.

Stattdessen habe er sie in einem Auto bedrängt. "Er hat plötzlich zu mir herübergefasst, seine Hand auf mein Bein gelegt, sie unter meinen Rock und in Richtung meiner Genitalien geschoben", sagte Bialek. Zudem habe Cain ihren Kopf zu seinem Schritt ziehen wollen.

"Ich war geschockt"

"Ich war sehr, sehr überrascht und sehr geschockt", sagte Bialek. Sie habe Cain daraufhin gefragt, was er vorhabe, ihm gesagt, dass sie einen Freund habe und dass sie keine sexuellen Absichten verfolge, sondern wegen einer neuen Stelle zu ihm gekommen sei.

Seine Antwort: "Du willst einen Job, richtig?"

Ihre Anwältin Gloria Allred hatte die Stellungnahme bereits zuvor angekündigt und auch erste Details zu den Vorwürfen angedeutet.

Cain soll sich erklären

Mit dem Fall Bialek steigt die Zahl der Frauen, die dem Republikaner sexuelle Belästigung vorwerfen, auf vier. Für Cain wird die Lage damit langsam kompliziert. Zwar lag er in den meisten Umfragen Kopf an Kopf mit Mitt Romney vorne, dem früheren Gouverneur des US-Bundesstaats Massachusetts. Doch mehr als die Hälfte der Befragten glaubt Cain nicht. Bialek forderte den Präsidentschaftsbewerber direkt auf, Stellung zu beziehen.

Cains Wahlkampfmanager wiesen die Anschuldigungen Bialeks am Montag umgehend zurück. "Alle Belästigungsvorwürfe gegen Herrn Cain sind vollkommen unwahr, Herr Cain hat niemals jemanden belästigt", hieß es in einer Erklärung. Zuvor hatte Cain die Anschuldigungen der anderen Frauen als "lächerlich" bezeichnet und von einer Schmutzkampagne gesprochen. Kein anderer als sein republikanischer Konkurrent Rick Perry habe die Schlammschlacht angezettelt. Perrys Team wiederum zeigt mit dem Finger auf Romney: Dessen Leute hätten die Sexgeschichten ausgegraben.

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Eine hat Angst, zwei nahmen Schweigegeld

Laut Angaben der New York Times versuchen Cains Berater nun, die Glaubwürdigkeit Bialeks in Zweifel zu ziehen. 14 Jahre nach dem Vorfall — warum meldet sie sich erst jetzt zu Wort? Bialek hatte ihren Auftritt damit erklärt, sie wolle damit die anderen Frauen unterstützen, die Vorwürfe gegen Cain erhoben haben. Eine hat offenbar Angst, an die Öffentlichkeit zu gehen, die beiden anderen verließen damals den Gaststättenverband mit einer Abfindung und einer Schweigeverpflichtung im Gepäck.

Cains Probleme verlängern die inzwischen beeindruckende schwarze Serie der Republikaner. Die Konservativen finden keinen, der stark genug ist, um sich in den Vorwahlen als echter Herausforderer Obamas zu positionieren — und das, obwohl der US-Präsident in seiner Heimat vor Schwäche kaum laufen kann.

Die schwarze Serie hält an

Über Monate würde immer wieder ein neuer Kandidat als Hoffnungsträger auf den Schild gehoben — und fiel herunter. Der Millionär Mitt Romney ist vielen zu glatt und wendig, Michele Bachmann schoss sich mit abstrusen Bemerkungen über göttliche Vorsehung und Hurrikan Catrina in eine andere Sphäre und der Haudegen Rick Perry brachte in den Fernseh-Debatten kaum einen unfallfreien Satz zustande. Dass nun auch noch Herman auf der Kippe steht, nutzt wohl am ehesten dem anderen Front Runner: Mitt Romney.

(AFP/RP)