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Wie Verdächtige die Folter überstanden: Die CIA und der geheime Staubsauger

Wie Verdächtige die Folter überstanden : Die CIA und der geheime Staubsauger

Die Foltermethoden des US-Geheimdienstes CIA brachten manche Terrorverdächtige um den Verstand. Einer hielt sich mit der Konstruktion eines Staubsaugers über Wasser.

Der Wunsch des Häftlings war ungewöhnlich, wurde ihm aber gewährt: Chalid Scheich Mohammed, mutmaßlicher Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001, bat vor etwa einem Jahrzehnt in einem rumänischen Geheimgefängnis der CIA um die Erlaubnis, einen Staubsauger bauen zu dürfen. Dafür erhielt er nach Absprache mit der CIA-Zentrale tatsächlich grünes Licht, wie ein Ex-Mitarbeiter des US-Geheimdienstes der Nachrichtenagentur AP nun sagte.

Die Folter musste reparabel bleiben

Mohammed hatte da bereits brutalste Verhörmethoden hinter sich, unter denen er eine Reihe von Gräueltaten gestanden hatte. In Polen wurde der gelernte Maschinenbauingenieur durch Schlafentzug gefoltert: Laut einem CIA-Bericht hielten Agenten ihn 180 Stunden am Stück wach. 183 Mal wurde er der Methode des simulierten Ertränkens, dem sogenannten Waterboarding, ausgesetzt.

Die Foltermethoden sollen die Häftlinge nach CIA-Darstellung "psychologisch aus der Bahn werfen". Waren die Verhöre beendet, musste der psychologischen Schaden wieder gut gemacht werden. Denn sollte Mohammed eines Tages vor einem Militärtribunal erscheinen, musste er bei Verstand sein. "Wir wollten nicht, dass sie verrückt werden", sagte der Ex-Geheimdienst-Mitarbeiter, der lieber anonym bleiben wollte. Und so begann der mutmaßliche Chefplaner des 11.
September, mit Hilfe von Bauplänen aus dem Internet eines der banalsten Haushaltsgeräte überhaupt zu bauen.

Sprechstunden mit Tee und Keksen

Im Gegensatz zu anderen Mitgliedern des Terrornetzwerks Al-Kaida ist Mohammed den Berichten heute zufolge bei guter Gesundheit. Ramsi Binalschibh und Abdel al-Naschiri etwa, Mithäftlinge von Mohammed in Polen und Rumänien, leiden an Depressionen und posttraumatischen Belastungsstörungen. Binalschibh bekommt wegen Schizophrenie antipsychotische Medikamente.

Nachdem das CIA-Gefängnis in Polen im September 2003 geschlossen wurde, kam Mohammed in die rumänische Hauptstadt Bukarest. Das Gefängnis dort hatte ein Beratungszimmer, wo er "Sprechstunden" abhielt, wie er es CIA-Mitarbeitern gegenüber genannt haben soll. Am Boden festgekettet dozierte er darin bei Tee und Keksen über seinen Weg zum Dschihad, seine Kindheit und Familie. Zusammen mit fünf anderen Häftlingen bekam er nach Darstellung von CIA-Agenten "Hausaufgaben", bei denen er sein Wissen über Al-Kaida preisgeben sollte. Als Belohnung dafür gab es Snickers-Schokoriegel.

Harry Potter als Lektüre

In Rumänien stellte das Gefängnis seinen Häftlingen Bücher zur Verfügung. Mohammed las gerne Harry-Potter-Bände. War ein Häftling mit einem Buch durch, wurde der Lesestoff Seite für Seite auf geheime Botschaften für andere Insassen abgesucht. Mohammed wurde angeblich erwischt, wie er seine Mithäftlinge davor warnte, über den Kurier von Osama bin Laden zu reden.

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Mohammed machte 1986 seinen Abschluss in Maschinenbau an der staatlichen Universität von North Carolina. Ob er in Gefangenschaft einen besseren Staubsauger entwickeln oder einfach nur in den Bauplänen geheime Informationen verstecken wollte, ist unklar. Auch ob die Pläne noch existieren oder wie weit er mit seinen Entwürfen kam, bleibt ein Geheimnis.

Ein Staubsauger als Bedrohung

Als das rumänische CIA-Gefängnis Anfang 2006 schloss, wurde Mohammed nach Guantánamo verlegt, wo er bis heute inhaftiert ist. Seinem Militärverteidiger Jason Wright war es nach eigener Darstellung untersagt, mit seinem Mandanten über das Staubsauger-Thema zu reden. "Es klingt lächerlich, doch die Beantwortung dieser Frage, oder überhaupt die Bestätigung oder Verneinung der Existenz eines Entwurfs für einen Staubsauger, einen Staubwedel oder auch nur ein besseres Handtuch, setzt die US-Regierung und ihre Bürger offenbar außerordentlich großer Gefahr aus", sagt Wright dazu.

Auch die CIA macht keine Angaben zu den Plänen. Auf Anfrage erhielt AP die Auskunft, diese gälten, "sofern sie existieren", als operative Unterlagen und wären damit streng vertraulich. In Graham Greenes Spionagethriller "Unser Mann in Havanna" heuert ein Staubsauger-Vertreter beim britischen Geheimdienst MI 6 an. Den Briten macht er weis, seine Baupläne seien militärische Anlagen. Ob Mohammed den Roman gelesen hat, ist nicht bekannt.

(ap)