Deutschland im Fokus der Kritiker bei Klimakonferenz

Erderwärmung : Deutschland im Fokus der Kritiker bei Klimakonferenz

Eine Allianz von Klimaschutz-Organisationen und die Umweltaktivisten von Greenpeace haben der Bundesregierung zum Auftakt der UN-Klimakonferenz in Madrid vorgeworfen, beim Klimaschutz auf dem Weg zurück in die Vergangenheit zu sein.

Deutschland sei in der EU derzeit „einer der Hauptbremser beim Klimaschutz“, sagte Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan am Montag. Das Klimapaket der Bundesregierung bezeichnete sie als „enttäuschend schwach“.

Die seit Januar vorliegenden Kommissionsempfehlungen zum Kohleausstieg würden „sabotiert“.  Besorgt äußerte sich Morgan zudem über den derzeit stockenden Ausbau erneuerbarer Energien. Während es hier international große Fortschritte gebe, wirke Deutschland so, „als sei es in die 60-er Jahre zurückgefallen“. Zwar sei hier früh mit dem Ökostrom-Ausbau angefangen worden, jetzt aber „droht bei Onshore Windkraft ein Stillstand“.

  Auch ein Bündnis aus Klima- und Entwicklungsorganisationen warf  Deutschland und der EU vor, bei der Erfüllung des Pariser Abkommens zur Eindämmung der Erderwärmung nicht auf Kurs zu sein. „Die deutschen und europäischen Ziele reichen bei Weitem nicht aus, um das Pariser Abkommen einzuhalten“, erklärte die Geschäftsführerin der Klima-Allianz, Christiane Averbeck, am Montag. Hinter der Klima-Allianz stehen 130 Mitgliedsorganisationen. Das Ziel der Treibhausgasneutralität solle „deutlich vor 2050“ erreicht werden. Die Bundesregierung will die deutschen Treibhausgasemissionen dagegen erst bis 2050 auf Null senken.

An der Klimakonferenz in Madrid nehmen 196 Staaten teil.  Auf Ministerebene wird aber erst in der zweiten Konferenzwoche verhandelt. Dann werden von deutscher Seite auch Umweltministerin Svenja Schulze (SPD), Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) teilnehmen.   Allerdings gibt es große Zweifel, ob der Gipfel einen echten Durchbruch bringen kann.

 Seit die Staaten sich 2015 im historischen Abkommen von Paris vorgenommen haben, die Erderhitzung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen, dienen die UN-Gipfel der Umsetzung des Paktes. Dieses Mal soll vor allem das Ziel vorangetrieben werden, 2020 ehrgeizigere nationale Klimaschutz-Pläne vorzulegen. Zudem wird diskutiert, nach welchen Regeln ein internationaler Markt im Klimaschutz funktionieren kann. Auch die Frage, wer die Behebung der durch den Klimawandel verursachten Schäden speziell in armen Ländern bezahlen soll, steht auf der Agenda.

Nach derzeitigem Stand reichen die Pläne der Staaten für das Einsparen von Treibhausgasen bei Weitem nicht aus - und viele Länder schaffen nicht einmal das, was sie angekündigt haben. UN-Chef Guterres hatte am Sonntag in einer Rede moniert, dass die bisherigen Bemühungen um den Klimaschutz „absolut unzureichend“ seien. Es mangele eindeutig an politischem Willen. „Unser Krieg gegen die Natur muss aufhören — und wir wissen, dass das möglich ist.“

Mit Blick auf die „Fridays for Future“-Bewegung lobte der UN-Chef, dass gerade junge Menschen derzeit auf bemerkenswerte Weise die Führung in puncto Klimaschutz übernommen hätten. Die Initiatorin der Proteste, Greta Thunberg, rechnet damit, es noch rechtzeitig zum großen Klima-Marsch am Freitag nach Madrid zu schaffen. Nach ihrer Atlantik-Überfahrt auf dem Katamaran „La Vagabonde“ werde sie voraussichtlich am Dienstag in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon anlanden, twitterte die 16-Jährige. Von dort sind es noch 600 Kilometer bis nach Madrid. (mit Agenturen)