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Geheimster Geheimdienst der Welt: Der Mossad sucht online Mitarbeiter

Geheimster Geheimdienst der Welt : Der Mossad sucht online Mitarbeiter

Über die Arbeit des Mossad ist nur wenig bekannt, die Organisation gilt als eine der geheimnisvollsten der Welt. Seit neuestem sucht der Geheimdienst aber Nachwuchstalente ganz öffentlich und direkt - über das Internet.

Wer einen Job bei einer der geheimnisvollsten Spionageorganisationen der Welt wollte, musste früher unorthodoxe Maßnahmen ergreifen: Man schlich sich in eine ausländische Botschaft, antwortete auf ein kryptisches Zeitungsinserat oder traf sich in einem unscheinbaren Gebäude in Tel Aviv mit einem schattenhaften Personalvermittler.

Doch inzwischen benötigt man für eine Bewerbung beim israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad nur noch einen Klick mit der Computermaus.

Der sonst eher undurchsichtige Geheimdienst gestaltete hat seine Webseite umgestaltet und bietet dort jetzt auch ein anspruchsvolles Rekrutierungsvideo und die Option einer Online-Bewerbung für Jobsuchende. Der Internetauftritt - in hebräischer, englischer, französischer, russischer, arabischer und persischer Version abrufbar - soll die Art und Weise revolutionieren, wie die Spionageorganisation potenzielle Agenten aufspürt.

"Wir müssen auch künftig die besten Leute rekrutieren, damit der Mossad weiterhin führen, verteidigen und den Fortbestand des Staats Israel sichern kann", erklärte Geheimdienstchef Tamir Pardo zum Start der neuen Webseite. "Das qualitative Humankapital von Mossad ist das Geheimnis unseres Erfolgs."

Mossad ist die hebräische Bezeichnung für "das Institut". Die Organisation ist der globale Arm der gerühmten israelischen Geheimdienstgemeinde und soll hinter einigen der gewagtesten verdeckten Anti-Terror-Operationen des vergangenen Jahrhunderts stecken.

Nur wenige davon sind ans Licht gekommen, darunter die Tötung der Anführer des sogenannten Schwarzen September - der palästinensischen Gruppe, die für das Massaker an israelischen Athleten bei den Olympischen Spielen in München 1972 verantwortlich war. Hinzu kommen israelische Attentate in Afrika, Europa und im Nahen Osten.

Doch hinter dem Mossad steckt mehr als nur seine James-Bond-Aura. Es ist wahrscheinlicher einen Job in der Technologie-, Cyber- oder Verwaltungsabteilung des Geheimdiensts zu ergattern, denn in ihrem Auftrag zu einem Agenten oder einer Agentin im Stil von 007 zu werden.

Die Webseite stellt allerdings eher das Geheimnisumwitterte des Mossad in den Mittelpunkt. Im Video sind Satelliten und Drohnen zu sehen, sowie Frauen und Männer, die Anzüge tragen, sich in Computer einhacken und Überwachungsoperationen ausführen. Eine erzählende Stimme sagt: "Deine Imagination ist meine Realität". Auf einem Banner am oberen Seitenrand steht geschrieben: "Komm' zu uns, um das Unsichtbare zu sehen und das Unmögliche zu tun."

Abgesehen von der Ankündigung zum Start, hat sich Mossad über seine neue Medienstrategie bedeckt gehalten. Doch mindestens ein früherer Agent des Geheimdiensts hält das Vorgehen für eine gute Idee. "Dies ist das 21. Jahrhundert", sagt Gad Schimron, der ein Jahrzehnt lang für den Mossad arbeitete und später ein Buch über dessen Geheimoperation schrieb, äthiopische Juden nach Israel zu holen. "Sie haben nichts zu verlieren. Wenn man eine Schnur auswirft, angelt man vielleicht einen Fisch", meint Schimron.

Zwar könnte das Internet auch einige Spinner und womöglich ein paar feindliche Elemente anziehen, sagt der Ex-Spion. Der Mossad sei aber absolut fähig, die Besten aus einem größeren Netz herauszufischen.

Der Mossad sei früher eher eine Art Seilschaft gewesen, bei der Freunde deren Freunde und Familienangehörige rekrutiert hätten. Gelegentlich habe man in den Anzeigenteilen Inserate finden können, in denen "interessante Jobs" angeboten wurden.

Es sei möglich gewesen, dass Personen mit mehreren Pässen und einer bestandenen Sicherheitsüberprüfung durch ihre Militärdienste einen Anruf erhielten, in dem sie zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wurden, sagt Schimron. Doch einfach in eine israelische Botschaft zu laufen, sei für diejenigen riskanter geworden, die angesichts der zunehmenden Zahl von Videokameras weltweit Angst vor Entdeckung hätten.

Der Mossad selbst betont, eine Online-Bewerbung auf seiner Webseite sei sicher und diskret. "Seien Sie versichert, dass alle Kontaktaufnahmen mit der äußersten Diskretion und Geheimhaltung behandelt werden, damit Ihre persönliche Sicherheit gewährleistet ist", steht in der Bewerbungsanleitung. Enthalten sind auch mehrere Tipps beim Vorgehen. So wird unter anderem empfohlen, den Browserverlauf auf dem Computer nach der Vervollständigung der Bewerbung zu löschen.

Mit der Rekrutierung im Internet scheint sich der Mossad ein Beispiel am israelischen Inlandsgeheimdienst Schin Bet zu nehmen. Dieser hatte seine Online-Rekrutierungskampagne 2006 gestartet und betreibt noch immer eine umfangreiche Webseite, die Terrorstatistiken, eine ausführliche Geschichte der Organisation mit Einzelheiten zu vergangenen Operationen sowie ein großes Portal mit Karrieremöglichkeiten beinhaltet.

Der Mossad übt bei seinem Internetauftritt hingegen größere Geheimhaltung. Zwar sind auf der Webseite einige Hintergründe zu den Ursprüngen des Auslandsgeheimdiensts und zu seiner wohl berühmtesten Operation - der Gefangennahme des Nazi-Verbrechers Adolf Eichmann - zu finden. Doch die Beschreibung seiner Aktivitäten ist vage. Zudem fehlt von Dutzenden anderen bekannten Geheimdiensteinsätzen, die mit Mossad in Verbindung gebracht werden, auf der Webseite jede Spur.

Eine Erklärung dafür liefert Mossad-Chef Pardo in seiner Begrüßungsansprache. Häufig sei das, was viele Jahre nach einem Ereignis des Geheimdiensts veröffentlicht werde, "nur die Spitze des Eisbergs beinahe imaginärer Aktivitäten und Operationen". Die Mossad-Webseite, sagt Pardo, "bietet Ihnen einen kurzen Einblick in den Mossad und wird nur wenig seiner Vergangenheit und Aktivitäten preisgeben".

(ap)