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Die neue G7 - welche Staaten wichtig werden

Analyse : Die neue G7 - welche Staaten wichtig werden

Noch geben die Chefs der bedeutendsten Industriestaaten als G 7 den Ton an. Aber sieben Verfolger-Staaten sind ihnen auf den Fersen.

Wenn sich Anfang Juni die sieben großen demokratischen Industrienationen im bayerischen Elmau versammeln, wird die Welt auf sie blicken. Das Format gilt aber als Auslaufmodell, weil immer mehr Staaten auf die Überholspur gehen und in Sachen Wirtschaft, Demokratie, Technologie und Zivilgesellschaft aufholen. Die G 7 haben das erkannt und bereits einen Dialog mit Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika begonnen. Doch es gibt weitere Länder, die im nächsten Jahrzehnt von sich reden machen. Wir haben die nächste Generation G 7 zusammengestellt.

Mexiko Offen für den globalen Freihandel, begünstigt durch eine strategisch gute Lage zwischen den USA und Südamerika, rohstoffreich, getragen von Außenhandel und einem stabilen industriellen Sektor, ist Mexiko ein attraktiver Standort. Die Wirtschaft konnte sich vor allem im Automobilbau, in der Luftfahrt, in Elektronik und Bergbau entwickeln. Schon heute ist Mexiko größter Exporteur von Flachbildschirmen.

Fluch und Segen der mexikanischen Wirtschaft ist das Nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta. So erfolgte der massive Ausbau der Automobilindustrie durch den stetigen Abbau der gleichen Branche in den USA. Mexikos Automobilindustrie stieg damit zwar zum wichtigsten Sektor des Landes auf, zementiert aber auch die Abhängigkeit von den USA.

Nigeria Die Wirtschaft Nigerias wird durch eine wachsende Mittelschicht, staatliche Reformen und den Reichtum an Öl und Gas geprägt. Mit einer täglichen Förderleistung von über zwei Millionen Barrel pro Tag ist Nigeria derzeit der größte Ölproduzent Afrikas und weltweit die Nummer zwölf. Öl ist mit einem Anteil von über 80 Prozent das mit Abstand wichtigste Ausfuhrgut. Nigerias Wirtschaftspolitik verfolgt eine Reformagenda. Ein Beispiel ist der Ausbau des Bankensektors. Davon profitiert auch die Telekommunikation.

Die Schwächen liegen in der mangelhaften Infrastruktur, der unzureichenden Stromversorgung und dem geradezu chaotischen Transportwesen. So ist der Hauptseehafen in Lagos völlig überlastet. Zudem behindern Korruption, schleppende Verwaltung, Armut und Arbeitslosigkeit eine dynamischere Wirtschaftsentwicklung.

Türkei Auch die Türkei profitiert vom Nachholbedarf und der Konsumfreude ihrer Bevölkerung. Mit massiven Großprojekten stärkt die Regierung die Infrastruktur. So stehen allein mit den neuen Kernkraftwerken Mersin/Akkuyu und Sinop Investitionen von fast 30 Milliarden Euro an. Weitere türkische Großprojekte sind der dritte Flughafen Istanbuls (elf Milliarden Euro), die transanatolische Erdgaspipeline (sechs Milliarden Euro) und der Kanal Istanbul parallel zum Bosporus (bis zu neun Milliarden Euro).

Der Staat spielt mit einem Anteil von 80 Prozent der gesamten Investitionen die größte Rolle im Aufholprozess. Fast ein Drittel der Investitionen flossen in die verarbeitende Industrie, ein Fünftel in den Verkehrssektor und mehr als ein Zehntel in den Wohnungsbau. Ankara verfolgt anspruchsvolle Wirtschaftsziele. So soll die Wirtschaftsleistung bis 2023 um jährlich rund sieben Prozent wachsen.

Iran Der Iran ist eine der wichtigsten Nationen im Mittleren Osten. Er gilt als viertgrößter Ölproduzent der Welt und hält fast ein Fünftel der weltweiten Gasreserven. Der Staat hat ein großes technologisches und ökonomisches Potenzial. Er besitzt eine hochgebildete und wirtschaftlich starke Mittelschicht; zugleich haben viele junge Menschen eine akademische Ausbildung.

Wegen der Sanktionen infolge des inzwischen vorläufig beigelegten Atomstreits hat die Öl- und Gasindustrie erheblichen Nachholbedarf. Sie braucht Maschinen, Ersatzteile und Dienstleistungen. Textilmaschinen, Medikamente und Autos sind ebenfalls gefragt. China hat die Abwesenheit der Konkurrenten aus dem Westen genutzt: Chinesische Unternehmen exportierten 2012 erstmals mehr Textilmaschinen in den Iran als deutsche Wettbewerber.

Indonesien Die Inselgruppe ist ein attraktiver Investitionsstandort mit lukrativen Absatzmärkten für die europäische Wirtschaft. Mit liberalen politischen Voraussetzungen für wirtschaftliche Entwicklung und einem großen Konsumentenmarkt zeigt sich der südostasiatische Inselstaat ökonomisch und gesellschaftlich emanzipiert. Kein Wunder - Indonesien ist reich an Rohstoffen und gesellt sich zu den weltweiten Hauptexporteuren von Kohle, Zinn, Nickel, Kupfer, Bauxit (Aluminiumerz) und Gold.

Der Bergbau trägt 13 Prozent zur Wirtschaftsleistung bei. Doch mit dem Exportverbot für unverarbeitete Mineralerze brachte die Regierung die Branche in turbulentes Fahrwasser. Hintergrund war der Preisverfall auf den Weltmärkten.

Südkorea Das industrialisierte Land ist der Shootingstar unter den aufstrebenden Wirtschaftsnationen unserer Zeit. Die Republik Korea hat sich in 50 Jahren von einer der ärmsten Nationen zu einem wahren wirtschaftlichen Juwel entwickelt. Unter den größten Exportländern weltweit belegte Südkorea den fünften Platz. Ob Samsung, LG oder Hyundai - koreanische Unternehmen sind längst Global Player. Mit einer hervorragenden IT-Infrastruktur, gut ausgebildeten Fachkräften und hohen Devisenreserven präsentiert sich das Land als ernstzunehmende Konkurrenz für etablierte und aufstrebende Wirtschaftsnationen wie China, Japan oder Indien.

Als Risiko und Chance kann der ungeliebte Bruder im Norden betrachtet werden. Denn zum einen schafft die politische Instabilität Nordkoreas wirtschaftliche Spannungen, zum anderen bietet der Norden mit seiner Sonderwirtschaftszone Kaesong Zugang zu billigen Arbeitskräften.

Vietnam Das Land hat eine stabile Regierung mit ambitionierten Zielen, niedrige Lohnkosten und interessante lokale Beschaffungsmärkte auf der einen, aber auch Reformstau und Korruption gepaart mit faulen Krediten, überschuldeten Staatsunternehmen und geringer Arbeitsproduktivität auf der anderen Seite. Treibende Kraft ist eine junge und gebildete Bevölkerung mit hohem Nachholbedarf.

Die wachsende Mittelschicht wird anspruchsvoller, und der Handel lockt mit modegerechten Angeboten. Supermarktketten aus dem In- und Ausland erweitern stetig ihre Filialnetze und ringen um die besten Standorte in Hanoi oder Ho-Chi-Minh-Stadt. Begleitet wird das durch eine wachsende Industrie. Besonders erfreulich entwickeln sich die Chemieindustrie und der medizinische Sektor.

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(RP)