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Der Krieg rückt näher an den Westen heran

Angriffe an der Grenze zu Polen : Der Krieg rückt näher an den Westen heran

Mit dem Angriff von Zielen an der Grenze der Ukraine zu Polen ist der Krieg noch einmal ein Stück näher an die EU und an die Nato herangerückt. Das bereitet neue Sorgen.

Gut zwanzig Kilometer bis zum Dritten Weltkrieg. Dieses Schreckensbild zeichnete am Sonntag Andrij Sadowyj. Der Bürgermeister der westukrainischen Metropole Lwiw präsentierte eine Karte mit einer roten Linie. Im Westen davon prangte eine EU-Flagge, im Osten eine große schwarze Bombe. Sie markierte einen nächtlichen russischen Raketenangriff, gefährlich nah an der Grenze zu EU- und Nato-Gebiet.

Die Botschaft des verzweifelten Bürgermeisters lautete: „Schließt endlich den Himmel.“ Gemeint war eine von der Nato garantierte Flugverbotszone. Andernfalls werde dieser Krieg bald auch den Rest Europas erfassen, warnte Sadowyj. Das allerdings ist, bei allem Verständnis für die Not in Lwiw, Unsinn. Vielmehr zeigten die Raketeneinschläge in Grenznähe zu Polen, wie schmal der Grat ist, auf dem der Westen bei seiner militärischen Unterstützung für die Ukraine wandelt.

Klar ist, dass die Nato auf einen russischen Raketenangriff auf polnisches und damit eigenes Territorium reagieren müsste. Immerhin gäbe es dann aber noch Gesprächskanäle nach Moskau, über die sich klären ließe, ob sich da nicht ein Geschoss „verirrt“ hat. Eine von der Nato garantierte Flugverbotszone dagegen würde die Allianz verpflichten, auf russische Kampfjets zu schießen. Damit wäre der Weltkrieg nicht eine Frage von Kilometern, sondern von Stunden.

Nein und nochmals nein: Mit einer Ausweitung des Krieges wäre niemandem geholfen, auch nicht den Menschen in der Ukraine. Das gilt umso mehr, als das mörderische Regime des russischen Präsidenten Wladimir Putin ohnehin keine Zukunft hat. Einem Mann, der nur Zerstörung und Tod anzubieten hat, wird auf Dauer niemand folgen. Auch in Russland nicht. Diese Erkenntnis mindert zwar nicht das Leid in der Ukraine. Aber sie stärkt die Hoffnung, und in einer Zeit wie dieser ist das nicht wenig.