Ahmadinedschad besucht Atomanlagen: Der Iran provoziert wieder mit Bildern

Ahmadinedschad besucht Atomanlagen : Der Iran provoziert wieder mit Bildern

Der Iran protzt gern mit Propaganda-Bildern. So etwa von den Feierlichkeiten der Revolution oder von einer angeblichen US-Drohne. Nun wurden neue Fotos veröffentlicht - von Mahmud Ahmadinedschad beim Besuch in Irans Atomanlagen.

Es war die großangelegte Propaganda-Maschinerie, die das iranische Regime am Mittwoch aufgefahren hatte. Der Präsident weihte gleich drei Nuklearprojekte ein - und dies wurde live im TV gezeigt. Ein Machtspiel, wie es Teheran gern spielt: Dem Westen zeigen, dass man sich nicht erpressen lässt.

Doch das Ausland reagierte recht gelassen auf die Bilder etwa der neuen Zentrifugen. Israels Verteidigungsminster Ehud Barak erklärte etwa im israelischen Rundfunk, die Bekanntgabe der angeblichen Fortschritte bei der Urananreicherung seien ein "Spektakel" gewesen. "Die Iraner wollen den Eindruck vermitteln, dass sie weiter sind, als es der Wirklichkeit entspricht, um das Gefühl zu vermitteln, sie hätten den Punkt ohne Wiederkehr überschritten, was nicht wahr ist", so Barak.

USA geben sich gelassen

Ähnliches war auch aus den USA zu hören, die den Iran immer wieder für sein Atomprogramm kritisieren. Denn die westliche Staatengemeinschaft verdächtigt das Regime in Teheran, heimlich Atomwaffen bauen zu wollen. Der Iran bestreitet dies und behauptet, mit ihren Atomprojekten Strom produzieren oder sie für medizinische Projekte nutzen zu wollen.

Dementsprechend würdigte Mahmud Ahmadinedschad mit großen Worten auch die angeblichen Fortschritte seines Landes. Dreimal so schnell sollen die neuen Zentrifugen arbeiten, und erstmals seien im Iran hergestellte Brennstäbe in einer Anlage installiert worden.

US-Außenamtssprecherin Victoria Nuland allerdings sprach von "hochgespielten" Vorgängen. "Offen gesagt, das sieht nicht nach viel aus. Das sind keine großen Neuigkeiten." Die Iraner hinkten "viele, viele Monate" hinter dem Stand zurück, den sie propagierten. Für Nuland sieht es so aus, als sei die Show vom Mittwoch nur für das heimische Publikum gedacht.

Bereitschaft zu Gesprächen signalisiert

Das zeigen auch einige Worte, die Ahmadinedschad bei seiner Präsentation wählte. "Der Westen will uns gegenüber seinen Willen durchsetzen und erwartet von uns, dass wir blind unterzeichnen, was er will, aber das wird niemals geschehen", so der iranische Präsident. Es sind aber auch provokante Worte in Richtung Westen, denn der Teheran weiß, dass der Druck von außen immer stärker wird.

Umso obskurer erscheint es, dass Teheran zur gleichen Zeit gegenüber der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton in einem Brief neue Bereitschaft zu Verhandlungen über das iranische Atomprogramm signalisierte. Doch angesichts des kommenden EU-Ölembargos steht Teheran ein wenig mit dem Rücken zur Wand. Und die Drohung, die Straße von Hormus zu schließen, hatte kaum gefruchtet in den vergangenen Wochen.

Die Stimmung allerdings war sowohl aufseiten der USA als auch auf der des Iran zunehmend angespannter. Mit den aktuellen Bildern provoziert Präsident Ahmadinedschad nun erneut. "Die Ära der schikanierenden Nationen ist vorbei", proklamierte er. "Die arroganten Mächte dürfen kein Monopol auf die Nukleartechnologie haben." Seine Landsleute mag der iranische Machthaber mit diesen Worten beeindruckt haben, beste Voraussetzungen für neue Atomgespräche dürften das allerdings nicht sein.

Hier geht es zur Bilderstrecke: 2012: Iran zeigt seine Atomprojekte

(das)
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