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Das Leben nach der Amtsübergabe: Die Sarkozys - der Anwalt und die Sängerin

Das Leben nach der Amtsübergabe : Die Sarkozys - der Anwalt und die Sängerin

Wer in Paris demnächst einen Anwalt braucht, könnte einen sehr prominenten Verteidiger bekommen: den einstigen Präsidenten Nicolas Sarkozy. Der konservative Staatschef, der die Präsidentenwahl am Sonntag gegen den Sozialisten François Hollande verlor, will nach Angaben eines Beraters wieder in seine alte Anwaltskanzlei einsteigen.

Dass der 57-Jährige nach mehr als drei Jahrzehnten mit der Politik aufhört, machte er bereits am Abend seiner Niederlage deutlich: "Nach 35 Jahren in der Politik kann mein Platz nicht mehr derselbe sein", sagte Sarkozy, der seine Karriere mit 28 Jahren als Bürgermeister des Pariser Nobelvororts Neuilly begonnen hatte. Er werde nun wieder ein "Franzose unter Franzosen". Noch deutlicher wurde er laut Presseberichten am Montag im engsten Kreis seiner Vertrauten: "Ich werde nicht mehr als Kandidat bei einer Wahl antreten", soll der Präsident da gesagt haben.

Auch seine Frau Carla Bruni-Sarkozy habe darauf gedrungen, dass der Präsident auf Distanz zur Politik gehe, berichtet die Zeitung "Le Parisien". Mit ihr und der bald sieben Monate alten Tochter Giulia will Sarkozy, der nach dem harten Wahlkampf erschöpft wirkt, erst einmal Urlaub machen - wahrscheinlich in der Villa seiner Frau an der Côte dAzur. Erst nach der Sommerpause im September werde der 57-Jährige dann verkünden, wie er sich seine Zukunft vorstelle. "Er wird wie Tony Blair Konferenzen geben", sagt sein Berater Alain Minc.

Der Grünenpolitiker Daniel Cohn-Bendit sieht Sarkozy dagegen eher in einer Linie mit Altkanzler Gerhard Schröder, der nach seiner politischen Karriere beim russischen Unternehmen Gazprom anheuerte. "Ich sehe ihn als Geschäftsmann", sagte Cohn-Bendit am Dienstag im Fernsehsender Canal+. Der 57-Jährige sei als Chef des privaten Fernsehsenders TF1 oder führender Kopf der französischen Atomindustrie vorstellbar, als "einer, der Geld macht".

Letztlich müsse der scheidende Staatschef ja auch Geld verdienen, denn "er hat ein Problem mit Carla - sie hat mehr als er", ergänzte Cohn-Bendit. Was die First Lady, die aus einer schwerreichen italienischen Industriellenfamilie stammt, nach dem Ende der Amtszeit ihres Mannes plant, ist noch ungewiss. Für den Herbst kündigte das frühere Top-Model, das zuletzt als Sängerin Karriere machte, eine neue CD an. Drei CDs brachte die 44-Jährige mit der sanften Stimme bereits heraus, ihre erstes Album "Quelquun ma dit" wurde auch im Ausland hunderttausendfach verkauft.

"Carla hat ihre Karriere während der Amtszeit von Nicolas Sarkozy nicht auf Eis gelegt", sagt ihre Sprecherin Véronique Rampazzo. Vielmehr habe die Musikerin, die sich oft selbst auf der Gitarre begleitet, "in ihrem Rhythmus" weiter Lieder geschrieben. Eine große Zukunft als Künstlerin hat die 44-Jährige nach Ansicht des Musikkritikers Bertrand Dicale allerdings nicht vor sich: "Man hat die Tendenz, die beiden Persönlichkeiten zu vermengen: den Politiker und die Sängerin".

Brunis Musiker-Freund Louis Bertignac verteidigt dagegen die First Lady: "Vielleicht trägt das Publikum ihr nach, dass sie Präsidentengattin war, aber ich finde das wirklich idiotisch." Die Musikerin habe "wirklich Talent beim Komponieren".

Auch als Schauspielerin hat sich die scheidende Première Dame bereits versucht in dem Woody-Allen-Film "Midnight in Paris". Gerüchte, dass Bruni-Sarkozy in einem Film ihrer Schwester Valeria Bruni-Tedeschi auf die Leinwand zurückkehren könnte, dementierte ihre Sprecherin Rampazzo allerdings: "Das ist eine Erfindung."

Das Ex-Model und ihr Mann dürften sich auf alle Fälle nach der Amtsübergabe nächste Woche wieder mehr ihrem Familienleben widmen, zu dem neben der kleinen Giulia vier Söhne aus früheren Beziehungen gehören. "Kümmert Euch um Eure Familien", gab Sarkozy seinen Ministern bei der letzten Kabinettssitzung am Mittwoch mit auf den Weg. "Ich werde das auch mit meiner eigenen machen."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Nicolas Sarkozy und Carla Bruni in der Menge

(AFP)