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Nordkoreas Kim Jong Un zum Marschall ernannt: Der kleine Diktator festigt seine Macht

Nordkoreas Kim Jong Un zum Marschall ernannt : Der kleine Diktator festigt seine Macht

In vielen Dingen handelt Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un anders als sein Vorgänger und Vater Kim Jong Il: Un hält öffentliche Reden. Un zeigt sich erstmals mit einer Frau in der Öffentlichkeit. Und doch eint sie ihr unerschöpfliches Streben nach Macht, die Stärkung des Militärs und die Isolation der Bevölkerung.

Hoffnung keimte auf in der Weltgemeinschaft, als Kim Jong Un am 29. Dezember 2011 zum neuen "obersten Führer" von Partei und Militär Nordkoreas ernannt wurde. Das Bild, das von Kim Jong Un, Nachfolger des wenige Tage vorher verstorbenen Diktators Kim Jong Il, in die Welt transportiert wurde, weckte die Hoffnung auf einen Wandel in den Beziehungen zum ostasiatischen Land.

Mitte 2012 sieht die politische und wirtschaftliche Realität in Nordkorea indes anders aus: Die internationalen Beziehungen — insbesondere zu Südkorea — haben sich nicht verbessert. Un schottet die größtenteils hungernde Bevölkerung weiter von internationalen Hilfslieferungen ab. Die Wirtschaft liegt danieder.

Erwartungen enttäuscht

Die Erwartungen vieler Regierungschefs sind enttäuscht worden: Nordkoreas neuer Diktator führt vieles unerbittlich fort, was sein Vater vorangetrieben hatte: Un stärkt die Position des Militärs, mit 1,2 Millionen Soldaten immerhin die viertgrößte Streitmacht der Welt.

Gemäß der Doktrin des "Songun" hat die Armee Priorität und genießt zahlreiche Privilegien in dem verarmten und international isolierten Staat. Un führt zudem weiterhin verdeckte Tests mit Trägerraketen für Atomwaffen durch, die eine potenzielle Bedrohung für die Nachbarländer darstellen.

Un festigt Machtstellung

Anders als vor Amtsantritt insbesondere vom südlichen Feind und Nachbarn erhofft, ließ sich der junge und (außen)politisch unerfahrene Il-Nachfolger nicht verbiegen und beeinflussen. Ähnlich wie sein Vater auch räumt Un unliebsame Mitarbeiter beiseite. So ist die wohl überraschende Entlassung des angeblich erkrankten Militärchefs Ri Yong Ho am Dienstag zu werten.

Gleichzeitig festigt Un seine eigene Machtstellung. Am Mittwoch wurde bekannt, dass er in den Rang eines Marschalls erhoben wurde. "Es wurde die Entscheidung getroffen, dem Oberkommandeur der Volksarmee, Kim Jong Un, den Titel eines Marschalls der Demokratischen Volksrepublik Korea zu verleihen", wie die amtliche Nachrichtenagentur KCNA vermeldete.

Frau an der Seite des Diktators

Und doch legt Nordkoreas Diktator unerwartetes Verhalten an den Tag und grenzt sich von seinem am 17. Dezember 2011 verstorbenen Vorgänger ab. Jüngst rätselte die Welt, wer die Frau an der Seite des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un war, die zuletzt auf Fotos zu sehen war.

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Einer südkoreanischen Zeitung zufolge handelte es sich bei der Dame um eine Schlagersängerin. Einem Bericht der "JoonAng Daily" zufolge heißt die Frau Hyon Song-wol. Südkoreanische Geheimdienstler vermuten, dass es sich um Uns Jugendliebe handelte. Zu Lebzeiten war ihm die Liaison von seinem Vater offenbar verboten.

Zudem hält Un öffentliche Reden. So geschehen im Rahmen der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstags seines Großvaters. Während sich sein Vater Kim Jong Il bei solchen Anlässen stets in Schweigen hüllte, überraschte Kim Jong Un mit seiner ersten öffentlichen Rede als Machthaber. Der hungernden und notleidenden Bevölkerung hilft dies nicht.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Nordkorea: Diktator Kim Jong Un baut Machtstellung aus

(nbe)