Weißes Haus: Der wichtigste Schreibtisch der Welt

Weißes Haus : Der wichtigste Schreibtisch der Welt

Der wohl berühmteste Raum der Welt ist imposante 5,60 Meter hoch, aber mit rund 75 Quadratmetern durchaus überschaubar. Die Dekoration im Oval Office spiegelt den Stil des jeweils amtierenden US-Präsidenten wider. Wie wird der Raum unter Donald Trump aussehen?

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Die architektonischen Alpträume geistern in Form von Fotomontagen durchs Netz: Wird das Weiße Haus unter dem Nachfolger von Barack Obama goldfarben angestrichen, durch ausladende Kuppeln gekrönt wie Donald Trumps "Taj Mahal Casino" in New Jersey oder gar ergänzt durch einen Protz-Wolkenkratzer nach dem Vorbild der "Trump Towers" in aller Welt?

Die Antwort lautet trotz Trumps Vorliebe für kalkulierte Tabubrüche: natürlich nicht. Dafür ist die neoklassizistische weiße Villa in der Pennsylvania Avenue Nr. 1600 zu ikonisch. Dort drängen sich keine für Superreiche typischen Umbaumaßnahmen auf. Der von Michelle Obama angelegte Gemüsegarten wird keinem Golfplatz weichen müssen. Ein Helikopter-Landeplatz existiert selbstverständlich bereits. Und die Errichtung eines Jachthafens steht mangels Wasser nicht zur Debatte: Der Potomac River ist 13 Kilometer entfernt, der hinter dem Haus fließende Rock Creek ist nur ein Bach, ein steiniger noch dazu. Aber seine 86-Meter-Jacht mit 210 Telefonen, Kino und 3500 Quadratmeter Wildleder an den Wänden hatte Trump ohnehin schon 1991 wieder verkauft.

1961: First Lady Jacqueline Kennedy lässt den seit 1880 von Präsidenten genutzten "Resolute Desk" im Oval Office aufstellen. Um die Welt geht ein Foto, auf dem der spielende John F. Kennedy Jr. (3) durch eine in der Platte zwischen den Tischbeinen angebrachte Klappe nach vorn in die Kamera schaut, während sein Vater arbeitet. Es erscheint erst nach dem tödlichen Attentat auf John F. Kennedy. 2009: Barack Obama ordert Obstschalen mit Äpfeln statt Blumenvasen. 18 Monate dauert es, bis Ersatz für Bushs Teppich kommt. Trotzdem sind gleich zwei der fünf Zitate an dessen Rand (darunter: "Das Einzige, was wir fürchten müssen, ist die Angst selbst") falsch zugeordnet: Die Abraham Lincoln und Martin Luther King zugeschriebenen Worte sagte der Vorkämpfer gegen die Sklaverei Theodore Parker. Foto: White House Historical Association / Peter Vitale

Dass auch bei der Innenarchitektur des Weißen Hauses alles beim Alten bleibt, heißt all dies noch lange nicht. Anders als zunächst angekündigt will Trump nun doch dort wohnen wie 42 der 43 US-Präsidenten vor ihm; zur Amtszeit von George Washington hatte das Weiße Haus schlicht noch nicht existiert. Trumps Frau Melania sowie ihr Sohn Barron sollen jedoch vorerst weiter in ihrer 2800-Quadratmeter-Wohnung leben. Die erstreckt sich über dutzende Räume in den obersten drei Stockwerken des "Trump Tower" in Manhattan - Wert: fast 100 Millionen Euro.

Dort zeigt sich auch Trumps Vorliebe für Blattgold und Bronze, Marmor-Springbrunnen und Kristall-Kronleuchter, diamantbesetzte Türen und mit dem Familienwappen bestickte Kissen. "Sein Geschmack deckt sich mit dem von Diktatoren", sagt dazu Peter York, Autor des Buchs "Dictator Style". In deren Residenzen gehe es nie um Gemütlichkeit oder Geborgenheit. "Ihr Antrieb ist es, Menschen einzuschüchtern. Alles, was sie tun, drückt aus: ,Ich bin sehr, sehr reich.'"

Zwischen 2001 und 2008 entstand dieses Foto; offensichtlich lag George W. Bush nicht allzu viel an Innenarchitektur. Von seiner Ehefrau Laura Bush ließ er aber einen Teppich gestalten, der Optimismus ausdrücken sollte. Sie wählte ein Sonnenstrahl-Muster, er goldene Vorhänge dazu. Zur Erinnerung an Texas kamen impressionistische Naturgemälde wie "Cactus Flower" und "Near San Antonio" dazu. Foto: White House Historical Association

Wie jeder Präsident seit William Howard Taft 1909 wird Trump dem Oval Office - gelegen im Westflügel zwischen Konferenzraum, präsidialem Arbeitszimmer und Rosengarten - seinen Stempel aufdrücken. In dem Raum hing schon klassische und mal eher moderne Kunst, standen Modelle von Flugzeugen (Truman) oder Schiffen (Kennedy).

John F. Kennedy warnte von hier, jeder Raketenstart von Kuba werde mit einem Atomschlag beantwortet. Richard Nixon sprach von hier am 20. Juli 1969 mit Neil Armstrong und Edwin "Buzz" Aldrin während deren Mondexpedition - und gab infolge der Watergate-Affäre knapp acht Jahre später seinen Rücktritt bekannt. Von hier wandte sich auch George W. Bush am 11. September 2001 an das amerikanische Volk. Danach stellte er in einem symbolischen Akt eine Büste des britischen "Kriegs-Premiers" Winston Churchill auf. Als Barack Obama sie durch eine von Martin Luther King ersetzte, schmollten die Briten.

1969: Richard Nixon hat noch nicht umdekoriert, daher die weißen Vorhänge sowie der graue Teppich, die Lyndon B. Johnson von seinen Vor- und Vorvorgängern übernommen hatte. Nixon setzt später auf Gelb (Vorhänge) und Königsblau (Teppich), gleich drei Porträts von George Washington und das vom Mond aufgenommene Foto "Earthrise". Bereits im Bild: der "Wilson Desk" - fünf Wanzen inklusive. Foto: White House Historical Association / Robert S. Oakes

Fragt sich: What will Donald do? Der beteuert: "Das Weiße Haus ist ein so besonderer Ort, dass man nicht allzu viel daran ausbessern sollte." Obama glaubt ihm. Das Gerücht, er habe Umbaumaßnahmen absichtlich verzögert, damit Trump erst verspätet ins Oval Office einziehen kann - wenn seine ersten Einfälle zur Umdekoration längst vergessen sind -, sei haltlos, heißt es aus dem Weißen Haus. Der einzige Gegenstand, von dem bislang bekannt ist, dass ihn Trump im Oval Office präsentieren will, ist ein Brief des damaligen Präsidenten Nixon von 1987: "Meine Frau sagt voraus: Wann immer Sie sich entscheiden sollten, für ein politisches Amt zu kandidieren; Sie werden gewinnen!"

Fraglich ist allerdings die Zukunft des historischen Schreibtischs im Oval Office, an dem fast alle US-Präsidenten seit 1880 gearbeitet haben, darunter Clinton, Bush und Obama, ein Trumm aus dem Eichenholz des Polarforschungsschiffs "HMS Resolute". Denn Trump setzt privat auf ein verschnörkeltes Exemplar im Stil des Sonnenkönigs Ludwig XIV.

(tojo)