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Die Bundesregierung sollte sich nicht auf ein militärisches Abenteuer am Persischen Golf einlassen

Kommentar zum Hilfeersuchen der Amerikaner : Vorsicht am Persischen Golf

Die Bundesregierung kann nicht einfach nein zum Hilfeersuchen der Amerikaner zum Schutz der Handelsschiffe am Persischen Golf sagen. Aber sie sollte eine Mitwirkung an Bedingungen knüpfen.

Die neue Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer steht gleich zu Beginn ihrer Amtstzeit vor einer außerordentlichen Bewährungs- und Belastungsprobe. Sie muss nämlich maßgeblich mitentscheiden, wie sich die Bundesregierung nun verhält, nachdem die amerikanische Seite offiziell um militärische Hilfe zum Schutz der Handelsschiffe in der Straße von Hormus nachgefragt hat.

Leicht ist die Entscheidung nicht. Denn das amerikanische Hilfeersuchung hat seine Berechtigung, seit der Iran einen Tanker des Nato-Verbündeten Großbritannien gekapert hat. Das kann sich der Westen nicht bieten lassen, schon gar nicht vom terroristischen Mullah-Regime in Teheran, das seine atomaren Ambitionen wieder aufnimmt.

Andererseits trägt die Trump-Administration selbst ein gerütteltes Maß an Mitverantwortung für die Eskalation im Golf. Willkürlich und völkerrechtswidrig hat der US-Präsident das Atom-Abkommen mit dem Iran aufgekündigt und betreibt seitdem eine gefährliche Politik des maximalen Drucks auf den Mullah-Staat. Damit hat er die Reformbewegung im Iran vor den Kopf gestoßen, die Hardliner um Religionsführer Chamenei haben nun das Sagen. Für sie ist der Konflikt die Chance, den Iran als regionale Vormacht in der explosiven Region zu installieren. Und an einen Regimewechsel in Teheran glauben noch nicht einmal die Amerikaner.

Die unverantwortliche Politik Trumps reizt dazu, einfach nein zu sagen. Doch das kann sich Deutschland als Mittelmacht und enger Verbündeter der USA nicht leisten. Die Bundesregierung sollte aber eine Beteiligung, die sich nicht in möglichen Kampfeinsätzen zeigen darf, an Bedingungen knüpfen. Eine davon muss lauten, dass Diplomatie den Vorrang vor militärähnlichen Aktionen haben muss.