Der Stratege Wladimir Putin: Die Achse Moskau-Peking lebt neu auf

Der Stratege Wladimir Putin : Die Achse Moskau-Peking lebt neu auf

Innenpolitisch steht Wladimir Putin nach der Eroberung der Halbinsel Krim unangefochten da. Außenpolitisch hingegen wird er von EU, USA, Japan und anderen Großmächten isoliert. Umso wichtiger ist für Putin die Machtachse Moskau-Peking – eine Allianz, die militärpolitisch erneuert wird.

Innenpolitisch steht Wladimir Putin nach der Eroberung der Halbinsel Krim unangefochten da. Außenpolitisch hingegen wird er von EU, USA, Japan und anderen Großmächten isoliert. Umso wichtiger ist für Putin die Machtachse Moskau-Peking — eine Allianz, die militärpolitisch erneuert wird.

Chinas Staatschef fand wohlklingende Worte für Russlands Präsidenten: Wladimir Putin stehe "in der Blüte seiner Kräfte, verteidigt konsequent die Interessen Russlands, beweist ein starkes Verantwortungsgefühl und kennt seine Bestimmung". Diese Worte stammen nicht vom derzeitigen chinesischen Xi Jinping, sondern von seinem Vor-Vorgänger Jiang Zemin. Und sie fielen im Jahr 2001.

Damals unterzeichneten die Staatschefs den Vertrag über "gute Nachbarschaft, Freundschaft und Zusammenarbeit", der eine "militärische und militärtechnische Zusammenarbeit" von Russen und Chinesen vorsah. China ist zudem Großkunde der russischen Rüstungsindustrie. Von 2004 bis 2011 gingen über 20 Prozent der russischen Waffenexporte nach China.

Putin auf dem Zenit seiner Macht

Doch auch 13 Jahre später hat dieses Zitat an Aktualität nicht verloren. Im Gegenteil: Seit dem Umsturz in der Ukraine, der Entmachtung und Vertreibung des ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch, der anschließenden Krim-Krise und der nun vollzogenen russischen Einverleibung der Halbinsel könnte die Aussage ohne weiteres im März des Jahres 2014 fallen.

Putin steht auf dem Zenit seiner Macht, posaunen es die Unterstützer des starken Mannes im Kreml heraus. Sogar Kritiker im eigenen Land zollen Putin Respekt für die Rückkehr der Krim nach Russland - "ohne Krieg". Er gilt außen- wie auch innenpolitisch nun als gestärkt. Doch Putins Russland steht auf der Weltbühne zunehmend isoliert da.

Wie Sebastian Heilmann, Direktor des Mercator Instituts für China-Studien (MERICS) in Berlin, erklärte, konnte China Russland beim Krim-Referendum nicht offen unterstützen, weil dies als Ermutigung für separatistische Bewegungen in Tibet und Xinjiang hätte dienen können. Aber diese Enthaltung war auch dienlich für Moskau.

Wohlwollende Stimmen aus China

Die Stimmen aus China, die Moskau nach der Krim-"Heimkehr" in diesen Tagen erreichen, werden daher mit viel Wohlwollen aufgenommen. Die Führung in Peking stehe an der Seite Moskaus. Sie unterstütze die Politik des Kremls, heißt es. Was hinter diesen Worten steckt, ist die Erneuerung und Stärkung der Achse der Weltmächte Russland und China - dem flächenmäßig größten Land der Erde auf der einen und dem bevölkerungsreichsten auf der anderen Seite.

Putin weiß um die Bedeutung der Bande mit China. Vor der Staatsduma und dem Föderationsrat dankte Russlands Präsident offiziell "dem chinesischen Volk". Russland ist für China ein wichtiger politischer Partner, um der Dominanz des Westens Paroli zu bieten. Chinas Außenminister betonte jüngst, dass sich die bilateralen Beziehungen in einer Hochphase befänden. Im Syrien-, Libyen- oder Iran-Konflikt stimmte China deshalb stets wie Russland ab.

In Zeiten der Krim-Krise wird Chinas Zurückhaltung von vielen Experten als Unterstützung für die Kreml-Politik gewertet. Doch es geht noch weiter: Moskau und Peking arbeiten offenbar an einem Ausbau der "militärpolitischen Zusammenarbeit". So feilen Experten des russischen Außenministeriums mit chinesischen Vertretern an einem Entwurf der das Abkommen aus dem jahr 2001 erneuert und ausbaut. Details sind noch nicht bekannt.

(nbe)
Mehr von RP ONLINE