Edward "Ted" Kennedy junior: Der neue Hoffnungsträger des Kennedy-Clans

Edward "Ted" Kennedy junior : Der neue Hoffnungsträger des Kennedy-Clans

Ted Kennedy junior will US-Senator werden. Mit ihm scheint sich nach dem Tod seines Vaters Edward ein politischer Erbe zu profilieren.

Wenn Edward "Ted" Kennedy junior hinter einem Rednerpult steht, erinnert er an einen Oxford-Professor. Zumindest wirkt es so auf Zuhörer aus der Provinz. Sein Bostoner Dialekt, nicht wirklich Oxford-Englisch, aber für amerikanische Ohren sehr korrekt und ein wenig gestelzt, hat etwas Vornehmes. Spricht er vom Wechsel in die Politik, dann sagt er, dass er dem Ruf zum Dienen folge. Den scheint er gerade gehört zu haben, im Alter von 51 Jahren. Jedenfalls redet er auf einmal so dezidiert von jenem Ruf, dass alle mit einer Kandidatur für einen Sitz im US-Senat rechnen.

Sicher, ein Kennedy kann seinen Hut nicht so unbekümmert in den Ring werfen, wie es ein Barack Obama tat, der Sohn einer alleinerziehenden Mutter, der nichts zu verlieren hatte. Ein Kennedy ist der Tradition verpflichtet, der Tradition einer Familie, die sich, manchmal zu gönnerhaft, aber nach wie vor hochgeachtet, als das wahre Rückgrat der Demokratischen Partei versteht.

Knochenmarkkrebs

Die Erwartungshaltung kann sich als schwere Bürde entpuppen, denn falls ein Kennedy verliert, kratzt es zugleich am Nimbus einer politischen Dynastie. Das ist wohl der Grund, warum Edward junior so lange zögerte, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Edward senior, wie sein ältester Sohn von allen nur Ted genannt, mit vollem Namen Edward Moore Kennedy, war schon mit 30 Senator. "Hießen Sie Edward Moore und nicht Edward Moore Kennedy, wäre Ihre Bewerbung bloß ein Witz", spöttelte damals ein Widersacher.

Der Junior ließ dagegen keine höheren Ambitionen erkennen. Seit seiner Kindheit auf eine Beinprothese angewiesen, weil er — von Knochenmarkkrebs befallen — bei einer Operation sein rechtes Bein verlor, engagiert er sich für Behindertenrechte. Das begründet er mit den Worten, dass er als Kennedy schon als Kind daheim am Küchentisch gefragt wurde, wie er Benachteiligten zu helfen gedenke.

Mit 29 in der Drogenklinik

Mit 29 wurde er in eine Drogenklinik eingewiesen. Damals war er ein Playboy, heftig trinkend, mit vielen Romanzen. Heute leitet er von Manhattan aus ein lukratives Beratungsunternehmen, die Marwood Group, 130 Mitarbeiter, Filialen in London und Washington, spezialisiert aufs Gesundheitswesen.

Was alles schiefgehen kann, wenn man sich zu früh um öffentliche Ämter bewirbt, hat Ted junior am Beispiel seines Bruders Patrick gelernt. Der Rotschopf zog mit 27 zum ersten Mal ins Repräsentantenhaus. Geplagt von Depressionen und Stress, konsumierte er große Mengen Schmerztabletten. Der Tiefpunkt war erreicht, als er 2006 nachts mit dem Auto eine Barriere vor dem Kapitol rammte und den verdutzten Parlamentswachen erklärte, er sei auf dem Weg zu einer Abstimmung und deshalb in Eile.

Der Ehrgeiz der Familie als Motor

Vier Jahre darauf stieg Patrick aus der Politik aus. Im vergangenen November wurde Joseph Kennedy III, ein Enkel des früheren Justizministers Robert Kennedy, in einem lauschigen Vorstadtwahlkreis am Rande Bostons ins Repräsentantenhaus gewählt. Für den Clan war es eher ein Trostpflaster.

Der Familienehrgeiz verlangt, dass jederzeit ein Kennedy im Senat sitzen sollte — zumal die Erfahrung lehrt, dass man entweder Gouverneur oder Senator gewesen sein muss, um sich aussichtsreich ums Weiße Haus bewerben zu können. Ted junior könnte der Nächste sein.

Ein Hauskauf gilt als erster Schritt

Jedenfalls gibt es Signale, die aufhorchen lassen. Vor Kurzem kaufte er eine weiße Villa am Meer, die einst seinem Onkel John F. gehörte. Der Immobilienerwerb in Hyannis Port gilt als Weichenstellung, denn wer sich in Massachusetts zur Wahl stellen will, muss dort auch wohnen. Ted bräuchte jetzt nur noch offiziell seinen Hauptwohnsitz dorthin zu verlegen, von New Haven, Connecticut, wo er zurzeit lebt.

Ins Rampenlicht war er bereits 2009 gerückt: Am Sarg seines an einem Hirntumor verstorbenen Vaters hielt er eine bewegende Rede, voll wunderbarer Anekdoten. Eine handelte davon, wie beide Teds vor einer Schlittenfahrt einen schneebedeckten Hügel erklimmen wollten, für den beinamputierten Jungen eine Qual. Der Vater habe ihm Mut eingeflößt: "Ich weiß, dass du es schaffst. Es gibt nichts, was du nicht schaffen kannst." Es war ein Auftritt, der Ted junior in die Schlagzeilen katapultierte. An jenem Tag begann es, das Warten auf seine Kandidatur.

(RP/pst/csi)
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