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Paketbomben: Die Angst fördert die Kontroll-Wut

Paketbomben : Die Angst fördert die Kontroll-Wut

Brüssel (RPO). Paketbomben aus dem Jemen und aus Griechenland - kaum ist die Terrorgefahr wieder ins Bewusstsein gerückt, werden Forderungen nach Konsequenzen laut. Auch die EU-Kommission beriet am Freitag darüber. Dabei funktioniert die Terrorabwehr derzeit besser denn je. Doch die Angst vor einer Katastrophe lässt das in den Hintergrund rücken. Europa droht dadurch zu einer Kontroll-Union zu werden.

Körperscanner, Flüssigkeiten-Verbot im Flugzeug, strengere Einreiseregelungen: Seit dem 11. September gehören intensive Kontrollen an den Flughäfen für Reisende dazu. Und nun das: In zwei Päckchen aus dem Jemen, die in Frachtflugzeugen unterwegs waren, wurde Sprengstoff entdeckt. Zu den versuchten Anschlägen hat sich mittlerweile eine jemenitische Untergruppe von des Terrornetzwerks Al Qaida bekannt. Ein paar Tage später wurden in Europa insgesamt 14 Paketbomben gefunden - offenbar von griechischen Linksextremisten. Bestimmt waren sie unter anderem für Frankreichs Präsidenten Nicolas Sarkozy, Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi und Bundeskanzlerin Angela Merkel.

EU-Luftsicherheitsbehörde gefordert

Kein Wunder, dass gerade in der Politik die Rufe nach einer Verschärfung der Kontrollen im Flugverkehr wieder laut werden - ungeachtet des Aufwandes und der Kosten, die durch ein solches Vorhaben entstehen würden. So ist das Bundeskanzleramt ganz vorn mit dabei und forderte eine europaweite Luftsicherheitsbehörde. Lückenlos sollten alle Frachtgüter künftig überwacht werden.

Die EU-Kommission will zwar die Kontrollen im Luftverkehr verschärfen. Sie sprach sich am Freitag aber gegen zu harte Auflagen für Frachtfirmen aus. Verkehrskomissar Siim Kallas warnte vor zu "überzogenen Mapßnahmen". Denn es gebe in der zivilen Luftfahrt schon jetzt die schärfsten Sicherheitsvorschriften.

Und genau das haben auch die Sprengstoff-Funde gezeigt. Die Terrorabwehr funktioniert. Sehr schnell gelangten die Informationen aus Dubai und Großbritannien, wo die jemenitischen Bomben entdeckt wurden, an die zuständigen Sicherheitsbehörden in den Vereinigten Staaten und auch in Europa.

Schnell konnten Maßnahmen wie der Stopp von Frachtsendungen aus dem Jemen eingeleitet werden. Und auch nach der Explosion zweier Bomben in Griechenland fanden die Einsatzkräfte rasch weitere Pakete, auch zwei Verdächtige waren schnell ausfindig gemacht.

Im Namen der Terrorbekämpfung

Jetzt noch mehr Kontrollen einzurichten, würde daher nicht unbedingt zu einer besseren Warnung vor Anschlägen führen - wobei bei Frachtsendungen dennoch ähnliche Maßstäbe wie bei der Beförderung von Passagieren gelten sollten.

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Schließlich wurde im Namen der inneren Sicherheit in den vergangenen Jahren auch manche Maßnahme in Gang gesetzt, die sowohl Datenschützer als auch Bürger auf die Barrikaden rief. Online-Durchsuchungen, Speicherung von Telefon-Daten - all dies geschah im Namen der Terrorbekämpfung. Und der Bürger muss dies über sich ergehen lassen, während in der Frachtpost Bomben mitfliegen können.

Schnell ließe sich vermuten, dass auf Verschärfungen im Frachtverkehr auch wieder Forderungen nach noch strengeren Kontrollen bei den Passagieren folgen würden. Dabei darf bei all dem eines nicht vergessen werden: Eine hunderprozentige Sicherheit gegen Anschläge gibt es nicht.

Und während die Sicherheitsexperten in Brüssel noch darüber diskutieren, wie man die Union vor Paketbomben schützen kann, werden die Terroristen mit ziemlicher Sicherheit schon nach ganz anderen Wegen suchen, ihre tödlichen Bomben gezielt zu platzieren.

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