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Der Fall Iran: Ab wann Uran-Anreicherung politisch verdächtig wird

Der Fall Iran : Ab wann Uran-Anreicherung politisch verdächtig wird

Das Mullah-Regime hat angekündigt, sich bei der Anreicherung von Spaltmaterial künftig nicht mehr an die Grenzwerte des Atomabkommens zu halten. Aber was verbirgt sich hinter den technischen Vorgaben eigentlich?

Der Iran reichert nach halbamtlichen Berichten Uran auf 4,5 Prozent an und hat damit am Montag wie angekündigt die zweite zentrale Vereinbarung des internationalen Atomabkommens gebrochen. Bereits am Sonntag hatte das Land mitgeteilt, man habe mit der Anreicherung über das im Abkommen festgelegte Limit von 3,67 Prozent hinaus begonnnen.

Diese Werte wirken zunächst nicht allzu dramatisch, wenn man weiß, dass man für eine funktionsfähige Atombombe Uran benötigt, das auf wenigstens 85 Prozent angereichert wurde. Gewöhnlich wird für Nuklearwaffen sogar auf 90 Prozent angereichertes Uran verwendet. Im Iran wird jedoch damit gedroht, man könne schon bald auch bis auf 20 Prozent anreichern. Und genau hier liegt die Schwelle, ab der es wirklich kritisch wird. Denn bei der Anreicherung auf 20 Prozent wird schon der größte Teil der Arbeit verrichtet, die nötig wäre, um waffenfähiges Uran zu erhalten. 

Das liegt an den physikalischen Besonderheiten des Anreicherungsprozesses. Dabei wird die Zusammensetzung des Minerals so verändert, dass es besonders viele Isotope des Typs Uran-235 enthält, die besonders leicht spaltbar sind. Um das zu erreichen, werden die Atome eines anderen Isotops, Uran-238, entfernt. Uran im Naturzustand enthält nur einen Anteil von etwa einem Prozent Uran-235. Oder anders gesagt: Auf ein Atom Uran-235 kommen rund 140 Atome Uran-238. Bei einer Anreicherung auf 20 Prozent werden in Zentrifugen pro Atom Uran-235 bereits 136 Atome Uran-238 entfernt. Um von dieser Reinheitsstufe auf die für einen Sprengsatz nötigen 90 Prozent zu gelangen, müssten die Techniker dagegen nur jeweils vier weitere unerwünschte Atome entfernen. 

Die dafür nötige Technik ist dieselbe: Die Zentrifugen, in denen die Trennung der Isotope erfolgt, lassen sich auch für den letzten Anreicherungsschritt verwenden. Man schätzt, dass der Iran in der Lage wäre, diese Etappe in nur wenigen Wochen zu bewältigen.

Vor allem aber wäre eine Anreicherung auf 20 Prozent ein klares Zeichen dafür, dass der Iran tatsächlich konkret nach Nuklearwaffen strebt. Denn Uran in diesem Reinheitsgrad ist für zivile Anwendungen etwa in Kernkraftwerken ungeeignet. Zwar verweisen die Iraner auf einen Forschungsreaktor in Teheran, der noch zu Zeiten des Schah-Regimes aus den USA geliefert wurde, der Isotope für medizinische Zwecke liefert und der mit dem Stoff betrieben werden könnte. Aber diese Begründung gilt als vollkommen unglaubwürdig. Deswegen wissen alle Beteiligten: Produziert der Iran 20-prozentiges Uran, ist der Rubikon überschritten.