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Ein US-Marine und seine Zweifel am Irak-Krieg: Der Mann, der die Saddam-Statue verhüllte

Ein US-Marine und seine Zweifel am Irak-Krieg : Der Mann, der die Saddam-Statue verhüllte

Zehn Jahre ist es her, dass US-Soldaten im Irak-Krieg die Hauptstadt Bagdad einnahmen. Symbolisch wurde damals die Statue von Diktator Saddam Hussein gestürzt. Doch der US-Marine, der damals eine US-Flagge auf dem Abbild platzierte, hinterfragt heute den Sinn des Krieges.

Es war der 9. April 2003, als Panzer der US-Armee in die irakische Hauptstadt Bagdad einzogen. Jenem Krieg, der wegen angeblicher Massenvernichtungswaffen des Regimes angezettelt worden war. Waffen, die es nie gegeben hatte. Und dennoch, an jenem Tag herrschte Jubel.

Denn dieser Tag markierte das Ende des Saddam-Regimes. Symbolisch erklommen die US-Soldaten gemeinsam mit Irakern die riesige Statue des Diktators, die mitten auf dem zentralen Firdos-Platz stand. Ganz vor dabei: Edward Chin.

Die US- statt der irakischen Flagge

Der US-Marine löste an diesem Tag auch ein wenig Unmut aus, denn als er nach oben kletterte, drapierte er die amerikanische Flagge über das Gesicht der Statue. Nur wenige Minuten später wurde sie heruntergerissen und durch eine irakische ersetzt.

Chin, zu diesem Zeitpunkt 24, sagte damals in US-Medien, er habe nur Anweisungen befolgt, die er kurz zuvor erhalten habe. Im Nachhinein habe er die Kritik verstanden, dass er ausgerechnet die amerikanische Flagge darüber geworfen habe, schließlich sollte die US-Armee doch als Verbündete und nicht als Eroberer wahrgenommen werden.

Damals war es auch ein unglaublicher Moment der Freude für den jungen Soldaten. Heute sieht das alles ein wenig anders aus. Chin, der aus dem New Yorker Stadtteil Brooklyn kommt, sagt heute, dass er Zweifel habe über die damalige Mission.

"Warum sind wir dahin gegangen", zitiert ihn etwa die "New York Daily News". Damals habe er an die Mission geglaubt, doch heute sei er sich über den Sinn und Zweck nicht mehr sicher.

"Als Marines taten wir damals unseren Job. Wir sind dorthin gegangen, wohin sie uns geschickt haben", sagt er. "Wir haben gehofft, dass unsere Anführer die richtigen Entscheidungen getroffen haben.

"Dieser Tag ist noch immer frisch"

Heute aber frage er sich, was die Leute damals dort wollten. Und er sagt, dass sie es wohl selbst nicht wussten. "Sie wollten Saddam nicht an der Macht. Aber es scheint auch so, als wenn sie ebenfalls keine Demokratie dort wollten", so lautet sein Vorwurf.

Chin, der 1999 in die US-Armee eintrat, um sich Geld für das Studium zu verdienen, und nach dem Krieg ausgezeichnet wurde, schaut nun besorgt auf den Zustand, in dem die US-Armee den Irak zurückgelassen hat. Er sagt,: "Wir haben das Land zurück in die Hände von Radikalen und Aufständischen gegeben."

Der Mann mit birmanischen Wurzeln ist inzwischen selbst nicht mehr in der Armee. Er arbeitet als Architekt, ist verlobt. Als er damals zurückkam, sah sein Glück weniger gut aus, wie die "New York Daily News" weiter schreibt. Er verlor seinen Job, seine Ehe ging kaputt.

Inzwischen hat er sich sein Leben zurückgeholt, diesen Moment am 9. April 2003 in Bagdad aber wird er wohl nicht vergessen. "Dieser Tag ist noch immer sehr frisch", sagt er der Zeitung.

(das)