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Sanktionen gegen Russland: Deutsche Wirtschaftsbosse werben für Moskau

Sanktionen gegen Russland : Deutsche Wirtschaftsbosse werben für Moskau

Die Sanktionen gegen Russland bekommt nicht nur die russische Wirtschaft zu spüren, auch deutsche Großkonzerne sind betroffen. Einige Spitzenmanager haben sich jetzt mit russischen Wirtschaftsvertretern getroffen. Beziehungspflege ist dringender denn je.

Seitdem der Westen in der Ukraine-Krise Sanktionen gegen Russland verhängt hat, wachsen dort die wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Das trifft auch deutsche Großunternehmen wie den Energieriesen Eon und den Handelskonzern Metro. Vor diesem Hintergrund hat sich jetzt eine Delegation aus Spitzenvertretern der deutschen Wirtschaft in Moskau mit Außenminister Sergej Lawrow und dem für Wirtschaftsfragen zuständigen Vize-Premier Igor Schuwalow getroffen. Die Reise sei vom Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft organisiert worden, berichtete die russische Zeitung "Kommersant". Ein Sprecher des Ost-Ausschusses bestätigte, es habe ein Treffen auf Vorstandsebene mit russischen Wirtschaftsvertretern gegeben, "20 Teilnehmer von jeder Seite". Außerdem ein Mittagessen mit Lawrow und eine Begegnung mit Schuwalow. Die Inhalte der Gespräche seien vertraulich gewesen.

Der Ost-Ausschuss-Vorsitzende Eckhard Cordes erklärte: "Hauptziel der Treffen war es, gemeinsam mit den russischen Unternehmerkollegen die wirtschaftliche Lage in Russland und die Auswirkungen der Sanktionen zu analysieren und über die zukünftigen deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen zu sprechen." Man habe eine Fortsetzung der Gespräche im Frühjahr 2015 in Deutschland vereinbart.

Zu der Delegation gehörten dem Vernehmen nach neben dem früheren Metro-Chef Cordes auch dessen Nachfolger Olaf Koch, außerdem Wintershall-Vorstand Rainer Seele, der Leiter der Politik- und Außenbeziehungen der Daimler AG, Eckart von Klaeden, sowie der Chef von Siemens Russland, Dietrich Möller. Die Vertreter dieser und anderer großer deutscher Unternehmen seien seit Monaten bemüht, die Bundesregierung von dem Verzicht auf Sanktionen zu überzeugen. Die Delegation sei ermutigt aus den Treffen mit den russischen Spitzenpolitikern herausgegangen, schreibt "Kommersant" unter Berufung auf russische Gesprächspartner.

Die deutschen Unternehmen bestätigten das Treffen nicht. "Russland ist für die Metro ein sehr wichtiger Markt. Alleine deshalb schon ist es für uns eine Pflicht, auch in Zeiten politischer Spannungen den Kontakt und Dialog aufrechtzuerhalten. Aus diesem Grund nehmen auch weiterhin Vertreter unseres Unternehmens am gegenseitigen Austausch zu Wirtschaftsthemen mit Russland teil", teilte der Handelskonzern nur mit.

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Auch Eon wollte sich nicht dazu äußern, ob Eon-Chef Johannes Teyssen bei dem Treffen mit Lawrow und Suwalow in Moskau dabei war. Auch nicht zu dem Treffen hochrangiger Wirtschaftslenker vor einigen Wochen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Dort jedenfalls war Teyssen wie andere deutsche Konzern-Chefs dabei. Das Treffen war bekannt geworden, weil der Total-Chef Christophe de Margerie auf dem Moskauer Flughafen Vnukovo umgekommen war, als sein Jet mit einem Schneepflug kollidierte.

Bei der Veranstaltung mit Putin handelte es sich offiziell um ein Treffen, auf dem die russische Regierung sich seit Jahren von westlichen Konzernbossen beraten lässt. Aus Sicht der Wirtschaft geht es auch darum, den Gesprächsfaden nicht abreißen zu lassen und auf eine Milderung der westlichen Sanktionen und russischen Gegenmaßnahmen zu drängen. Beim Düsseldorfer Ständehaus-Treff Anfang September hatte der Eon-Chef öffentlich betont: "Dies ist nicht die Stunde der Wirtschaft, dies ist die Stunde der Politik." Handeln und Reden sei der beste Weg, um Konflikte zu vermeiden, erklärte Teyssen damals.

Die russische Führung, die seit Beginn des Ukraine-Konflikts zunehmend auf anti-westliche Rhetorik setzt, ist trotzdem auf westliche Investoren angewiesen - denn Russlands Wirtschaft schwächelt. Erst im September hatte die Weltbank die Wachstumserwartungen für 2014 von 1,1 auf 0,5 Prozent abgesenkt. Grund für die Flaute sind in erster Linie die in den vergangenen Jahren verpassten Reformen. Aber auch die Sanktionen wirken sich negativ aus. Der Rubel hat seit Anfang des Jahres gegenüber dem Dollar mehr als ein Viertel seines Wertes verloren. Die jüngste Entscheidung der russischen Zentralbank, Stützungskäufe auf 350 Millionen Dollar (282 Millionen Euro) am Tag zu begrenzen, schickte den Rubel gestern auf ein neues Rekordtief.

(RP)