Grenzkonflikt zwischen Syrien und der Türkei: Die Angst vor dem drohenden Krieg

Grenzkonflikt zwischen Syrien und der Türkei : Die Angst vor dem drohenden Krieg

Nach heftigen Drohgebärden schien ein Überschwappen des Syrien-Konflikts auf die Nachbarländer vorerst abgewendet. Doch die Friedenssignale kamen zögerlich. Und am Freitagabend gab es neuen Ärger. Die Angst vor einem möglichen Krieg wächst.

An Tag eins nach dem türkischen Ja zu Militäroperationen in Syrien meldeten die Staatsmedien in Damaskus verdächtige Bewegungen an der Grenze. Bewaffnete Gruppen aus der Türkei hätten versucht, in das syrische Dorf Chirbet al-Dschoos einzudringen, berichtete das staatliche Fernsehen am Freitag.

Regierungstruppen hätten die "Eindringlinge" aber gestoppt und viele von ihnen getötet. Die meisten seien Ausländer gewesen, einer von ihnen türkischer Staatsbürger, hieß es weiter. Was genau im Grenzgebiet vorgefallen ist, blieb unklar.

Die Medienblockade des Regimes von Präsident Baschar al-Assad macht eine unabhängige Überprüfung solcher Berichte kaum möglich. Doch aus den verschiedenen Meldungen von Augenzeugen, Aktivisten und auch der offiziellen Stellen ließ sich ein Bild zusammenfügen.

Türkei zeigt sich nur kurz beschwichtigt

Und demnach schien nach der kurzzeitigen Ausweitung des Syrien-Konfliktes zu einer internationalen Krise, in dem arabischen Land alles beim Alten zu sein: Der brutale Alltag ging weiter - im inneren Syriens. Doch schon am Abend gab es neuen Ärger mit dem Nachbarn: Nach einem Granatangriff aus Syrien schoss die türkische Armee in der Region Hatay zurück.

Der Freitag hatte zunächst mit friedlichen Signalen begonnen. Zwei Tage nach dem syrischen Angriff auf das türkische Grenzgebiet zeigte sich Ankara bemüht, die Lage nicht weiter eskalieren zu lassen. Die scharf formulierten internationalen Reaktionen hatten die Türken beschwichtigt. Die Regierung signalisierte, dass sie die Erklärungsversuche des syrischen Regimes in Kontakten mit Russland und den Vereinten Nationen als Entschuldigung verstehen möchte.

Sieben Angriffe an der Grenze

Der UN-Sicherheitsrat hatte einige Stunden zuvor den syrischen Angriff über die Grenze mit fünf Toten "in schärfsten Worten" kritisiert und die Assad-Truppen dafür verantwortlich gemacht. Eine Reaktion aus Damaskus darauf gab es zunächst nicht - die Syrer schwiegen, fühlten sich ungerecht behandelt und warteten auf eine Verurteilung der jüngsten Anschlagsserie in der Metropole Aleppo mit vielen Toten durch die UN - die schließlich am Abend auch kam.

Die türkische Regierung wiederum war mit den überlieferten Erklärungen des Nachbarn unzufrieden und wollte an einen technischen Fehler der Syrer beim Abfeuern von Granaten auf das türkische Grenzdorf Akcakale nicht so recht glauben. Insgesamt habe es in der jüngsten Zeit sieben Angriffe auf türkisches Territorium gegeben, sagte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, nachdem ihm das Parlament freie Hand für Militäreinsätze in Syrien gegeben hatte. "Sie sagen, es war ein Unfall. Aber können Unfälle so häufig passieren?"

Regierungsnahe türkische Kommentatoren folgten am Freitag der offiziellen Lesart, wonach die Regierung mit der parlamentarischen Billigung von Militäreinsätzen in Syrien vor allem ein Instrument der Abschreckung in die Hände bekommen wollte, um dem syrischen Gewaltherrscher eine rote Linie zu demonstrieren. Politiker der oppositionellen Republikanischen Volkspartei CHP und der Kurdenpartei BDP warnten dagegen, dass Erdogan nun die Weichen für einen Krieg gegen Syrien stellen könne. Vor einem solchen Szenario hat vor kurzem auch schon der UN-Sondervermittler für Syrien gewarnt - und es könnte immer näher rücken.

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(dpa)