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Waffenruhe zwischen Hamas und Israel beendet: Der Frieden ist wieder offiziell vorbei

Waffenruhe zwischen Hamas und Israel beendet : Der Frieden ist wieder offiziell vorbei

Erst schlug nach zwölf Stunden relativer Ruhe eine Rakete in Israel ein, dann flogen israelische Kampfjets Angriffe auf den Gazastreifen. Der Appell des Sicherheitsrats für eine humanitäre Feuerpause verhallt.

Israelische Kampfjets haben am Montag drei mutmaßliche Hamas-Stützpunkte bombardiert. Zuvor wurde vom Gazastreifen eine Rakete auf Israel abgefeuert. Nach Militärangaben wurden zwei Abschussrampen für Raketen und eine Werkstatt ins Visier genommen, in der Raketen gebaut werden. Das palästinensische Geschoss habe beim Einschlag in Südisrael keinen Schaden angerichtet. Ein Appell des Weltsicherheitsrats an die Konfliktparteien, eine sofortige und bedingungslose humanitäre Feuerpause einzuhalten, verhallte somit unbeachtet.

Die israelischen Streitkräfte hatten vor den Luftangriffen mitgeteilt, sie hätten seit Sonntag 21.30 Uhr Ortszeit keine Angriffe im Gazastreifen ausgeführt. Bodentruppen hätten aber den Einsatz fortgesetzt, das Tunnelsystem der Hamas an der Grenze zu zerstören, von dem aus Angriffe auf Israel ausgeführt würden. Außerdem sei mit Artillerie auf mutmaßliche Hamas-Stellungen in Beit Lahija im Norden des Küstenstreifens gefeuert worden, nachdem von dort eine Rakete auf Aschkelon abgefeuert worden sei. "Ruhe wird mit Ruhe beantwortet", erklärten die Streitkräfte.

Der UN-Sicherheitsrat hatte zuvor in seinem einstimmig verabschiedeten Aufruf für eine humanitäre Feuerpause auf das islamische Fest Eid al-Fitr zum Ende des Fastenmonats Ramadan hingewiesen. "Unverzüglich und bedingungslos" sollten die Waffen schweigen. US-Präsident Barack Obama äußerte in einem Telefonat mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu am Sonntagabend seine tiefe Sorge über die steigende Zahl der getöteten Palästinenser.

In dem seit rund drei Wochen anhaltenden Konflikt sind bislang mehr als 1030 Palästinenser und 43 Israelis getötet worden. Am Montag wurden bei israelischem Panzerfeuer auf Dschabalija ein vierjähriger Junge und ein Mann getötet, verlautete aus palästinensischen Gesundheitskreisen.

Rechtlich bindend ist der UN-Aufruf nicht. Eingebracht wurde das Papier von Jordanien. In der Erklärung wurden weder Israel noch die Hamas beim Namen genannt. Vielmehr wurde "tiefe Besorgnis über die Verschlechterung der Situation und die Verluste zivilen Lebens als Folge der Krise in Gaza" ausgedrückt.

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Nach einer kurzen Feuerpause am Sonntag waren Anläufe zu deren Verlängerung trotz intensiver Vermittlungsbemühungen von UN und USA gescheitert. Die Hamas erklärte, "aufgrund des fehlenden Engagements" der israelischen Seite, seien die Angriffe fortgesetzt worden. Netanjahu hielt dagegen, die Hamas habe mit ihrem Verstoß gegen Bemühungen um eine Feuerpause gezeigt, dass man ihr nicht trauen könne.

Bei den Bedingungen für eine endgültige Waffenruhe liegen die Konfliktparteien weit auseinander. Die Hamas fordert ein Ende der Blockade des Gazastreifens durch Israel und Ägypten, während die israelische Seite eine Entmilitarisierung des Gazastreifens verlangt.

Am Samstag hatten sich beide Seiten an eine zwölfstündige Waffenruhe gehalten, damit sich die Bewohner des Gazastreifens mit dem Nötigsten versorgen konnten. Das israelische Sicherheitskabinett beschloss dann am Abend eine Verlängerung der Waffenruhe um 24 Stunden. Die Hamas lehnte ab und feuerte weiter Raketen auf Israel. Am Sonntagvormittag nahm dann auch Israel die kampfhandlungen wieder auf. Mittags teilte Hamas-Vertreter Sami Abu Suhri dann aber mit, dass die Waffen für 24 Stunden schweigen sollten.

Das lehnte dann Netanjahu ab. Israel werde es "einer Terrororganisation nicht erlauben, zu entscheiden, wann es günstig ist, auf unsere Städte, unsere Menschen zu schießen und wann nicht", sagte er der US-Fernsehsendung Fox News Sunday.

Israel begründet sein militärisches Vorgehen gegen die Hamas mit dem anhaltenden Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen. Inzwischen hat das Land auch Bodentruppen in das palästinensische Gebiet geschickt, um das Tunnelsystem der Hamas zu zerstören, das es als eine Bedrohung sieht.

Hier geht es zur Infostrecke: Chronologie zum Konflikt im Nahen Osten

(ap)